Licht und Schatten bei der Auto AG

WIRTSCHAFT ⋅ Wegen des markanten Passagierrückgangs im ÖV fällt das Geschäftsergebnis der Auto AG schlechter als im Vorjahr aus. Gut läuft es hingegen im Bereich Nutzfahrzeuge, wo in Rothenburg die europaweit erste Werkstatt für Wasserstofflastwagen betrieben wird.

13. April 2021, 17:38

Christopher Gilb

Christopher Gilb

Gut ein halbes Jahr ist es her, seit im Verkehrshaus Luzern die weltweit ersten Xcient-Fuel-Cell-Lastwagen von Hyundai an die ersten Kunden übergeben wurden. Und die neuen Wasserstofflastwagen kommen bei Schweizer Logistikern gut an, bereits 35 rollen auf hiesigen Strassen, 46 sollen es bis Anfang Mai sein, ab Oktober werden dann weitere 140 ausgeliefert, darunter auch solche mit drei Achsen und damit einer höheren Nutzlast.

Die Auto AG ist Exklusivpartner von Hyundai für die Wartung der neuen Gefährte und betreibt in Rothenburg die europaweit erste Werkstatt für schwere Nutzfahrzeuge mit diesem Antrieb. CEO Marc Ziegler sagte an der Bekanntgabe des Jahresergebnisses am Dienstag stolz:

«Wir sind in der Schweiz führend bei alternativen Antrieben für Nutzfahrzeuge. Wenn jemand in diesem Bereich Fuss fassen will, wird häufig das Gespräch mit uns gesucht.»

Und dies nicht nur bei Hyundai und Lastwagen. Bereits gebe es konkrete Anfragen anderer europäischer Hersteller, ein Thema seien auch Busse mit neuen Antriebsformen.

Kritik an Tarifpolitik in Luzern

Zwar nahm die Zahl der verkauften Nutzfahrzeuge wegen Corona ab, jedoch deutlich weniger stark als im Schweizer Schnitt. Zudem habe ein guter Werkstattumsatz erzielt werden können, sowie ein 2019 gestartetes Effizienzprogramms seine Wirkung gezeigt. Während im Bereich Nutzfahrzeuge die Auto AG auf ein gutes 2020 zurückschauen kann, war es der Betrieb von eigenen Buslinien im ÖV, der das Resultat stark belastete.

Wegen der Coronapandemie sank die Zahl der beförderten Fahrgäste auf den Linien in Emmenbrücke, Rothenburg oder Littau von 6,9 Millionen im Jahr 2019 auf 5,5 Millionen 2020. Die Einnahmen aus Ticketverkäufen gingen um zwei Millionen Franken zurück. «Nachdem der öffentliche Verkehr seit Jahren ein stabiles, zuverlässiges und prognostizierbares Standbein war, ist dieses aufgrund der Coronakrise für den Rückgang des Geschäftsergebnisses allein verantwortlich», stellte Verwaltungsratspräsident Walter Huber fest. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen der Auto AG sank so von 7,4 Millionen Franken 2019 auf 6,2 Millionen Franken 2020. Entsprechend ging auch der Reingewinn von 1,9 Millionen Franken auf 0,6 Millionen Franken zurück. Der Umsatz sank innert Jahresfrist von 116,7 auf 113,2 Millionen Franken.

Dass der Rückgang wegen des ÖV nicht höher gewesen sei, zeige, dass die Auto AG in den anderen Bereichen gut gearbeitet habe. Ohne den negativen Einfluss des ÖV wäre das Ergebnis nämlich sogar besser als im Vorjahr gewesen, so Huber. Ein Dorn im Auge ist der Auto AG, dass sie selbst für diese Mindereinnahmen aufkommen muss. «Im Kanton Zürich beispielsweise liegt das Ausfallrisiko von Einnahmen im ÖV beim Verkehrsverbund, das fände ich fairer, denn so werden wir dafür bestraft, dass wir die letzten Jahre gut gearbeitet und entsprechend Reserven angelegt haben», kritisiert CEO Marc Ziegler.

Weitere Wasserstoff-Werkstätten geplant

Da er damit rechne, dass auch weiterhin die Passagierzahlen im ÖV als Folge der Pandemie eher tiefer sein werden, will Ziegler das Thema in den entsprechenden Gremien und bei den politischen Entscheidungsträgern im regionalen Tarifverbund ansprechen. Denn wenn die Mindereinnahmen nicht übernommen würden, werde auch das Resultat 2021 in diesem Geschäftsbereich wieder negativ ausfallen. «Da uns aufgrund des vorgegebenen Fahrplans die Möglichkeit zur Kostenreduktion weitgehend fehlt», so Ziegler. Denn gerade zu Randzeiten mache der aktuelle Fahrplanbetrieb betriebswirtschaftlich keinen Sinn.

Sonst sieht Ziegler positiv in die Zukunft. Das grösste Projekt der Auto AG derzeit ist der A2 Gewerbepark in Rothenburg, der im Herbst 2022 bezugsbereit sein soll. «Obwohl wir ohne grössere Mietzusage gestartet haben, ist schon ein Drittel der Fläche vermietet.» Zudem plant die Auto AG weitere Standorte für die Wartung der Wasserstofflastwagen in Betrieb zu nehmen. Erfolgen soll dies über die Akquisition bestehender Werkstätten und deren anschliessender Aufrüstung. Konkreter werden wollten die Verantwortlichen aber noch nicht.


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