Investor bei Müller-Martini: «Wir beabsichtigen, zusätzliche  Aufträge nach Stans zu verlagern»

WIRTSCHAFT ⋅ Marco Corvi hat die Produktionshallen von Müller Martini übernommen. Unter dem Dach seiner Benpac-Gruppe soll der Standort in Zukunft von zusätzlichen Aufträgen profitieren.

08. Juni 2019, 05:09

Raphael Bühlmann

Wieso haben Sie die Produktionsstätte von Müller Martini in Stans übernommen?Marco Corvi: Ich muss vielleicht kurz ausholen, was wir überhaupt machen. Benpac ist ein Hersteller von Maschinensystemen. Die Produktionsstätte von Müller Martini in Stans passt sehr gut in dieses Konzept. Wie schon unter der Führung des bisherigen Eigentümers, werden auch wir in Stans Maschinenteile für Dritte herstellen – wie zum Beispiel für die Pilatus Flugzeugwerke oder auch Müller Martini selbst.Wer sind «wir»?Mit «wir» ist die Benpac-Gruppe gemeint. Zwecks der Übernahme wurde die Benpac Produktions AG mit einer Kapitalisierung von 500 000 Franken neu gegründet.Sie sind Alleininhaber und nehmen zudem auch die operative und strategische Führung wahr?Ich bin Alleininhaber. Die strategische Führung in der Holding obliegt einem Verwaltungsratsgremium, in den einzelnen Betrieben werde ich operativ unterstützt von leitenden Angestellten.Benpac ist im Bereich Verpackungstechnik tätig. Was produzieren Sie genau? An wen werden die Produkte geliefert?Wir produzieren Maschinensysteme für die Abfüll- und Verpackungstechnologie, inklusive der einzelnen Teile und Baugruppen. Kunden sind abfüllende Betriebe für Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Spirituosen und der Pharmaindustrie.Können Sie uns eine Referenz nennen?Die Unternehmen der Benpac-Gruppe zählen namhafte Unternehmen für ihre Dienstleistungen und Produkte zu ihren Kunden. Wie Novartis, Rheinsalinen, Assa Abloy, Alucon und viele weitere.Mit der Übernahme in Stans werden Sie 60 Mitarbeiter zusätzlich auf der Gehaltsliste haben. Sie werden alle langfristig weiterbeschäftigen?Ja. In Stans haben wir ein funktionierendes Team, das ist ein Glücksfall. Fluktuationen gibt es natürlich immer, aber wir wollen den Personalbestand von rund 60 Stellen halten. Ich bin mir dieser Verantwortung sehr bewusst.Wie viele Personen beschäftigen Sie insgesamt?Innerhalb der Benpac-Gruppe 320 Personen. Wir beschäftigen Ingenieure in den Bereichen Maschinenbau und Elektrotechnik, Konstrukteure, Programmierer, Polymechaniker, ebenso die verschiedensten Berufe im kaufmännischen Bereich. Total bieten wir 12 Lehrlingen eine Lehrstelle. Die Betriebsstätte in Stans kann von diesem Know-how profitieren.Was wollen Sie besser machen als Müller Martini, um den Standort Stans wieder profitabler zu machen?Wir sind mit der Produktion mit Teilen für Abfüllanlagen in einer anderen Branche. Zudem werden wir in Stans weiterhin für die bisherigen Kunden Produkte herstellen. Das gibt uns einen Grundstock für ein stabiles Auftragsvolumen. Ergänzt wird das mit Maschinenteilen und Baugruppen für die Benpac-Gruppe. Wir haben kürzlich die PackSys Global Thailand übernommen. Dort gibt es beispielsweise Probleme in der Fertigung. Wir beabsichtigen, solche Aufträge in Zukunft nach Stans zu verlagern. Sie wollen zudem weitere Geschäftsaktivitäten nach Stans verlegen?Aufgrund der vorhandenen Räumlichkeiten macht es Sinn, die Verwaltung der Benpac-Gruppe in Stans zu konzentrieren. Wir erwarten dadurch Synergie-Effekte bezüglich der Verwaltungskosten. Es geht einerseits um die zentralen Dienste (Buchhaltung, Einkauf, Personalwesen), aber es sollen auch weitere Gesellschaften ihren Sitz neu in Stans haben. Zum Beispiel werden wir die KM-U AG wie auch die Benpac Engineering AG nach Stans verlegen.Sie betreiben verschiedene Firmen mit Sitz in Hergiswil – in welchen Branchen sind Sie überall tätig?Neben der Benpac Produktions AG, welche nach Stans verlegt wird, sind die Unternehmen mit Sitz in Hergiswil in den Bereichen Beratung/Consulting und IT tätig. Gerüchten zufolge sollen gegen Sie verschiedene Betreibungsverfahren laufen?Gerüchte werden immer von jemandem verbreitet, der damit eine bestimmte Absicht verfolgt. Es gibt tatsächlich einzelne Verfahren, aber es handelt sich um keine grossen Beträge. Die Forderungen sind zum Teil ungerechtfertigt und bestritten, zum Teil haben sie einen Zusammenhang mit dem privaten Umfeld. Dies alles hat aber keinen Zusammenhang mit der Übernahme der Produktionsstätte in Stans.Sie haben die insolvente Grenacher Metallbau AG im aargauischen Etzgen übernommen. Wie hat sich der Betrieb seither entwickelt?Die Grenacher Metall AG war ein Sanierungsfall. Sie war völlig überschuldet und hätte vor der Übernahme durch uns eigentlich die Bilanz deponieren müssen. Die Sanierung hat etwas länger gedauert als erwartet. Statt einem Jahr wurden es 2,5 Jahre. Aber die Gesellschaft wurde nicht geschlossen, sie schreibt inzwischen Gewinn und wurde umbenannt in Benpac Grenacher AG.

Marco Corvi ist 46 Jahre alt und gelernter Elektromechaniker. Seit Mai 2014 ist er Inhaber der Benpac Holding.


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