«Es muss nicht mehr jedes Kundengespräch physisch vor Ort geführt werden» –  Zuger Kantonalbank legt trotz Corona ein gutes Resultat vor

WIRTSCHAFT ⋅ Die Zuger Kantonalbank hat im ersten Halbjahr 2020 die Gewinnzahlen trotz Coronakrise halten können. Im Interview spricht der neue Präsident der Bank, Urs Rüegsegger, über die Lehren aus der Pandemie und wichtige Zukunftsprojekte.

16. Juli 2020, 12:44

Christopher Gilb

Eigentlich stand der heutige Ständerat Matthias Michel (FDP) als Nachfolger des langjährigen Bankpräsidenten Bruno Bonati fest. Michel war als Vertreter des Miteigentümers Kanton Zug auch bereits Mitglieds des Bankrats der Zuger Kantonalbank. Doch dann entschied Michel, für den frei werdenden Ständeratssitz zu kandidieren. Am vergangenen 2. Mai, mitten im Lockdown, wurde nun der St.Galler Urs Rüegsegger zum Bankpräsidenten gewählt.

Der 57-jährige ehemalige CEO der St.Galler Kantonalbank sowie der SIX Group war in den Medien auch als neuer Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz gehandelt worden, hatte sich aber selbst aus dem Rennen genommen.

Urs Rüegsegger, so haben Sie sich Ihren Antritt vermutlich nicht vorgestellt?Es war schon ein spezieller Einstieg. Eine normale Generalversammlung wäre eine gute Möglichkeit gewesen, mich den Aktionären und Kunden vorzustellen, so gab es aber nur eine Mini-GV, und auch die ersten Sitzungen des Bankrats mussten wir online machen. Inhaltlich konnte ich mich aber trotzdem gut einarbeiten. Auch konnte ich den fünf damals geöffneten Standorten einen Besuch abstatten und so die Mitarbeitenden kennen lernen.Was hat den Ausschlag gegeben, sich auf diese Stelle in Zug zu bewerben?Dass die Bank sehr effizient ist und gut geführt wird sowie die Attraktivität des Wirtschaftsraums an sich. Wie robust das Geschäftsmodell der Zuger KB ist, zeigt sich übrigens auch daran, dass die Coronapandemie im Halbjahresergebnis der Bank eigentlich so gut wie keine Spuren hinterlassen hat:Lassen sich schon Schlüsse ziehen, wie die Pandemie und ihre Auswirkungen grundsätzlich das Bankengeschäft verändern werden?Ich bin der Meinung, wir sind immer noch mitten in der Pandemie drin, weshalb Prognosen schwierig sind. Was man aber sicher schon sagen kann, ist, dass sich sowohl die Berater wie auch die Kunden sehr schnell an die digitalen Kommunikationskanäle gewöhnt haben. Ökonomisch ist die wichtigste Frage, was mit den Unternehmen passiert und ob deren Verschuldung stark ansteigt. Bisher lässt sich feststellen, dass nebst der Überbrückungshilfe des Bundes die Kreditbeanspruchung konstant geblieben ist. Sie haben von der Akzeptanz für digitale Kanäle gesprochen. Wird zukünftig noch stärker auf digitale Bankberatung gesetzt?Es muss durchaus nicht mehr jedes Kundengespräch physisch vor Ort geführt werden, sondern vielleicht auch einmal in Form einer Online-Beratung. Dies soll aber den persönlichen Kontakt unterstützen und nicht ersetzen. Denn wir haben in der Krise gelernt, wie wichtig es unseren Kunden ist, den persönlichen Kontakt aufrechtzuerhalten. Welche Akzente wollen Sie als neuer Bankpräsident setzen, wird es Veränderungen in der strategischen Ausrichtung geben?Ich habe nichts gesehen, was man sofort ändern müsste. Ich sehe meinen Beitrag zum einen in der Unterstützung der bestehenden Wachstumsinitiativen. Dazu gehört beispielsweise die vermehrte Ansprache der in Zug lebenden Expats. Zum anderen sind die Banken mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert wie Margenerosion und Digitalisierung. Bei der sicher notwendigen Gewichtung und Priorisierung dieser Themen kann ich meine Erfahrung einbringen. Wieso will die Bank vermehrt Expats ansprechen? Diese Personen sind oft vermögend und viele von ihnen kommen nicht nur, um bald wieder zu gehen, sondern haben auch längerfristig ihren Lebensmittelpunkt hier. So wie wir heute auftreten, fühlen sie sich aber nicht unbedingt angesprochen, zu uns als regionale Bank zu wechseln. Da müssen wir noch etwas internationaler werden.Andere Kantonalbanken sind auch in anderen Kantonen tätig. Beispielsweise die Luzerner Kantonalbank im Private Banking in Zürich. Kämen solche Expansionen auch für die Zuger Kantonalbank in Frage?Ich glaube, unser Hauptdifferenzierungsmerkmal ist die starke Verankerung in der Wirtschaftsregion, die ja weiterhin überdurchschnittlich wächst. Darauf wollen wir uns konzentrieren.Nun darf neu auch die Postfinance Hypotheken vergeben. Sehen Sie diese als ernst zu nehmende Konkurrenz im Zuger Hypothekenmarkt, auf den die Kantonalbank ja stark setzt?Wir sind uns starke Konkurrenz gewohnt. Das Hypothekargeschäft war schon immer stark umkämpft und wird es auch bleiben. Da wird sich nicht viel ändern.Der Kanton Zug ist auch als Crypto Valley bekannt, wegen der vielen Start-ups aus dem Bereich der Blockchaintechnologie, aber auch wegen Anbietern von Kryptowährungen. Ist die Zuger Kantonalbank offen für diese Innovationen oder sieht sie ihr Geschäftsmodell bedroht?Die Blockchain betrachte ich als Technologie, nicht als Geschäftsmodell. Es ist wichtig, als Bank die Entwicklungen zu verfolgen, um Anwendungsmöglichkeiten zu eruieren. Parallel dazu haben wir natürlich Interesse, mit Firmen aus dieser Branche zusammenzuarbeiten. Bei den Kryptowährungen sind wir eher zurückhaltend. Sie eignen sich aufgrund hoher Wertschwankungen nur sehr bedingt als Anlagen für unsere Kunden. Zudem sind sie aus meiner Sicht noch nicht umfassend reguliert, und es fehlt an Transparenz.Nun hält ja 50 Prozent der Aktien der Bank der Kanton, und sie ist mit einer Staatsgarantie ausgestattet. Sehen Sie diesen Umstand als Wettbewerbsvorteil?Wir sind überzeugt, dass das Vertrauen der Kunden in die Bank primär auf die starke Eigenkapitalausstattung zurückzuführen ist. Darauf kommt es an. Und deshalb wollen wir sie in Zukunft weiter stärken. Zudem leisten wir für die Staatsgarantie eine jährliche Abgeltung in Höhe von 3,2 Millionen Franken an den Kanton.Sie selbst sind ja kein Zuger, wie ist es für Sie nun, in dieser neuen Region tätig zu sein?Ich bin daran, die Region zu entdecken und tue das mit grosser Freude. Guido Speck, unser ehemaliger Sekretär des Bankrats, hat mir eine hervorragende historische Einführung gegeben, was einen guten Ausgangspunkt geschaffen hat. Ein grosser Unterschied zu St.Gallen ist sicher, dass die Wirtschaftsregion Zug aufgrund ihrer Grösse überschaubarer ist.

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