Hapimag-Führung auf Versöhnungskurs mit den Aktionären

WIRTSCHAFT ⋅ Der Zuger Feriendienstleister sieht sich mit einer Sonderprüfung konfrontiert. Das Management setzt nun auf Annäherung. Die neusten Zahlen stimmen positiv.

10. August 2018, 08:45

Raphael Bühlmann

Raphael Bühlmann

«Wir sind wie ein Paar, das sich nicht mehr so wertschätzt, wie es dies tun sollte.» Hassan Kadbi, CEO von Hapimag, gestand gestern gegenüber unserer Zeitung, dass man die Beziehung zu den Aktionären mit den Jahren als zu selbstverständlich genommen habe. Grund für das reuige Geständnis: Der Steinhauser Feriendienstleister sieht sich aktuell mit einer Sonderprüfung konfrontiert. Initiiert aus den eigenen Reihen. Die Aktionäre verdächtigen das Management, die Geschäfte der vergangenen Jahre nicht in ihrem Sinn geführt zu haben. Die Rede ist von zu günstig verkauften Immobilien, von einer befremdlich negativen Eigenkapitalentwicklung oder einer intransparenten Rechnungslegung.

Die entsprechenden Verfahren laufen. Zu den konkreten Vorwürfen nahm die Hapimag-Geschäftsleitung gestern keine Stellung. Im Resort in Interlaken stand aber nebst den Halbjahreszahlen klar das zerrüttete Verhältnis zu den Eignern und Kunden im Zentrum – 130 000 an der Zahl. «Es geht darum, das Vertrauen aufzubauen», so Kadbi. «Administrative Vereinfachung» und «Mehrwert für den Aktionär» nennt der CEO als Wege dazu.

So sollen beispielsweise Aktionäre mit mehreren Anteilsscheinen in Zukunft einen Rabatt auf den Jahresbeitrag erhalten, oder die umsatzabhängigen Bonuspunkte (Rewards) sollen ihre Gültigkeit nicht mehr verlieren. Auch können Aktionäre Wohnpunkte inskünftig direkt untereinander verkaufen. Zudem soll der administrative Aufwand reduziert und vereinfacht werden – auch mit Folgen für den Standort Steinhausen? CEO Hassan Kadbi: «Es sind keine Kürzungen vorgesehen. Klar ist aber, dass durch die getroffenen Massnahmen Kapazitäten frei werden.» Diese könnten kurzfristig durch andere Aufgaben, wie etwa bei neuen Kampagnen, kompensiert werden. Langfristig werde man sehen, wie sich die Optimierungen auswirken würden.

Mehr Umsatz, mehr Gewinn

Die gestern präsentierten Halbjahreszahlen zeigen jedenfalls, wie bereits das Ergebnis 2017, ein durchwegs positives Bild. Die Belegung der rund 60 Hapimag-Resorts stieg um 4,1 Prozentpunkte auf 71,8 Prozent. Die Gästezahl nahm um 12,6 Prozent auf 197772 zu. In den Schweizer Resorts erhöhte sich die Gästezahl gar um 26 Prozent. Insbesondere Interlaken stand bei den Touristen im ersten Halbjahr hoch im Kurs. Die Belegung betrug hier gut 75 Prozent nach knapp 60 Prozent im ersten Halbjahr 2017. Die höchste Belegung zwischen Januar und Juni 2018 erreichten allerdings die Resorts Marbella an der Costa del Sol (93,7 Prozent), Zell am See (93,1 Prozent) und Lissabon (92,9 Prozent).

Der Gesamtumsatz in den Resorts stieg gegenüber dem Vorjahr um 10,5 Prozent. Kadbi: «Unsere Gäste nehmen vermehrt unsere Dienstleistungen in den Resorts in Anspruch. Sie besuchen die Restaurants, buchen Tickets und Ausflüge über uns oder kaufen ihre Lebensmittel in unseren hauseigenen Shops ein. Dies alles hat sich positiv auf unseren Umsatz ausgewirkt.»

Unter dem Strich resultiert im ersten Halbjahr ein Betriebsergebnis von 8,3 Millionen Euro (Vorjahr 6 Millionen). Zumindest die Zahlen stimmen also positiv bei Hapimag. «An der Beziehung zu den Aktionären arbeiten wir noch», so CEO Hassan Kadbi.


Login