Ex-Wirtschaftsminister Schneider-Ammann steigt bei Zuger Blockchain-Investor ein

WIRTSCHAFT ⋅ Im Interview spricht der Prominente Neu-Verwaltungsrat über die vergangenen Reputationsschäden des Crypto Valleys und die Zukunft der Blockchain-Branche nach der Coronakrise.

16. Juni 2020, 05:11

Christopher Gilb

Das Zuger Crypto Valley erhält ein prominentes Aushängeschild: Der ehemalige Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann stösst als Verwaltungsrat zur Crypto Valley Venture Capital (CV VC) mit Sitz in Zug, ein wichtiger Risikokapitalgeber für Start-ups aus dem Bereich der Blockchaintechnologie. Es ist das erste Wirtschaftsmandat ausserhalb der Ammann-Gruppe, das der 68-Jährige nach seinem Rücktritt aus dem Bundesrat vor eineinhalb Jahren übernimmt.

Schon als Vorsteher des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements hatte Schneider-Ammann sich für gute Rahmenbedingungen für technologiegetriebene Start-ups engagiert und war im Zuge davon auch schon in Zug zu Gast.

Wie viel Verwaltungsratsangebote haben Sie nach Ihrem Rücktritt aus dem Bundesrat erhalten?Johann Schneider-Ammann: Verschiedene, allerdings keine aus dem Crypto Valley, ausser von CV VC. Doch ich wollte nichts überstürzen. Ich habe bewusst eine Auszeit genommen, für meine Familie und für mich, um Abstand von meiner Regierungstätigkeit zu nehmen. Mir war aber klar, dass ich gerne junge Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen möchte, insbesondere Start-ups.Deshalb das Mandat in Zug?Die CV VC ist ein wichtiger Akteur im Crypto Valley, dessen Vision, Geschäftsmodell und Team mich beeindrucken. Das Unternehmen investiert einerseits in zukunftsweisende Start-ups, die die Digitalisierung dank der Blockchaintechnologie vorantreiben, anderseits übernimmt es eine wichtige Beraterfunktion.Das Crypto Valley hatte aber auch immer wieder mit Betrugsskandalen zu kämpfen gerade in Bezug auf Kryptowährungen.In den Anfängen des Crypto Valley, als vor allem von den Kryptowährungen die Rede war, existierten kaum regulatorische Rahmenbedingungen. Dann fand eine heilsame Bereinigung statt: Start-ups ohne solides Geschäftsmodell und die nur aufs schnelle Geld aus waren, verschwanden. Zum Glück. Diejenigen Firmen, die überlebten, sowie jene, die neu dazukamen, entwickeln nachhaltige Geschäftsmodelle, die auf der Blockchaintechnologie basieren. Heute gibt es nun zahlreiche vielversprechende Geschäftsmodelle und das Crypto Valley geniesst dank der fortschrittlichen schweizerischen Regulierung weltweit höchste Reputation.Wo sehen Sie das grösste Einsatzpotenzial der Blockchaintechnologie?Einerseits gibt es viele Start-ups aus dem Fintech-Umfeld sowie Crypto-Banken, die auf Blockchaintechnologie setzen. Damit verbunden sind Fragen zur Aufbewahrung von digitalen Vermögenswerten, zum Handel oder zur Infrastruktur. Anderseits ist die Tokenisierung – das heisst die Digitalisierung von Vermögenswerten wie Immobilien, Aktien oder Kunst – ein grosses Thema. Auch im Bereich der Lieferkette gibt es heute Start-ups, welche mit Blockchain die Herkunft und Echtheit von Produkten verfolgen oder den Medikamententransport zusätzlich absichern.Viele Blockchain-Start-ups trieb während der Coronakrise die Angst vor Insolvenz um. Auch weil sie bei den Kriterien für die Bundesbürgschaften durch das Raster fielen, was nun angepasst wurde. Reicht das, um das Ökosystem zu erhalten?Die Coronakrise hat viele Start-ups auf dem falschen Fuss erwischt, weil Innovationsprojekte über Nacht gestoppt und Investitionsrunden verschoben wurden. Es ist sicher gut, dass nun auch Start-ups vom Covid-19-Bundesprogramm mit Bürgschaften profitieren können. Aber was es braucht, sind primär Investoren.Die richtig grossen Investitionen in Schweizer Start-ups kommen aber nach wie vor aus dem Ausland.Deshalb wünsche ich mir, dass dem Beispiel von CV VC und anderen in jüngster Zeit lancierten Risikokapitalgefässen in der Schweiz weitere folgen werden, damit auch spätere, umfangreichere Finanzierungsrunden mit heimischem Kapital gestemmt werden können. Ich bin überzeugt, dass das Crypto Valley die derzeitige Krise überleben wird, sonst wäre ich sicher nicht Verwaltungsrat von CV VC geworden.

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