Diese Gesichtsmasken aus Zug eliminieren Coronaviren – und haben noch mehr Potenzial

WIRTSCHAFT ⋅ Livinguard mit Sitz in Zug stellt neuartige antiviral beschichtete Gesichtsmasken her. In der Coronakrise boomt das Geschäft. Die Technologie könnte künftig aber auch bei weiteren Anwendungen zum Zug kommen.

20. Juni 2020, 05:11

Maurizio Minetti

Maurizio Minetti

Den Coronavirus kann man sich auf vielfältige Weise vom Leibe halten. Doch das Material, mit dem die Viren abgeblockt werden sollen, ist nicht immer über alle Zweifel erhaben. Ein in Zug angesiedeltes Unternehmen hat nun waschbare Gesichtsmasken aus Baumwolle entwickelt, die eine antivirale und antibakterielle Wirkung haben. Dadurch werden Viren und Bakterien bei Kontakt mit der Maske eliminiert (siehe Box).

Forscher der Freien Universität Berlin und des Instituts für Textiltechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule haben jüngst bewiesen, dass damit Krankheitserreger an Textilien und Oberflächen dauerhaft vernichtet werden können. «Die Textilien in diesen Masken können die ausgeatmeten und an der Gesichtsmaske anhaftenden Viren kontinuierlich inaktivieren», wird Professor Uwe Rösler von der Freien Universität Berlin in einer Mitteilung zitiert.

«Sehr, sehr hohe Nachfrage»

Hinter der Entwicklung der selbstdesinfizierenden Technologie steht die Livinguard AG mit Sitz in der Stadt Zug. Der indische Firmengründer Sanjeev Swamy kam vor vier Jahren über einen befreundeten Anwalt aus Cham nach Zug, sagt er im Gespräch: «Ich wollte die Patente für die Technologie in der Schweiz registrieren.»

In Indien hat sich der 59-Jährige einen Namen gemacht mit der Entwicklung von Trinkwasser-Lösungen und waschbaren Damenbinden. Bei Livinguard in Zug arbeiten mittlerweile zwanzig Personen in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Marketing, Buchhaltung und Regulatory. Weitere acht Personen arbeiten im Versuchslabor im sankt-gallischen Gams. Bis Ende Jahr soll die Schweizer Belegschaft auf 40 Personen wachsen, sagt Swamy.

Der Appenzeller Textilveredler Cilander arbeitet schon seit Jahren mit Livinguard zusammen. Die technische Veredelung – das Aufbringen der antiviralen Beschichtung wie auch das Herstellen eines Spritzschutzes durch Beschichtungen der Textilien für die Livinguard-Maske – erfolgt seit letztem Jahr in den Werken von Cilander in der Schweiz. «Es steckt wichtiges Schweizer Know-how und Wertschöpfung in diesem innovativen Produkt», sagt Cilander-CEO Burghard Schneider auf Anfrage. «Wir haben uns mit dem Markt intensiv beschäftigt – Livinguard ist unseres Erachtens das einzige Produkt, das nicht nur durch Spritzschutz und Filterwirkung die Eigen- und Fremdansteckung reduziert, sondern die Anzahl der Covid-19-Viren auch nachweislich drastisch reduziert.»

Cilander ist zurzeit der einzige Schweizer Händler der Livinguard-Gesichtsmaske. Swamy stellt aber in Aussicht, dass die Masken in wenigen Wochen auch im Schweizer Einzelhandel erhältlich sein werden. Der Direktvertrieb über Cilander hat diese Woche begonnen. Schneider spricht von einer «sehr, sehr hohen Nachfrage». Zielgruppe sei jeder, der Schutzbedürfnis suche. Cilander verkauft die Masken für rund 30 Franken pro Stück. Weil man die Maske laut Firmenangaben bis zu 200 Mal wiederverwenden und mindestens 30 Mal waschen kann, soll sie im Vergleich zu herkömmlichen Gesichtsmasken auf lange Sicht günstiger sein. Hergestellt werden die Masken in verschiedenen Ländern.

Professorin sieht viel Innovationspotenzial

Bis Ende Jahr will Livinguard 50 bis 100 Millionen Masken verkaufen. Bis dato habe man acht Millionen Stück ausgeliefert, sagt Swamy. Polizeibeamte und Gesundheitspersonal in Singapur, Japan, Deutschland und den USA setzen die Masken ein.

Dieses Video zeigt die Produktions- und Behandlungsabläufe bei Livinguard und der Partnerfirma Cilander aus der Ostschweiz:

Doch die Hygienetechnologie kann nicht nur für Masken, sondern für Textilien aller Art oder Oberflächen verwendet werden. So verhindert die Technologie etwa auch die Aufnahme von Schweiss: «Bei einem Test hat ein Mann ein T-Shirt 40 Tage getragen – und er hat nachweislich nicht gestunken», erzählt Swamy. Er könnte sich vorstellen, dass Fluggesellschaften Sitze und Klapptische mit der Technologie behandeln und so sicherstellen, dass Viren und Bakterien kontinuierlich abgetötet und an der Ausbreitung gehindert werden. «Dies kann ein bedeutender Fortschritt sein, nicht nur für die öffentliche Hygiene und Gesundheitsvorsorge, sondern auch für Unternehmen, zum Beispiel aus Branchen mit intensivem Kundenverkehr», sagt Swamy.

Für Professorin Andrea Weber Marin, die an der Hochschule Luzern im Textilbereich forscht, handelt es sich um eine Technik mit viel Innovationspotenzial. Sie geht davon aus, dass es in diesem Bereich noch viele Weiterentwicklungen geben wird. «Neben der Virenvernichtung werden künftig bei der Entwicklung von Gesichtsmasken Wohlbefinden und Design wichtiger werden», sagt sie auf Anfrage.


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