Keine Zinsen, hohe Gebühren: Beim Mietzinsdepot zahlen die Mieter drauf

WIRTSCHAFT ⋅ Zentralschweizer Banken zahlen auf Mietdepots kaum Zinsen – verlangen aber laufend mehr Gebühren. Der Mieterverband Luzern sieht die Vermieter in der Pflicht.

03. August 2019, 05:09

Maurizio Minetti

Ein Eintrag auf der Facebook-Seite «Zuger helfen Zugern» sorgte kürzlich für viele Kommentare. Ein Nutzer schrieb, ihm werde auf seinem Mietzinsdepot eine Gebühr erhoben. «Ich empfinde das als ungerechtfertigte Bereicherung dieser Bank, zumal sie dank meinem gebundenen realen Kapital Kredite vergeben kann», beklagte er sich. Er erwarte keine Zinsen, aber auch nicht, dass sich sein Depot mindere. Andere Nutzer berichteten ebenfalls von Gebühren, die sie für das Mietzinsdepot zahlen müssten.

Das Mietzinsdepot ist jener Betrag in der Höhe von bis zu drei Monatsmieten, den Mieter auf ein Sperrkonto einer Bank einzahlen, wenn sie eine neue Wohnung beziehen. Diese Kaution gilt als Sicherheit für den Vermieter für allfällige Mietzinsrückstände und Schäden an der Wohnung. Das Geld bleibt während der gesamten Mietdauer blockiert. Als Banken noch viel Zins zahlten, konnten sich Mieter nach dem Ende der Mietdauer über einen Zins freuen. Doch in Zeiten von Negativzinsen ist das nicht mehr so. Auf diese Depots, die von den Banken «Mietkautions-Sparkonti» genannt werden, gibt es heute in der Regel gar keinen Zins mehr. Mehr noch: Die Banken packen sogar vermehrt Gebühren drauf.

30 Franken für Konto-Eröffnung

Eine Umfrage unter Zentralschweizer Banken zeigt, dass die Zinsen gegen null sinken und die Gebühren steigen. So verrechnet die Schwyzer Kantonalbank seit zwei Jahren bei der Eröffnung eines Mietzinsdepots eine einmalige Gebühr von 30 Franken. Bei der Auflösung fallen generelle Saldierungsspesen von 10 Franken an. Die Bank begründet dies damit, dass die Konto-Eröffnung bei Mietzinsdepots «mit erheblichem Aufwand» verbunden sei. Dies, «da verschiedene Instanzen wie Mieter, Vermieter oder Verwaltungen involviert sind und es bei Eröffnungen in der Regel zu Rückfragen oder zusätzlichen Abklärungen kommt.»

Auch die Nidwaldner Kantonalbank verrechnet eine Eröffnungsgebühr von 30 Franken. Der Zins für den Mieter beträgt dabei 0,00 Prozent. 30 Franken für die Kontoeröffnung verlangt auch die Luzerner Kantonalbank. Die Zuger Kantonalbank verrechnet für Eröffnung und Führung des Kontos keine Gebühren. Sie verlangt aber – wie andere Banken auch – Portokosten für den Versand der Abrechnung. Einige Banken, wie die Valiant, die Migros Bank oder die Obwaldner und die Urner Kantonalbank, verlangen zwar keine Gebühren, verrechnen aber bei der Aufhebung des Kontos am Ende der Mietdauer einen Betrag in der Höhe von 10 bis 20 Franken, wenn dabei die gesamte Geschäftsbeziehung mit der Bank aufgelöst wird.

Der Mieterverband Luzern, der auch in den Kantonen Nidwalden, Obwalden und Uri tätig ist, kennt die Problematik. «Wir beobachten, dass die Banken allgemein vermehrt Gebühren verrechnen, so auch bei Mietkautionskonten», sagt Geschäftsleiter Cyrill Studer Korevaar. Der Verband ist der Meinung, dass die Gebühren von den Vermietern zu zahlen sind: «Die Mietkaution ist keine Pflicht. Wenn schon, geht der Wunsch vom Vermieter aus. Konsequenterweise sollte dieser allfällige Kosten tragen», sagt er.

Für diese Forderung hat der Hauseigentümerverband des Kantons Luzern kein Verständnis. Geschäftsführer Alex Widmer sagt, das Konto gehöre dem Mieter, also müsse der Mieter auch die Gebühren bezahlen. Schliesslich erhalte dieser in Zeiten höherer Zinsen auch einen Zinsertrag.

Versicherungen als Alternative

Alternativen zur Mietkaution gibt es, doch sie haben sich bislang nicht durchgesetzt. Für Aufsehen sorgte vor zwei Jahren der Versicherungskonzern Axa, der für die 20'000 Mieter seiner Wohnungen die Mietkautionspflicht abgeschafft hat. Möglich wird dies, weil die Immobiliengesellschaft von Axa mit der Versicherungsgesellschaft von Axa einen Kollektivvertrag abgeschlossen hat. «Rund 80 Prozent der Neumieter verzichten auf eine Mietkaution und schliessen sich dem Kollektivvertrag an, was wir als Erfolg werten», sagt ein Axa-Sprecher.

Könnten andere Immobilienbesitzer dem Beispiel folgen und vermehrt auf Kautionsversicherungen setzen? Widmer vom Hauseigentümerverband glaubt dies nicht, weil ein Grossteil der Wohnungen in der Schweiz von privaten Eigentümern vermietet wird. Und diese hätten nicht die gleichen Möglichkeiten wie die grossen Anbieter. «Wir empfehlen unseren Mitgliedern weiterhin eine Kaution», sagt Widmer.

Auch der Mieterverband rät von Kautionsversicherungen ab. Zwar müsse man damit nicht einen grossen Betrag auf einmal bezahlen wie beim Depot, doch die Gebühren seien am Ende höher als jene, welche die Banken verlangen. Für allfällige Schäden bei einem Auszug bezahle auch in diesem Fall immer der Mieter; die Kautionsversicherung leistet im Fall der Fälle lediglich einen Vorschuss.

Das Luzerner Immobilienunternehmen Mobimo, das unter anderem das Mattenhof-Areal in Kriens entwickelt hat, hat die Abschaffung der Mietkaution geprüft und sich dagegen entschieden. «Wir sehen im flächendeckenden Versicherungsmodell keinen Vorteil und insbesondere auch keine administrative Entlastung, weder für den Mieter noch für uns. Der Mieter hat bereits heute die Wahl zwischen der Barkaution und der Versicherung, wobei sich über 80 Prozent für die Barkaution entscheiden», sagt eine Mobimo-Sprecherin.

Auch die Swiss Life, Besitzerin des grössten privat gehaltenen Immobilienportfolios der Schweiz, sieht auf Anfrage «derzeit keinen Grund, auf das Mietzinsdepot zu verzichten».


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