Hünenberger Sportbekleider Kjus wird amerikanisch

WIRTSCHAFT ⋅ Das Sportbekleidungsunternehmen Kjus wird verkauft. Die Marke bleibt bestehen.

26. Juli 2019, 14:45

Rainer Rickenbach

Kjus hat seinen Sitz in Hünenberg. Namensgeber für das vor 19 Jahren gegründete Sportbekleidungsunternehmen ist der frühere norwegische Skistar Lasse Kjus. Er war Minderheitsaktionär, aber nie operativ tätig. Für das Tagesgeschäft war bis vor zwei Jahren Firmengründer und Mehrheitsaktionär Didi Serena, 69, zuständig, dann rückte sein Sohn Nico als CEO nach. «Wir waren von Beginn weg ein Schweizer Unternehmen und arbeiteten profitabel», sagt Didi Serena.

Die Familie Serena hat sich trotzdem entschlossen, das Unternehmen an die amerikanische Holding Acushnet zu verkaufen. Das US-Unternehmen ist mit seinen Golfausrüstungen weltweiter Marktführer. Acushnet ist an der New Yorker Börse kotiert, der Unternehmenswert beziffert sich auf rund 1 Milliarde Dollar. Die bekanntesten Marken sind Titleist, FootJoy und Scotty Cameron. «Für uns stellte sich die Frage: Wie gelingt es, unser Wachstum fortzusetzen? Für die Digitalisierung, Verkaufsflächen und Organisation sind hohe Investitionen notwendig. So reifte die Idee, unter dem Dach von Acushnet unsere Marke weiterzuentwickeln», begründet Didi Serena den Verkauf. Es kommen zwei Firmen zusammen, die zusammenpassen: Beide seien im hochpreisigen Segment der Sportausrüstungen und -bekleidungen tätig und beim Zielpublikum gut verankert.

An der langen Leine gelassen

Die Amerikaner haben gemäss Serena vor, Kjus selbstständig weiterarbeiten zu lassen. «Es wird zwar zu einigen Anpassungen kommen. Doch die Marke bleibt, und sie wird weiterhin von Hünenberg aus betrieben», so Serena. Dass die Amerikaner ihre Neuerwerbung an der langen Leine zu führen gedenken, machen auch die personellen Kaderentscheide deutlich: Der bisherige CEO Nico Serena leitet vom Kanton Zug aus neu die Skisparte weltweit, sein Bruder Sven ist für die weltweite Lieferkette verantwortlich, und Reto Holzmann bleibt zuständig für die Finanzen und die Organisation.

Kjus beschäftigt 120 Mitarbeitende, etwa die Hälfte von ihnen hat den Arbeitsplatz in Hünenberg. Die meisten sind in den Abteilungen Design, Vertrieb und Marketing beschäftigt. Didi Serena: «Es sind keine Entlassungen geplant. Die Geschäftsbereiche werden aber neu unterteilt. Das kann Verschiebungen mit sich bringen. Der Golfsportmarkt wird vermehrt von den USA aus bearbeitet, der Skimarkt vollumfänglich von Hünenberg aus.»

Der Umsatzanteil der Skisparte lag bei Kjus bislang bei 60 Prozent, die übrigen 40 Prozent entfielen auf Golf. Wichtigste Märkte waren der deutschsprachige Raum und die USA.


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