Das sind die Sieger – und Verlierer – der Unternehmenssteuerreform

WIRTSCHAFT ⋅ Während Zürich und Aargau in einem zusammenrückenden Feld an den Schluss zurückfallen, halten sich die Zentralschweizer Kantone auf den Spitzenplätzen.

02. April 2019, 19:45

Daniel Zulauf

Am 19. Mai stimmt die Schweizer Bevölkerung noch einmal über die grösste Unternehmenssteuerreform der vergangenen Jahrzehnte ab. Vorfreude auf den Urnengang ist fast nirgendwo im Land auszumachen, denn das alte System war für die Schweiz entschieden bequemer – und einträglicher. Die von vielen Kantonen seit langer Zeit praktizierte steuerliche Privilegierung von Holding- und Verwaltungsgesellschaften, mit der die Schweiz zu einem Steuerparadies für internationale Konzerne geworden ist, steht quer zum internationalen Wettbewerbsrecht und hat nicht nur in der EU die Akzeptanz verloren.

Sollte die Reform nach dem Nein vor zwei Jahren nochmals beim Stimmvolk durchfallen, müsste die Schweiz mit scharfen Gegenmassnahmen anderer Länder rechnen, sagte der Steuerrechtsexperte Peter Uebelhart anlässlich der Präsentation des KPMG-Swiss-Tax-Report am Dienstag in Zürich.

Die Schere zwischen den Steuersätzen geht zu

Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung haben die ersten Kantone ihre Steuerregime bereits auf ein international verträgliches System umgebaut und die Privilegien mindestens teilweise durch Methoden ersetzt, wie sie auch in anderen Ländern angewandt werden. Zu den Vorreitern gehört der Kanton Basel-Stadt, der das Steuersubstrat seiner Pharmakonzerne über die Einführung einer sogenannten Patentbox schützt.

In der Patentbox können Lizenzeinnahmen aus Patenten weiterhin steuerlich privilegiert behandelt werden. Im Gegenzug hat der Kanton den ordentlichen Gewinnsteuersatz für Unternehmen auf Anfang Jahr von 22 Prozent auf 13 Prozent gesenkt. Auch die Waadt, Standort zahlreicher internationaler Handelsgesellschaften, hat eine Steuersenkung von 21 Prozent auf 14 Prozent bereits beschlossen. Die Waadtländer können darauf zählen, für die Steuerausfälle vom Bund entschädigt zu werden. Dieser ist der Hauptnutzniesser der Steuerreform, denn während die Holdinggesellschaften in den Kantonen in der Vergangenheit nur sehr wenig zur Kasse gebeten wurden, mussten sie dem Bund stets die ungekürzte 8,5 Prozent an direkten Gewinnsteuern abliefern.

Die nun erneut anstehende Unternehmenssteuerreform wird noch viel mehr Bewegung in die Unternehmenssteuerlandschaft bringen. KPMG hat die in den Kantonen geplanten Reduktionen der Steuersätze zusammengetragen und sagt erhebliche Verschiebungen in der Rangliste voraus. In den Top 10 der steuergünstigsten Kantone verbleiben fünf Kantone der Zen­tralschweiz mit Nidwalden an der Spitze. Der Kanton Solothurn rückt auf den neunten Rang vor und macht gegenüber heute zehn Plätze gut.

Ans Ende der Rangliste fällt hingegen der Kanton Aargau, der neun Positionen verliert. Zürich fällt auf den zweitletzten Rang zurück. Allerdings geht die Schere zwischen den Steuersätzen zu. Während die Differenz zwischen dem tiefsten (Luzern) und dem höchsten Steuersatz (Genf) heute 12 Prozentpunkte beträgt, werden sich die Sätze in Zukunft nur noch zwischen 12 und 14 Prozent unterscheiden. Die grössten Einbussen müssen jene Kantone hinnehmen, die wenig Steuersubstrat in Patentboxen hinüberretten können. Zu diesen Kantonen gehört allen voran Zürich.


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