Kreta und Kos statt Bali oder Brasilien – hier verbringen Schweizer ihre Herbstferien

WIRTSCHAFT ⋅ Die Herbstferien stehen vor der Tür. Für Badeurlaub kommen wegen der Coronakrise aber fast nur europäische Destinationen in Frage. Während die Buchungen bei Reisebüros einbrechen, boomt der Binnentourismus.

16. September 2020, 05:12

Sarah Kunz

Safari in Südafrika, Samba in Rio oder Sonnenbaden in Indonesien. Das klingt zwar verlockend, liegt derzeit coronabedingt aber nicht drin. Wer trotzdem noch einmal ans Meer will, muss sich für die Herbstferien eine Alternative überlegen. Laut Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands, weichen viele Schweizerinnen und Schweizer auf die allzeit beliebten Ferienziele Griechenland oder Zypern aus.

Bei Kunden des Reiseveranstalters Kuoni steht derzeit auch Portugal hoch im Kurs, bei Hotelplan die Südtürkei und Tui verweist auf Ägypten. Italien nennen die Reiseveranstalter nicht. Das liegt daran, dass sich Italien-Reisende meist selbst organisieren und daher nicht in den Zahlen der Reisebüros auftauchen. Italien ist also sehr wohl für viele eine Alternative zu fernen Feriendestinationen wie Thailand.

An Italien lässt sich gleichzeitig eine weitere Änderung im Reiseverhalten der Schweizer aufzeigen. «Wer seine Ferien im vergangenen Jahr noch über das Internet organisierte, bucht heute lieber über ein Reisebüro», sagt Kunz. «Die persönliche Beratung wird zu Krisenzeiten sehr geschätzt, weil man bei Fragen eine Ansprechperson hat, an die man sich wenden kann.»

So etwa, wenn ein Land neu auf die Quarantäneliste des Bundes gesetzt wird. Die meisten Reiseveranstalter bieten in diesem Fall kostenlose Umbuchungen an. Mittlerweile rät der Bund von Reisen in 51 Länder sowie in Teilgebiete von Frankreich und Österreich ab. Für diese Regionen sind die Buchungen im Vergleich zum Vorjahr massiv zurückgegangen.

Kaum Planungssicherheit: Reisende buchen kurzfristig

Allgemein sieht es bei den Reisebüros schlecht aus, die Unsicherheit ist spürbar, gebucht wird Ultra-Last-Minute. «Aktuell warten unsere Kunden möglichst lange ab, um vor allem die Quarantäneliste zu verfolgen», sagt eine Tui-Sprecherin. «Entsprechend sind auch unsere Buchungszahlen unter dem Vorjahresniveau.»

Ähnlich klingt es bei Kuoni und Hotelplan: «Unsere Buchungen für die Herbstferien liegen signifikant unter jenem des Vorjahres», sagt ein Kuoni-Sprecher. Grundsätzlich sei die Reiselust aber spürbar. Die Reisebüros setzen ihre Hoffnungen deshalb auf das Kurzfristgeschäft.

Trotzdem bleiben die Aussichten trüb. «Die Reisebüros verzeichnen aktuell nur etwa 15 Prozent der Buchungen des Vorjahres», sagt Kunz. Damit bewegen sich die Buchungen für die Herbstferien in etwa auf demselben Niveau wie für die vergangenen Sommerferien.

«Die Situation ist dramatisch», sagt Kunz. «Wir wünschen uns, dass an den Flughäfen Coronatests eingeführt werden und Reisende aus Risikoländern dafür auf die Quarantäne verzichten könnten.» Davon hält der Bund bislang aber nichts.

Während die Schweizer Reisebüros ums Überleben kämpfen, boomt der Binnentourismus geradezu – vor allem in den Bergen. Bei e-domizil, dem Online-Vermittler für Ferienwohnungen und Ferienhäuser in der Schweiz, gingen für den laufenden Monat bereits doppelt so viele Buchungen als im Vorjahr ein.

Auch beim Ferienwohnungsvermittler Interhome liegen die Buchungseingänge deutlich über dem Vorjahresniveau. Am meisten reisen Schweizer Touristen – wenig überraschend – ins Tessin, ins Wallis, ins Berner Oberland und nach Graubünden.


Login