Dätwyler wächst 2018 solide und befindet sich zwischen Aufbruch und Umbruch

WIRTSCHAFT ⋅ Dätwylers wichtigste Unternehmensbereiche könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Sparte Abdichtungen ist im Aufschwung – das Handelsgeschäft harzt. Bei Letzterer steht nun ein Verkauf zur Diskussion.

08. Februar 2019, 11:01

Raphael Bühlmann

Sowie der namensgebende Fluss das Reusstal teilt, so scheint sich auch ein immer tiefer werdender Graben durch den grössten Industriebetrieb des Kantons Uri zu ziehen. Dätwyler, das ist heute einer der weltweit führenden Spezialisten für Abdichtungen. Ob für die Versiegelung von Nes­presso-Kaffeekapseln, Komponenten für die Abgasnachbehandlung von Dieselfahrzeugen oder solche für abgefüllte Spritzen mit Arzneimitteln: Die Kompetenzen in der Verschlusstechnik von Dätwyler finden immer breitere Anwendung.

Der Nettoumsatz der Division «Sealing Solutions», stieg auch letztes Jahr. 7 Prozent insgesamt und 3 Prozent organisch. 891,1 Millionen Franken trug die Sparte zum Gesamtumsatz von insgesamt 1,36 Milliarden bei – Tendenz steigend. Insbesondere mit vorgefüllten Spritzen und Injektionsgeräten beziehungsweise im Bereich Health Care haben sich die Urner mittlerweile einen Namen in der Medizinalbranche gemacht.

«Wir sind nicht zufrieden mit dem Spartenergebnis»

Mit modernster Reinraumtechnologie, automatischer Fertigungszellen, vollautomatischer Kamerainspektion und einem hochwertigen Reinigungsprozess habe man einiges in die Herstellung von Medizinal-Komponenten investiert. «Mit der Eröffnung des neuen Health-Care-
Werks in den USA und der Akquisition von Parco und Bins haben wir 2018 die Weichen für zukünftiges profitables Wachstum gestellt», sagte CEO Dirk Lambrecht an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich vom Freitag. Er geht ferner davon aus, dass – abgesehen von der Autobranche – die Division Sealing Solutions wesentlich «konjunkturunabhängiger» funktioniere.

Auf der einen Seite also gut aufgestellt, drängen sich andererseits beim Handelsgeschäft mit Elektronikteilen mehr und mehr grundsätzliche Fragen auf: Organisch hat der Konzernbereich «Technical Components» 2018 kaum zugelegt. Die ausgewiesene Umsatzsteigerung von 2,6 Prozent auf 470,5 Millionen kam fast nur durch Währungseffekte zustande. Laut Lambrecht habe das Betriebsergebnis von 11,0 Millionen auf 14,5 Millionen Franken nur dank konsequenter Kostenkontrolle verbessert werden können. Unverblümt bilanzierte der CEO am Freitag: «Nein, wir sind nicht zufrieden mit dem Spartenresultat.» Lambrecht, der den Chefposten vor zwei Jahren von Paul Hälg übernommen hatte, setzt langfristig nur auf «werthaltiges Wachstum». Bereits anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen im August liess er durchblicken, dass 2019 über Grundsätzliches bei Technical Components entschieden werde – gerade auch unter Berücksichtigung der Zahlen 2018.

Brexit als Chance für Dätwyler

Die Zahlen haben sich seither nicht verbessert. Im Gegenteil. «Kalt erwischt haben uns in der zweiten Jahreshälfte die ansteigenden Rohstoffpreise», so Lambrecht. Der Handelssparte von Dätwyler entgegenkommen könnte allerdings ausgerechnet die Krise in der EU. «Ein harter Brexit bietet für uns mehr Chancen als Risiken», so Lambrecht. Zwei der grössten Mitbewerber hätten ihren Produktionsstandort im Vereinigten Königreich. Dennoch dürfte der Industriekonzern nun wohl auch einen Verkauf der Sparte ins Auge fassen. Im Bereich Technical Components beschäftigt Dätwyler in Europa 1113 Personen davon rund 100 in der Schweiz – jedoch nicht im Kanton Uri.

Für das Reusstal weit relevanter scheint die nicht an der Börse kotierte Dätwyler Cabling Solutions AG, eine private Tochtergesellschaft der Pema Holding AG. Die Firma produziert in Altdorf Kabel und hat 2018 den Nettoumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent auf 244,6 Millionen Franken gesteigert.


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