Bossard-Aktie gibt deutlich nach: Der Zuger Schrauben-Spezialist wird Opfer seines bisherigen Erfolgs

WIRTSCHAFT ⋅ Die Aktie des Zuger Schraubenhandelskonzerns Bossard galt lange als Überflieger unter den Schweizer Titeln. Im Januar erreichte sie ein Allzeithoch. Seither geht es bergab. Analysten bemängeln den tieferen Umsatz im Geschäft mit Tesla.

06. Dezember 2018, 14:24

Livio Brandenberg

Livio Brandenberg

Es ist kein gutes Jahr bisher für Bossard-Aktionäre. Kurz nach ­Silvester begannen die Papiere des Zuger Schraubenhandels- und Logistikunternehmens an Wert einzubüssen. Der Ausverkauf hielt – mit einigen «Comebacks» – an. Seit dem Jahreswechsel verloren die Titel gut 36 Prozent (siehe Grafik unten). Alleine am Mittwoch gab die Aktie 11 Prozent nach und schloss bei 146.80 Franken. Zeitweise bewegte sie sich sogar knapp 15 Prozent im Minus.

Warum dieser Einbruch? Den Rückgang am Mittwoch betreffend, verweisen Marktkreise unter anderem auf eine Ratingabstufung durch die Analysten der Bank Vontobel von «Halten» auf «Verkaufen». Die Herabstufung erfolgte laut Vontobel-Bericht aus drei Gründen. Der erste betrifft den wichtigsten Kunden der Zuger, den US-Elektrofahrzeughersteller Tesla. Die Analysten führen an, dass bei Bossard mit der Einführung des «Model 3» der Umsatz pro Fahrzeug rascher zurückgehe als erwartet. So sei der Umsatz pro Auto beim dritten Tesla-Modell rund viermal geringer als bei den Modellen S und X. Das «Model 3», mit welchem die Amerikaner den Massenmarkt erobern wollen, ist günstiger als die bisherigen Tesla.

Investoren reagieren sofort auf negative News

Dass Bossard beim «Model 3» darum pro Fahrzeug weniger verdienen würde, war bekannt. Auch Bossard-Finanzchef Stephan Zehnder äusserte sich letztes Jahr in diese Richtung. Warum reagierte der Markt am Mittwoch nach der Veröffentlichung der Vontobel-Analyse dennoch so stark? Das habe mit dem Umfeld zu tun, sagt Panagiotis Spiliopoulos, Leiter des Research-Bereichs von Vontobel. «Jede negative Nachricht wirkt sich im betreffenden Sektor oder der jeweiligen Branche sofort negativ aus. In einem anderen Umfeld wären die Reaktionen nicht derart ­heftig, doch momentan sind die Investoren empfänglicher für ­negative News.» Es reiche, etwas Bekanntes offen auszusprechen oder mit Zahlen darzulegen, und der Kurs bewege sich sogleich. In einem normalen Umfeld wäre die Aktie am Mittwoch weniger gesunken, schätzt Spiliopoulos.

Als zweiten Grund, nach dem Rückgang des durch das Tesla-Geschäft generierten Spitzenumsatzes, nennt der Vontobel-Chefanalyst die geringeren Wachstumserwartungen für den zweiten Grosskunden von Bossard, John Deere. «Die Aussichten sind nicht mehr so toll für den gesamten Landwirtschaftsbereich in den USA.» Das Wachstum des amerikanischen Herstellers von Landwirtschaftsmaschinen dürfte sich laut Spiliopoulos in den kommenden Jahren früher abschwächen als bisher angenommen. Und der dritte Grund sei die Abkühlung des allgemeinen Wirtschaftsumfeldes. Die Nachfrage sei in Europa und Asien – auch in China – in den letzten Monaten erheblich zurückgegangen, so der Aktienexperte.

Auftragslage stimmt Bossard zuversichtlich

Die Herabstufung sei also kein Beinbruch. So sagt Spiliopoulos: «Wir sehen ja immer noch Wachstum bei Bossard, doch nicht mehr ein so grosses.» Man sehe den Konsens aller Analysten für die kommenden Monate und Jahre als zu ambitiös. Vontobel hält es für unwahrscheinlich, dass Bossard das starke Geschäftsjahr 2018 in naher Zukunft wesentlich übertreffen wird.

Bei Bossard bleibt man gelassen ob des roten Aktiencharts. Man kommentiere Einschätzungen von Analysten und den Aktienkurs grundsätzlich nicht, sagt Finanzchef Zehnder. Was er ­sagen könne: «Die Geschäftsentwicklung liegt im Rahmen unserer kommunizierten Erwartungen, was insbesondere auch unsere zwei Grosskunden in den USA betrifft.» Man werde dieses Jahr mit einem weiteren Umsatz- und Gewinnrekord abschliessen. «Bezogen auf die Zukunftsentwicklung ist zu erwähnen, dass unsere Visibilität in unserem Geschäft gering ist, und deshalb sind Prognosen auf mehrere Jahre mit Unsicherheiten verbunden». Aber die aktuelle Auftragslage bei den Kunden stimme Bossard zuversichtlich, «dass wir uns auch im 2019 erfolgreich weiterent­wickeln werden», so Zehnder.


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