Chef der Titlisbahnen rechtfertigt den 100-Millionen-Ausbau der Bergstation: «Die Gäste erwarten mehr»

WIRTSCHAFT ⋅ 100 Millionen Franken investieren die Titlisbahnen in die Berggipfelgestaltung. Rechnet sich diese Investition? Braucht es dazu Stararchitekten? Geschäftsführer Norbert Patt nimmt Stellung.

03. April 2019, 05:10

Rainer Rickenbach

Rainer Rickenbach

Nicht alle Aktionäre sind einverstanden damit, 100 Millionen Franken in die Bergstation Titlis zu investieren. Das sei zu viel Geld für ein Projekt, das finanziell nur wenig einbringe. Was sagen Sie dazu?Norbert Patt: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Gästen ein gesamtheitliches Erlebnis zu bieten. Es kann nicht nur aus der Bahnfahrt bestehen, sondern muss auch einen fantastischen Aufenthalt auf dem Berggipfel mit sich bringen. Heute bieten die Titlisbahnen auf der Bergstation einen 50 Jahre alten, beengten Bau mit gerade mal acht Toiletten. Die ganze Infrastruktur dort wird den Ansprüchen nicht gerecht. Mehrere Tausend Gäste besuchen in Spitzenzeiten täglich die Bergspitze. Sie erwarten mehr. Dafür sind 100 Millionen Franken notwendig?Selbstverständlich ist das sehr viel Geld. Doch wenn der Berggipfel als Anziehungspunkt entfällt, drohen auch die Bahnfrequenzen darunter zu leiden. Aus Sicht der Investoren ist die Skepsis nachvollziehbar: Bisher haben die Titlisbahnen in neue Bahnen und Kapazitäten investiert, die mehr Umsatz und Gewinn einbrachten – und es funktionierte.Das stimmt so nicht ganz, denn in den letzten Jahren haben wir auch viel in das Erlebnisangebot und in die Qualität investiert. Doch es geht beim Berggipfelprojekt um mehr als nur einen erneuerten Turm, ein modernes Restaurant sowie Ladenfläche und grosszügigere Flächen für die Besucher. Letztlich beschert das Bahnunternehmen für das ganze Tal eine grosse Wertschöpfung. Dazu müssen wir Sorge tragen. Uns geht es darum, die Rendite in unserem Kerngeschäft langfristig zu sichern und Mehrwerte für alle Stakeholder zu schaffen. Das kostet Geld. Mit dem Erlös aus drei Cafés Creme lässt sich ein Bauprojekt auf 3000 Meter über Meer natürlich nicht finanzieren. Welchen Gewinn bringt die Investition konkret für die Aktionäre?Es handelt sich um eine nachhaltige Sicherung des Geschäfts und die Schaffung von Mehrwerten. Wir wollen auf dem internationalen Reisemarkt ein Premiumprodukt anbieten und konkurrenzfähig sein. Denn wir sind nicht die einzigen Anbieter von Bergerlebnissen. Was wäre denn die Alternative? Mit Flickwerken da und dort das bestehende Gebäude zu sanieren? Wir haben auch diese Alternative geprüft. Sie kostet ebenfalls viel und bringt das Bahnunternehmen nicht wirklich weiter. Offenbar sehen es nicht alle Aktienbesitzer so: In den zurückliegenden 12 Monaten hat der Aktienkurs trotz des operativen Rekordergebnisses von 2017 mehr als 13 Prozent eingebüsst.Die Titlisbahnen pflegen die Shareholder und zahlen ihnen kontinuierlich Dividenden. Das Berggipfelvorhaben ist als Beitrag zur Werterhaltung zu sehen. Die Grossaktionäre, denen wir das Projekt gezeigt haben, verstanden es auch so. Es gab viel Zustimmung. Kurzfristige Kurseinbussen sind oft der geringen Anzahl unserer gehandelten Aktien geschuldet. Schon kleinere Käufe und Verkäufe schlagen sich im Kurs nieder. Und die Motive für Käufe und Verkäufe sind ohnehin unterschiedlich. Langfristig betrachtet sind die Titlisbahnen aber ein sehr gutes Investment. In den zurückliegenden zehn Jahren hat sich der Aktienwert verfünffacht. Auch wenn die heutige Bergstation hoffnungslos veraltet ist: Müssen es gleich die Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron sein, die das neue Turm- und Berggipfel-Restaurantprojekt planen?Eine berechtigte Frage. Wir arbeiteten einen Masterplan aus und standen mit mehreren, auch weniger renommierten Architekturbüros in Kontakt. Das Projekt von Herzog & de Meuron gefiel uns jedoch am besten. Ihre Leute leisteten hochprofessionelle Arbeit. Der Gipfel wird für die nächsten Generationen neu gestaltet. Darum muss es ein Projekt sein, das vollumfänglich überzeugt. Eines, das die Menschen gesehen und erlebt haben wollen und zu einer weltbekannten Attraktion wird.Wie viel haben Sie für die Arbeit der Architekten ­budgetiert?Das lässt sich schwer beziffern. Die Stundenansätze von Herzog & de Meuron unterscheiden sich gar nicht so stark von denjenigen anderer Architekturbüros. Was die Planung wirklich teuer macht, ist etwas anderes: etwa die Logistik für Bauarbeiten auf 3000 Meter Höhe und die komplexe Planung der Haustechnik. Sie umfasst die elektrischen Anlagen, die Lüftungen, sanitäre Anlagen und den Brandschutz, an den die Anforderungen besonders hoch sind. Die Titlisbahnen finanzieren das Projekt mit eigenen und fremden Mitteln. Müssen Sie dafür andere Projekte zurückstellen?Es ist eine Frage der Prioritäten. Natürlich gibt es in unserem Unternehmen, wie in jedem andern auch, eine lange Wunschliste. Entscheidend ist aber auch, ob und wie es für diese Wunschprojekte Bewilligungen gibt.Stimmt es, dass die Titlisbahnen den Tarifverbund mit den Brunni-Bahnen auf­gekündigt haben?Das ist richtig, der Vertrag muss erneuert werden. Weil wir mitten in den Verhandlungen stecken, kann ich nicht mehr dazu sagen. Der Verdacht drängt sich auf, es handle sich um eine Retourkutsche für die gescheiterte Fusion.Nein, damit hat es nichts zu tun. Der Vertrag muss einfach den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.

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