LUKB-Chef Daniel Salzmann: «Wir müssen unser Filialnetz dem veränderten Kundenverhalten anpassen»

WIRTSCHAFT ⋅ Die Luzerner Kantonalbank hat ein gutes Jahr hinter sich. CEO Daniel Salzmann erklärt, wie die Bank mit Fintech-Start-ups umgeht und was auf die Schaltermitarbeiter zukommt.

31. Januar 2019, 15:19

Interview: Maurizio Minetti

Interview: Maurizio Minetti

Daniel Salzmann, die Bargeldtransaktionen am Schalter gehen dramatisch zurück. Finanzinstitute wie die Urner Kantonalbank schliessen Filialen und streichen Jobs. Die LUKB hat gerade ein neues Filialkonzept eingeführt. Folgt auch in Luzern ein Kahlschlag?Wir haben bei der Zahl der Filialen unsere Hausaufgaben schon vor Jahren gemacht. Darum ist es derzeit nicht geplant, Filialen zu schliessen – eine Garantie für die langfristige Zukunft kann ich aber nicht abgeben. Es ist klar, dass wir unser Filialnetz dem veränderten Kundenverhalten anpassen müssen: Die Transaktionen am Schalter gehen bei uns pro Jahr im hohen einstelligen Prozentbereich zurück. Die Filiale wird sich darum zunehmend zum Ort der Beratung entwickeln. Mit unserem neuen Kundenhallenkonzept, das wir in Schüpfheim ausgerollt haben und im Frühling in Sempach mit einem zweiten Standort fortgesetzt wird, tragen wir dem Rechnung. Der Umbau der Filialen ist ein laufender Prozess, der mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Schaltermitarbeitende werden entsprechend umgeschult.Wie macht man aus einem Kassier einen Kundenberater?Wir haben ein umfangreiches Ausbildungsprogramm und bereiten unsere Mitarbeitenden sorgfältig auf ihre veränderten Funktionen vor. Die Mitarbeitenden werden künftig aktiver auf unsere Kundinnen und Kunden zugehen. Wenn gerade niemand in die Filiale kommt, nehmen unsere Mitarbeitenden ihrerseits per Telefon Kontakt mit unserer Kundschaft auf.Die LUKB hat letztes Jahr ihren Minderheitsanteil am Immobilien-Start-up Crowdhouse verkauft. Wieso?Das Engagement war von Anfang an begrenzt. Wir wollten vor allem die Startphase dieses Fintech-Unternehmens mitbegleiten und daraus lernen. Crowdhouse ist stark gewachsen und wir wären der falsche Partner für die nächste Wachstumsphase gewesen.Sie hätten bei einer Kapitalerhöhung mitmachen müssen.Ja, und das wollten wir nicht.Haben Sie Geld verloren mit dem Crowdhouse-Engagement?Im Gegenteil. Netto haben wir einen Gewinn von 4,5 Millionen Franken verbucht.Wäre die LUKB länger an Bord geblieben, hätte sie wohl mehr profitieren können. Crowdhouse könnte demnächst sogar an die Börse gehen.Unser primäres Ziel war nicht, Geld zu verdienen, sondern zu lernen und allfällige Synergien zu nutzen. Länger engagiert zu bleiben, hätte nur Sinn gemacht, wenn wir weitergehende strategische Interessen gehabt hätten. Das war aber von Anfang an nicht unsere Stossrichtung.Planen Sie weitere ähnliche Engagements?Derzeit nicht, aber natürlich schliessen wir weitere Beteiligungen an Start-up-Unternehmen nicht aus, wenn sie passen.Im Herbst 2016 hat die LUKB ein neues E-Banking eingeführt, das monatelang Probleme machte und zu grossen Protesten der Kunden führte. Damit hat die Bank digitales Vertrauen verspielt. Wie wollen Sie wieder aufholen?Wir haben Leuchtturmprojekte wie die Crowdfunding-Plattform Funders lanciert und damit die Wahrnehmung als digital affine Bank geschärft. Beim E-Banking haben wir seit 2016 viele Verbesserungen eingeführt und vor einem Jahr haben wir eine E-Banking-App auf den Markt gebracht, die schon von 30'000 Kunden genutzt wird. Die Delle mit der mangelhaften Lancierung des E-Bankings haben wir meines Erachtens bei den Privatkunden weitgehend wieder ausgebügelt. Im 2018 konnten wir entsprechend eine massive Zunahme der Nutzungszahlen verzeichnen.Planen Sie weitere Anpassungen beim E-Banking?Wir werden die Benutzerfreundlichkeit und die Stabilität weiter erhöhen. Bis Ende März werden wir gemäss aktueller Planung die Gestaltung des öffentlichen Teils unserer Website anpassen, später wird der E-Banking-Teil folgen. Sichtbarste Veränderung wird sein, dass die Kacheln verschwinden.Die LUKB spricht viel über Funders, aber kaum noch über Crowders, eine Art Bewertungsportal für Aktien. Wie läuft Crowders?Crowders entwickelt sich gut. Monatlich geben mehrere hundert Nutzer ihr Online-Voting ab. Basierend auf der Plattform haben wir einen Anlagefonds lanciert, der eine sehr erfreuliche Nachfrage verzeichnen konnte.Um Projekte wie Funders und Crowders zu stemmen, hat die LUKB in den letzten Jahren viele Stellen geschaffen. Geht der Stellenaufbau so weiter?Nein. Unser Ziel ist, dank der Digitalisierung und der Automatisierung der Prozesse weitere Effizienzsteigerung realisieren zu können. Das heisst, dass langfristig vielleicht gewisse Stellen – etwa im Middle- und Backoffice – wegfallen könnten, andere Stellen aber neu geschaffen werden. Bereits in den letzten Jahren haben wir zum Beispiel Ressourcen im Vertrieb aufgebaut, um unsere Ertragskraft zu sichern. Beispiele dafür sind die Immobilienbank, der Unternehmerdesk und das Kompetenzzentrum für strukturierte Produkte.Start-ups wie N26 oder Revolut drängen in die Schweiz. Sie wollen mit einfachen Apps Banken überflüssig machen. Wie reagieren Sie darauf?Wir bezeichnen uns im Fintech-Bereich als «fast follower». Mit unseren Kooperationspartnern verfolgen wir die Thematik natürlich sehr genau. Zum Beispiel arbeiten wir gerade an einem neuen Konzept namens «Blu», bei dem es darum geht, Jugendliche besser anzusprechen. Für uns ist aber klar, dass die persönliche Beratung ein wichtiger Pfeiler unserer Strategie bleiben wird.Gewisse Fintech-Firmen bieten Retailbanking inklusive Kreditkarte umsonst an. Die traditionellen Banken – und dazu gehört auch die LUKB – hingegen erhöhen eher die Gebühren.Haupttreiber für Gebührenerhöhungen sind meistens Regulierungskosten. So haben wir per Anfang 2019 die Gebühren bei grossen Bezügen vom Sparkonto angehoben, weil die Finanzmarktaufsicht Finma dies so vorschreibt. Ansonsten zeigen die Analysen, dass unsere Kontogebühren gerade im Konkurrenzvergleich moderat sind. Wir helfen den Kunden zudem, Gebühren zu umgehen, zum Beispiel, wenn sie auf Papier-Abrechnungen verzichten.In den letzten 30 Jahren ist die Mitarbeiterzahl bei der LUKB in etwa gleich geblieben, während die Gewinne stark zugenommen haben. Aktionäre haben davon profitiert, was ist mit Mitarbeitern und Kunden?Wir setzen grossen Wert auf die Mitarbeiterentwicklung. Letztes Jahr haben wir beim Schweizer Arbeitgeber-Award bei den Unternehmen mit mehr als tausend Mitarbeitern den zweiten Rang erreicht. Offenbar machen wir also vieles richtig. Auf der Kundenseite haben wir die Beratungsprozesse komplett überarbeiten, damit das Erlebnis bei uns besser ist als bei vielen vergleichbaren Banken.Ihre laufende Strategieperiode endet 2020. Wird es am Ende wieder eine steuerbefreite Ausschüttung geben wie vor drei Jahren?Das wissen wir noch nicht. Wir könnten theoretisch noch zwei Mal eine solche Nennwertreduktion durchführen – der aktuelle Nennwert unserer Aktie beträgt 31 Franken. Ob wir das machen und wenn ja, wann, ist Bestandteil von Diskussionen, die noch nicht geführt sind.Wann kommt Ihrer Meinung nach das Ende des Negativzinsregimes?Ich glaube nicht, dass das vor Ende dieses Jahres sein wird. So gibt es Anzeichen, dass die Nationalbank die Zinsen frühestens 2020 anheben könnte.Wie stark leidet die LUKB unter dem Negativzins-Regime?Unsere Zinsmarge geht laufend zurück. Kundengelder müssten wir im Prinzip mit Negativzinsen belasten, aber das machen wir nur in Ausnahmefällen bei Grosskunden. Das heisst, wir legen drauf und müssen den dabei erzielten Verlust über andere Geschäftsfelder auffangen.BAK Economics schätzt, dass die Luzerner Wirtschaft 2018 um 1,7 Prozent gewachsen ist. 2019 soll sich das Wachstum leicht abschwächen auf 1,6 Prozent. Damit wächst der Kanton Luzern erstmals seit Jahren unter dem schweizerischen Durchschnitt. Ein Alarmzeichen?Der Grund für die leichte Abschwächung des Wachstums in Luzern ist, dass wir im Vergleich mit den ganz grossen Kantonen einen kleineren Exportanteil haben und die Exportindustrie hat letztes Jahr ja einen Boom erlebt. Gleichzeitig gingen 2018 die Bauinvestitionen zurück und in diesem Segment ist Luzern traditionell stark. Unter dem Strich kann man aber sagen, dass das Wachstum in Luzern nach wie vor robust ist.

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