Das lange Warten auf den Elektroauto-Boom bei Glencore

WIRTSCHAFT ⋅ Die Wette auf das für E-Mobilität wichtige Metall Kobalt hat sich für Glencore bisher nicht ausbezahlt. Das könnte sich jedoch bald ändern.

10. August 2019, 05:09

Gregory Remez

Gregory Remez

Eigentlich müsste zurzeit die ganze Welt verrückt nach Kobalt sein. Dem seltenen Metall wird seit Jahren eine wichtige Rolle bei der Transition zu einer karbonfreien und nachhaltigen Mobilität zugeschrieben. Wegen seiner einzigartigen Eigenschaften wird es nicht nur in Akkus für Smartphones, sondern auch in Batterien von Elektrofahrzeugen und anderen Energiespeicherlösungen eingesetzt.

Zwischen 2016 und 2017 hatte Kobalt einen nie dagewesenen preislichen Aufschwung erlebt. Es war jene Zeit, als der Dieselskandal gerade in aller Munde war und die Autohersteller zu einem Umdenken drängte – weg von Diesel und Benzin, hin zu umweltfreundlicheren Antrieben wie dem Elektromotor, der unter anderem auf leistungsstarke Batterien angewiesen ist. Die antizipierte Mobilitätswende trieb selbstredend auch die Rohstoffkonzerne um, zwischen denen zum Teil heftige Verteilungskämpfe um das strategisch wichtige Metall entbrannten.

Im März 2018 erreichte der Kobaltpreis mit über 90'000 US-Dollar pro Tonne seinen bisherigen Spitzenwert. Seither ging es allerdings nur noch bergab. Im vergangenen Monat fiel der Preis auf ein Dreijahrestief. Aktuell kostet eine Tonne Kobalt noch gerade 28'300
Dollar, was auf eine gesunkene Nachfrage hindeutet.

Grösste Vorkommen in Kongo-Kinshasa

Auch der Zuger Rohstoffkonzern Glencore hatte grosse Hoffnungen in Kobalt gesetzt, das zumeist als Nebenprodukt bei der Kupfer- und Nickelförderung anfällt. Zu mehr als zwei Dritteln stammt es aus dem von Armut und Korruption zerrütteten zentralafrikanischen Land Kongo-Kinshasa. Einen dreistelligen Millionenbetrag hatte das Baarer Unternehmen deshalb in die kongolesischen Minen gesteckt. Diese Woche aber kündigte Unternehmenschef Ivan Glasenberg im Zuge der Publikation des Halbjahresabschlusses an, dass er mit Mutanda die zurzeit weltgrösste Kobaltmine für 2020 und 2021 stilllegen will.

Glasenberg begründete den Schritt primär mit der mangelnden Wirtschaftlichkeit infolge des niedrigen Kobaltpreises sowie den verschärften Bergbaugesetzen im Kongo, die Glencore zu mehr Abgaben zwingen. Beobachter warfen dem Konzern indes vor, dass er mit dem Produktionsstopp in Mutanda den Preisverfall von Kobalt stoppen wolle – wie man dies im Fall von Zink bereits 2015 erfolgreich getan hatte – und zogen Parallelen zum Erdölkartell Opec.

Erhoffte Nachfrage noch nicht eingetroffen

In der Tat hat sich die Kobalt-Wette für Glencore bisher nicht ausbezahlt. Die erhoffte Nachfrage nach dem Batterie-Metall ist noch nicht eingetroffen, so dass der Markt gerade ein Überangebot aufweist. «Die Nachfrage ist mit der Angebotserhöhung nicht gleichgezogen, was zum Preisverfall von Kobalt geführt hat», sagt Daniel Benz, Rohstoffanalyst bei der Zürcher Kantonalbank. Ähnliches sei bei Lithium zu beobachten, ebenfalls ein zentrales Metall zur Herstellung von Batterien.

Alle hätten sich auf die Metalle gestürzt, doch noch lasse der ganz grosse Elektroauto-Boom auf sich warten. Was jedoch noch nicht ist, wird mit Sicherheit noch werden, davon ist Benz überzeugt. «In zehn Jahren wird die Nachfragesituation anders aussehen. Und was die E-Mobilität angeht, ist gerade Glencore gut dabei.»


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