BMW wirft Zentralschweizer Garagisten aus der Bahn

WIRTSCHAFT ⋅ Das Autohaus Sigrist in Kriens schliesst den Betrieb und muss ein Dutzend Mitarbeiter entlassen. Gleichzeitig zieht die Auto Windlin AG gegen den Importeur BMW Schweiz vor Gericht.

30. März 2019, 20:46

Maurizio Minetti

Am 31. Mai ist Schluss. An diesem Tag schliesst das Autohaus Sigrist in Kriens für immer seine Tore. Der BMW-Händler hat seine Kunden kürzlich über die Schliessung informiert. Geschäftsführer Thomas Sigrist bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass allen Mitarbeitern gekündigt werden musste. «Leider gehen mit der Betriebsschliessung zehn Arbeitsplätze und zwei Lehrlingsausbildungsplätze verloren», sagt Sigrist. Er führt den 1959 gegründeten Betrieb in dritter Generation.

Was mit dem Standort beim Strassenverkehrsamt Luzern geschieht, ist noch unklar. «Eine Vermietung der Garagenliegenschaft wird geprüft und auch favorisiert», sagt Sigrist.

Auch bei Windlin droht ein Stellenabbau

Was die Gründe für die Schliessung angeht, gibt sich Sigrist bedeckt. Im Kundenschreiben werden «marktstrategische Veränderungen in der Automobilbranche» und gesundheitliche Probleme des Firmeninhabers angegeben. Bekannt ist, dass der Importeur BMW Schweiz den Handels-Vertrag mit Sigrist vor vier Jahren gekündigt hat. Dadurch konnte Sigrist keine Neufahrzeuge mehr verkaufen. Auf Ende 2017 verlor das Autohaus auch den Servicevertrag. Ohne diesen ist es für Händler sehr schwierig, Werkstatt-Arbeiten durchzuführen.

Im Autohandel herrscht grosser Konkurrenzkampf, doch unter den Garagisten besteht ein freundschaftliches Verhältnis. Im Kundenschreiben von Sigrist werden die Kunden an die Garage Burkhardt in Sursee und die Steiner Group verwiesen. Steiner gehört zu den Gewinnern in diesem Konsolidierungsprozess. Die Garagen-Gruppe musste dafür aber auch ausbauen; so eröffnet Steiner demnächst eine neue Niederlassung in Buochs. Aus der Branche gibt es denn auch Stimmen, die sagen, man müsse in der heutigen Situation investieren und innovativ sein, um im Rennen zu bleiben. Thomas Sigrist sagt dazu: «Die Familie war immer bereit, zu investieren.»

Sigrist ist nicht der einzige BMW-Händler, der den Vertrag mit dem Importeur verloren hat. So erging es auch dem Autohaus Neuhaus in Immensee. Dieser Autohändler verlor letztes Jahr den BMW-Vertrag – obwohl das damalige Vorzeige-Unternehmen im Jahr 2010 zum besten BMW-Händler der Welt gewählt worden war. Nach dem Verlust der BMW-Vertretung wurde der Betrieb mit 30 Angestellten verkauft und Tausende Kunden mussten sich eine neue Garage suchen. Der Nachfolgebetrieb ist nur noch halb so gross und handelt mit Mercedes-Fahrzeugen. Die ehemalige Besitzerin wollte sich mit Verweis auf ein Stillhalteabkommen nicht zum Fall äussern.

Auch die Auto Windlin AG im obwaldnerischen Kerns wurde von BMW ausgebootet. Die Garage verlor per September 2018 den Handelsvertrag und darf nun per Ende März 2019 auch keine Service-Arbeiten mehr durchführen. Der CEO der Windlin-Gruppe, Roland Michel, sagt, man habe immer wieder mit dem Importeur BMW Schweiz verhandelt, um den Service-Vertrag zu behalten - vergeblich. Am vergangenen Mittwoch hat er nun beim Obwaldner Kantonsgericht eine Klage gegen BMW eingereicht. Michel will erwirken, dass das Gericht eine vorsorgliche Massnahme anordnet, damit Auto Windlin während der Dauer des Verfahrens weiterhin Service-Arbeiten durchführen kann. Sollte sich das Gericht anders entscheiden, können ab nächster Woche keine BMW-Garantie-Arbeiten mehr durchgeführt werden. Der Service-Vertrag mit BMW ist für Auto Windlin existenziell: «Verlieren wir den Service-Vertrag definitiv, müssen wir Stellen abbauen», sagt Michel.

Sind Importeure beim Service marktbeherrschend?

Windlin geht damit den gleichen Weg wie der Inhaber der Garage Epper in Luzern. Stefan Epper hat im Januar vor dem Kantonsgericht Luzern eine Klage gegen den Jaguar-Importeur Emil Frey eingereicht. Nachdem das Gericht nun Ende Februar vorsorgliche Massnahmen angeordnet hat, kann Epper im laufenden Verfahren bis auf weiteres Werkstatt-Arbeiten durchführen.

Hintergrund der beiden Klagen ist die Annahme, dass der Service-Markt ein alleinstehender Markt ist und Importeure wie Emil Frey, Amag oder BMW Schweiz in diesem marktbeherrschend sind. Die Annahme fusst auf einem Bericht der Wettbewerbskommission, die selber aber betont, es gebe lediglich «Anhaltspunkte» für eine Marktbeherrschung. «Wenn ein Importeur marktbeherrschend ist, darf er nicht ohne sachlichen Grund Verträge kündigen», sagt der Kartellrechtsprofessor Patrick Krauskopf, der viele Garagisten vor Gericht vertritt.

BMW Schweiz wollte sich zur Situation beim Autohaus Sigrist nicht äussern. Zum Fall Windlin macht der Importeur ebenfalls keine Angaben, bis das Verfahren abgeschlossen ist.


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