Dätwyler braucht das Handelsgeschäft nicht

WIRTSCHAFT ⋅ Der Urner Industriekonzern Dätwyler prüft den Verkauf der Handelssparte. Das ist konsequent, denn Dätwyler erreicht damit nicht die kritische Grösse.

13. August 2019, 17:33

Maurizio Minetti

Der Bereich Technical Components bleibt das Sorgenkind des Urner Industriekonzerns Dätwyler. Vor drei Jahren hatte Dätwyler noch Grosses vor mit der Handelssparte. Mit der damals geplanten Übernahme des britischen Elektronikhändlers Premier Farnell wollte Dätwyler zum grossen Sprung ansetzen und den Gruppenumsatz auf 2,5 Milliarden Franken erhöhen.

Doch der Kauf scheiterte. Konkurrent Avnet schnappte den Urnern Premier Farnell vor der Nase weg. Im Nachhinein können die Dätwyler-Verantwortlichen froh sein, bei Farnell nicht zum Zug gekommen zu sein. Unter dem Dach von Avnet hat Farnell zuletzt einen Umsatzrückgang von 12 Prozent erlitten. Die Marge befindet sich unter Druck, im Heimmarkt machen Farnell eine rückläufige Nachfrage und die Brexit-Unsicherheit zu schaffen. Kurz: Hätte der Deal geklappt, stünde Dätwyler heute mit einem noch grösseren Sorgenkind da.

Die Episode zeigt, wie schwierig das Geschäft mit dem Handel elektronischer Komponenten ist. Weil die Margen hier traditionell tief sind, zählt nur die Grösse. Dätwylers Handelssparte ist mit einem Jahresumsatz von knapp 500 Millionen Franken schlicht zu klein, um in diesem globalisierten Geschäft eine Rolle zu spielen. Schwankungen in einzelnen Ländern können so nicht abgefedert werden. Für Dätwyler wird es Zeit, sich von dieser problembeladenen Sparte zu trennen. Je früher, desto besser.


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