Der Lizenzhändler SoftwareOne schafft Hunderte Jobs, aber vor allem im Ausland

WIRTSCHAFT ⋅ SoftwareOne wächst vor allem im Ausland stark: Im ersten Halbjahr kamen fast 400 neue Leute hinzu. In der zweiten Jahreshälfte hält die Tendenz an.

15. Dezember 2020, 05:12

Maurizio Minetti

Das Wort Krisengewinner hört man in Stans nicht gern. Schaut man den Aktienkurs, den Auftragsbestand und ganz allgemein die Zukunftsperspektiven an, lässt sich aber kein anderer Schluss ziehen: SoftwareOne profitiert von der Pandemie.

Der seit Herbst 2019 börsenkotierte und international tätige Konzern verwaltet Lizenzen von Geschäftssoftware für Firmenkunden. Um Produkte von Anbietern wie Microsoft, SAP oder IBM zu nutzen, müssen Unternehmen entsprechende Lizenzen kaufen. SoftwareOne kümmert sich um das Management solcher Lizenzen – gerade wenn viele Leute dezentral im Homeoffice sitzen, gewinnt dieser Kostenblock für Firmen an Bedeutung. Die Hälfte des Umsatzes erzielt SoftwareOne mit dem Wiederverkauf von Microsoft-Produkten – hier sind die Stanser globaler Marktführer. Zum Geschäft von SoftwareOne gehört auch eine wachsende Palette von Dienstleistungen rund um Geschäftssoftware.

Von 5300 auf fast 8000 innerhalb eines Jahres

Das Unternehmen wurde Anfang 2000 von Daniel von Stockar und Patrick Winter unter dem Namen Softwarepipeline in Zürich gegründet. Fünf Jahre später fusionierte Softwarepipeline mit dem Stanser Konkurrenten Microware, den René Gilli im Jahr 1992 gegründet hatte. 2006 erfolgte durch eine weitere Übernahme in den Vereinigten Staaten die Umfirmierung in SoftwareOne. Gleichzeitig wurde der Luzerner Detailhandelspionier Beat Curti Teilhaber. Nach dem Tod von CEO und Mitgründer Patrick Winter Mitte 2018 übernahm Dieter Schlosser die operative Leitung als CEO. Bereits ein Jahr später verdoppelte sich die damalige Belegschaft von SoftwareOne durch die Übernahme des deutschen Konkurrenten Comparex.

Schlosser, der in Singapur lebt, berichtet nun von einem steilen Wachstumskurs der Mitarbeiterzahlen in den letzten Monaten. «Wir konnten viele Talente einstellen, weil einige Konkurrenten in Schwierigkeiten gerieten», sagte er kürzlich gegenüber «Cash». Allein im ersten Halbjahr habe man 383 Jobs geschaffen. Der Trend hält an: «Wir stellen im zweiten Halbjahr eine ähnlich grosse Zahl von Mitarbeitern ein», sagte er zur «Bilanz». Viele der ungefähr 400 Leute seien in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingestellt worden, aber auch in Nordamerika und Lateinamerika.

Damit stieg der Mitarbeiterbestand auf aktuell über 6000. Mit der gänzlichen Übernahme der Intergrupo aus Kolumbien, die der Konzern Anfang November kommuniziert hat, sind es mittlerweile fast 8000. Zum Vergleich: Beim Börsengang vor etwas mehr als einem Jahr beschäftigte der Stanser Software-Wiederverkäufer weltweit 5300 Personen, davon 70 am Hauptsitz im Stanser Schnyderpark. Heute arbeiten bei SoftwareOne in Stans rund 75 Personen.

Aktionär Beat Curti bleibt «mit Herz und Seele» dabei

Angst, dass die Firma zu schnell wächst, hat CEO Schlosser nicht, im Gegenteil: «Wir haben immer gesagt: Wenn wir mit Comparex quasi ‹durch› sind, tätigen wir wieder eine Übernahme in grösserem Umfang. Wir wären also bereit, dies zu tun, und es gibt in unserem Umfeld etwa fünf bis sieben Kandidaten dafür. Es wird sich zeigen im nächsten Jahr, ob der eine oder andere Kandidat mit uns zusammenkommen will und mit unseren Bedingungen einverstanden ist», so der Deutsche. Einen Zwang zum Wachstum sieht der CEO aber nicht: «Diese Konsolidierung ist für uns kein Muss. Daneben gibt es die Strategie der einfach integrierbaren Übernahmen. Das sind Firmen in der Grössenordnung zwischen 20 und 150 Mitarbeitern», sagte Schlosser.

Derweil sorgte kürzlich der Rückzug des Grossaktionärs Beat Curti aus dem Verwaltungsrat für Spekulationen. Der Luzerner ist eine bekannte Figur, hat er doch unter anderem Pick Pay, Prodega und die Import-Parfümerie aufgebaut und Starbucks in die Schweiz geholt. Schlosser sagt, dass Curti als Mitgründer ein Rückgrat des Unternehmens bleibe. Als 83-Jähriger gehöre er zur Corona-Risikogruppe und habe sich gesagt: Wenn ich nicht mehr zu 120 Prozent im Verwaltungsrat mitwirken kann, dann muss ich Konsequenzen ziehen und aus diesem Gremium zurücktreten.

Curti hält nach wie vor rund 10 Prozent der Anteile. «Er fühlt sich langfristig sehr verpflichtet gegenüber SoftwareOne. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass er langfristig seinen Anteil vielleicht etwas senkt. Aber er wird mit Herz, Seele und seinem Anteil bei SoftwareOne bleiben», so Schlosser.


Login