Das Geschäft mit Muttermilchpumpen harzt: Medela streicht Stellen in Zug

WIRTSCHAFT ⋅ Rund 30 Personen sind von einer Entlassungsrunde bei Medela betroffen. Hintergrund sind die Coronakrise und der verschärfte Wettbewerbsdruck.

03. Februar 2021, 11:11

Maurizio Minetti

Die interne Mitteilung kurz vor Weihnachten hatte es in sich: Im Dezember informierte Annette Brüls, CEO der Zuger Medizintechnikfirma Medela, die Belegschaft über eine bevorstehende Restrukturierung. Mit über 400 Beschäftigten am Hauptsitz in Baar gehört Medela zu den 15 grössten Arbeitgebern im Kanton Zug. Medela gilt als Weltmarktführer im Geschäft mit Muttermilchpumpen. Global beschäftigt das Familienunternehmen rund 1600 Mitarbeitende.

Wie mehrere Quellen berichten, sorgte die Weihnachtsbotschaft für Unsicherheit in der Belegschaft. An einem Freitagabend im Januar kam es dann wie befürchtet: Medela informierte über Kündigungen, die in der folgenden Woche ausgesprochen wurden. Firmensprecherin Angela Heer bestätigt auf Anfrage, dass man im Januar Trennungen ausgesprochen habe. Die Zahl der betroffenen Mitarbeitenden liege bei weniger als 30.

Die Sprecherin betont dabei, «dass wir uns die Entscheidung nicht leichtgemacht haben und auch versucht haben, geeignete individuelle Lösungen für die Betroffenen zu finden. Ebenso können die Betroffenen unsere Unterstützung und Ressourcen in Anspruch nehmen, falls sie dies möchten». Die Änderungen seien gesetzeskonform und die Zahl der betroffenen Mitarbeitenden erfordere kein Konsultationsverfahren, so die Sprecherin. Man habe die Änderungen innerhalb der Organisation transparent und frühzeitig angekündigt.

Der Umsatz stagniert seit Jahren

Begründet wird der Stellenabbau einerseits mit der Coronakrise. «Die Auswirkungen von Covid-19 auf die globale Wirtschaft haben die Geschäftswelt und die Marktdynamik rund um den Globus verändert und bestehende Trends vorangetrieben. Auch wir sind nicht immun dagegen», so die Sprecherin. Deshalb habe man bestehende Pläne beschleunigt und vereinfache man nun im Rahmen von organisatorischen Anpassungen die Strukturen mit einem «kundenorientierten Ansatz». Die aktuellen Massnahmen seien grösstenteils eine Fortführung der eingeschlagenen Strategie, die Medela den Mitarbeitenden 2018 erstmals vorgestellt habe. Die Sprecherin sagt:

«Diese ermöglichen uns, schneller auf die Marktdynamik zu reagieren und erstklassigen Service, virtuelle Interaktionsmöglichkeiten, E-Commerce-Angebote und mehr anzubieten. Damit können wir unsere Kunden besser bedienen und langfristiges Wachstum sichern.»

Medela erlebte bis vor wenigen Jahren eine starke Wachstumsphase. Allein zwischen 2013 und 2016 sei der Umsatz um rund 100 Millionen Franken angestiegen, berichtete die «NZZ» im Juni. Doch dem Unternehmen gelingt schon seit längerem nicht mehr, nachhaltig zu wachsen; der Umsatz soll seit Jahren bei ungefähr 600 Millionen Franken stagnieren. Das vergangene Geschäftsjahr dürfte dabei keine Ausnahme gewesen sein. Konkrete Umsatzzahlen sind auf Anfrage nicht erhältlich. Sprecherin Heer sagt:

«Medela ist ein privates, nicht börsenkotiertes Unternehmen und veröffentlicht keine Finanzzahlen. Wir verfolgen eine nachhaltige Wachstumsstrategie und Unternehmensentwicklung gemäss unserem Daseinszweck.»

Im Gespräch mit der NZZ liess Konzernchefin Annette Brüls durchblicken, dass Medela bis vor kurzem nicht mehr dasselbe Tempo bei der Produktinnovation wie in früheren Jahren einzuschlagen vermochte. Auch habe der Wettbewerbsdruck zugenommen. Es gebe viele neue Konkurrenten im Markt, sagt sie.

Muttermilchpumpen mit fragwürdiger Qualität aus China

Sorge bereitet ihr, dass vor allem aus China immer wieder Muttermilchpumpen mit fragwürdiger Qualität auf den Markt kommen. Dies berge die Gefahr, dass der Ruf der gesamten Branche in Mitleidenschaft gezogen werde. Die verschiedenen Hersteller von Muttermilchpumpen bekämpfen sich gegenseitig, leiden gleichzeitig aber auch allesamt unter der gleichen Konkurrenz: Pulvermilch.

Diese Wettbewerbssituation dürfte Medela auch in naher Zukunft dazu zwingen, Bereiche zusammenzulegen und Kosten zu sparen. Das wurde auch am letzten Freitag klar, als intern über diverse Verlagerungen informiert wurde. In der Belegschaft macht man sich jedenfalls keine Illusionen. «Es wird bestimmt nicht die letzte Entlassungsrunde gewesen sein», sagt eine Quelle.


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