Freizeitboote sind in der Coronakrise gefragt: Zentralschweizer Werften im Aufwind

WIRTSCHAFT ⋅ Weil Reisen ins Ausland derzeit schwierig sind, schiessen die Verkäufe von kleinen Booten in die Höhe. Davon profitieren lokale Werften.

08. September 2020, 05:12

Christopher Gilb

Christopher Gilb

«Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass wir etwa einen Drittel mehr Boote als sonst verkauft haben», sagt Crisha Müsken, Geschäftsführer der Caminada Werft im Horw. «Und wie ich von anderen Werften gehört habe, lief es auch bei ihnen gut», ergänzt er.

Dies bestätigt auch Beat Plüss, Geschäftsführer der St. Niklausen Schiffgesellschaft Genossenschaft (SNG) am Alpenquai in Luzern. Das Unternehmen verkauft und vermietet Boote und Yachten. «Bei den Vermietungen waren wir diesen Sommer oft ausgebucht und auch die Verkäufe waren erfreulich», sagt Geschäftsführer Beat Plüss. Die Kombination aus schönem Wetter und der coronabedingten Unsicherheit bei Auslandsreisen führte anscheinend dazu, dass die Attraktivität eines eigenen Freizeitboots auf dem heimischen See deutlich stieg.

Fahrlehrer waren ausgebucht und die Werften freuten sich über reges Kundeninteresse, wie auch die Herzog Marinecenter AG in Alpnachstad berichtet. «Wir haben derzeit den tiefsten Lagerbestand seit Jahren», sagt Mitgeschäftsführer Ivo Herzog. Normalerweise habe er zum jetzigen Zeitpunkt etwa 40 Boote auf Lager, derzeit seien es fünf. «Es wurden aber nicht nur Schiffe zum ersten Mal gekauft, sondern auch welche ausgetauscht», sagt Herzog.

Solche Investitionen sind für ihn ein Zeichen, dass die Kunden auch mittelfristig planen, wieder vermehrt Ferien in der Schweiz zu machen. Das freut die Branche, Herzog beispielsweise ist schon länger auf der Suche nach weiteren Bootsbauern und Bootsmechanikern. Solch qualifizierte Arbeitskräfte seien aber schwer zu finden.

Ökologische Antriebe sind gefragt

Die Werft ist schweizweit tätig. Fürs Heimgebiet Vierwaldstättersee, der gemäss Herzog einen Anteil von rund einem Viertel am Geschäft ausmache, erstreckt sich die Kundschaft nebst der Zentralschweiz bis weit ins Mittelland, Zürich und die beiden Basel. «Vom Ruderboot bis zum grösseren Hausboot für längere Ferien ist unter den nun verkauften Booten alles dabei», so Herzog.

Insgesamt liesse sich feststellen, dass die Kunden bei der Antriebstechnologie zunehmend auf den Verbrauch achten würden. Auch Crisha Müsken von der Caminada Werft bestätigt, dass viele Kunden auf einen ökologischen Antrieb Wert legen würden: «Elektromotoren sind gefragt.» Die Caminada Werft in Horw importiert Boote, lässt diese aber auch im italienischen Como selbst fertigen. Der familiengeführte Betrieb versteht sich selbst als Werft für die «kleinen Leute», setzt auf kleinere Boote und bietet auch Occasionen an. Mit einem Preis von mindestens rund 20'000 Franken muss man für den Traum vom eigenen Motorboot aber rechnen. «Alles darunter ist vergleichbar mit einem Auto für unter 5000 Franken», sagt Müsken. Das Kundenspektrum sei breit gefächert.

Doch nicht nur der Bootsverkauf floriert. Eine gute Resonanz konnte beispielsweise Ivo Herzog auch beim Bootsverleih der Firma am Nationalquai in Luzern feststellen. Gerade mit Touristen aus der Westschweiz sei der Austausch dort so intensiv, wie schon lange nicht mehr gewesen.

Shiptec arbeitet an langfristigem Projekt

Doch die Krise brachte auch für die Werften Einschränkungen mit sich. «Die in unserer Branche wichtigen Messen wurden abgesagt und wegen der Coronaeinschränkungen konnten wir in der Werft selbst nicht voll arbeiten», sagt Crisha Müsken von der Caminada Werft. Ivo Herzog sagt wiederum, dass wegen Verzögerungen bei den internationalen Lieferketten nicht jeder Bootswunsch habe erfüllt werden können.

Während Werften für Freizeitboote eher profitierten, leiden jedoch solche für den Personenverkehr. Wie beispielsweise die Shiptec-Werft in Luzern, einer der grössten Werftbetriebe der Schweiz. «Wir sind in der glücklichen Lage, an einem grossen langfristigen Projekt zu arbeiten, das hilft uns sehr», sagt Pius Barmet von der Geschäftsleitung der Werft, die zur SGV-Gruppe gehört. Shiptec hat Anfang des Jahres den Zuschlag für einen Grossauftrag für zwei Personenfähren auf dem Genfersee erhalten.

Denn sonstige Kunden, also Schifffahrtsgesellschaften, die wegen der Coronaeinschränkungen eine schlechte Saison hatten, hätten nun Investitionen eher zurückgestellt, so Barmet. So würden Instandsetzungsaufträge wie der Austausch von in die Jahre gekommenen Motoren nun um ein, zwei Jahre verschoben werden. Auch weil die Schiffe nun weniger im Einsatz gewesen seien. «Die Kunden wollen durchaus investieren, doch sie verschieben Investitionen auf später», so Barmet.


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