Lucerne Festival: Kühne-Stiftung springt als neuer Hauptsponsor in die Bresche

WIRTSCHAFT ⋅ Im Sponsoring des renommierten Luzerner Klassik-Festivals kommt es zu einer Rochade. Die Kühne Stiftung folgt auf Nestlé als Hauptsponsor.

05. September 2019, 15:19

Raphael Bühlmann

Wie bereits angekündigt war, fährt Nestlé sein finanzielles Engagement am Lucerne Festival zurück. Der Westschweizer Nahrungsmittelkonzern reduziert seinen Beitrag vom Haupt- zum Konzertsponsor. Nestlé unterstützte das Festival als Hauptsponsor seit dem Jahr 1985. An die Stelle des Nahrungsmittelmultis aus Vevey tritt die Kühne-Stiftung aus Schindellegi. «Der Vertrag gilt ab 2020 und läuft vorerst bis 2022», verkündete Intendant Michael Haefliger am Donnerstag an der Medienorientierung im KKL.

Im Mittelpunkt der Kooperation stehe das Lucerne Festival Orchestra, aber auch weitere Projekte seien Bestandteil der Fördervereinbarung, hiess es weiter. Für Intendant Haefliger könne das Lucerne Festival dank dem neuen Hauptsponsor seinen sehr hohem Eigenfinanzierungsgrad bewahren. 95 Prozent der Einnahmen generiere man aus Kartenverkäufen, durch Mäzene oder eben Sponsoren.

Nestlé: Neuer Chef, neue Marketingstrategie

Hinter der Kühne-Stiftung steht Klaus-Michael Kühne, Verwaltungsratsmitglied und Mehrheitsaktionär des ebenfalls in Schindellegi niedergelassenen Logistikunternehmens Kühne + Nagel. Seine Stiftung zählt bereits seit 2008 zu den Förderern des Lucerne Festival. Michael Haefliger unterstrich am Donnerstag denn auch, dass man wisse, auf was man sich mit der Kühne-Stiftung einlasse.

«Die Zusammenarbeit basiert auf dem gemeinsamen Verständnis, Begeisterung und Leidenschaft für die klassische Musik sowie auf einer engen Beziehung auch ausserhalb des Festivals», so Haefliger. Klaus-Michael Kühne begründete bei seinem gestrigen Besuch im KKL sein Engagement vor allem mit der hohen Qualität in Luzern. Klaus-Michael Kühne:

«Wir suchen uns die Projekte genau aus, sponsern wenige, diese dafür richtig.»

Mit dem Engagement im Bereich der klassischen Muski möchte Kühne kulturelle Erlebnisse auf hohem Niveau vermitteln. «Deshalb werden wir zukünftig vor allem das Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Maestro Riccardo Chailly mit seiner internationalen Ausstrahlung unterstützen», sagt der 82-jährige in Luzern. Dass die Kühne-Stiftung für Nestlé als Kultursponsor einspringt, ist kein Novum. Ähnliches passierte an den Salzburger Festspielen, wo der Nahrungsmittelkonzern letzten Monat bekannt gab, nach 23 Jahren sein Engagement zu beenden. Ferner wurde Anfang Jahr publik, dass sich Nestlé als Sponsor des Verbier Festivals, das pikanterweise von Nestlés Ex-Präsident Peter Brabeck präsidiert wird, zurückzieht.

Engere Kooperation mit Salzburg vorstellbar

Aber Brabeck, bekennender Klassik-Fan, ist nicht Mark Schneider, der seit 2017 als CEO bei Nestlé waltet. Zwar war auch Schneider unter den Gästen des Lucerne Festivals, doch wurde unter dem Deutsch-Amerikaner die Marketingstrategie bei Nestlé neu aufgestellt. Das primäre Zielpublikum scheinen dabei nicht mehr die Konzertbesucher am Lucerne Festival zu sein. Solche Gedanken macht sich Klaus-Michael Kühne nicht. «Ich hatte beruflich sehr grosses Glück und erachte es als meine Pflicht, etwas davon der Gesellschaft zurückzugeben.» Dass seine Stiftung nun an den Konzerten als Sponsor neben den grossen Firmennamen aufgeführt wird, wirkt für den Firmenpatron «etwas befremdlich».

Indes kann sich Kühne durchaus vorstellen, dass zwischen Salzburg und Luzern in Zukunft mehr kooperiert werden könnte. «Es wird aber keine Fusion geben», sagte Kühne lachend. Wie hoch das Engagement der Kühne-Stiftung ist, wurde am Donnerstag nicht gesagt. Zu den weiteren Hauptsponsoren des Sommer-Festivals zählen die Credit Suisse, Roche, The Adecco Group Foundation sowie die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG.


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