Bestellflut wegen Motoren für Beatmungsgeräte bei Maxon

WIRTSCHAFT ⋅ Die Medtech-Sparte des Unternehmens mit Hauptsitz in Sachseln floriert. Wegen der Coronakrise rechnet der Spezialist für Antriebssysteme im laufenden Jahr aber mit einem deutlichen Umsatzrückgang.

24. Juni 2020, 18:23

Christopher Gilb

Christopher Gilb

Normalerweise habe die Maxon-Gruppe eine Bestellmenge von rund 10000 bis 15000 Motoren für Beatmungsgeräte pro Kunde. Derzeit sei diese Bestellmenge aber teils um ein dreifaches oder vierfaches höher, sagt Eugen Elmiger, VR-Delegierter und CEO des Spezialisten für Antriebssysteme mit Sitz in Sachseln. Und während beim weltweit tätigen Unternehmen in anderen Sparten wie der Automobilzulieferung viele Aufträge aufs nächste Jahr verschoben wurden, floriert die Medizintechniksparte. Denn Maxon beliefert auch Hersteller von Covid-19-Testgeräten, für die gegenwärtig eine sehr hohe Nachfrage besteht. «Mehr als 20 der diversen Antriebssysteme stammen von Maxon», so Elmiger.

Die Produktionskapazitäten vor allem am Werk in Sachseln hätten deshalb markant ausgebaut werden müssen. «Wir mussten eine zweite und dritte Schicht einführen, und auch am Samstag wird gearbeitet.» Doch eine Produktion hochzufahren sei um einiges herausfordernder als eine Produktion runterzufahren, erklärt Elmiger. Etwa weil die neuen Mitarbeiter ausgebildet werden müssen – so seien über 50 Temporärmitarbeiter alleine im Werk in Sachseln zusätzlich eingestellt worden. Und natürlich müssten auch die Lieferanten mitmachen.

Gruppe bewegt sich leicht unter Budget

Einen Rekordumsatz wie letztes Jahr werde das Unternehmen trotzdem nicht mehr erreichen, prognostiziert Elmiger. Wie die Gruppe gestern bekanntgegeben hat, konnte der Umsatz 2019 im Vergleich zum Vorjahr um rund 40 Millionen Franken auf 567,8 Millionen Franken gesteigert werden. Damit hat die Maxon-Gruppe den Umsatz in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Umsatzsteigerungen gab es dabei vor allem in den verschiedenen Werken im Ausland. Während am Hauptsitz in Sachseln ein «erwarteter leichter Umsatzrückgang» zu verzeichnen gewesen sei, erklärt Elmiger. Dies wegen des Ausbaus von Produktionskapazitäten im Ausland und damit einhergehenden Umsatzverschiebungen.

Aufgrund der Schwächen in den anderen Branchen – der Auftragseingang für die zweite Hälfte 2020 sei abgesehen von medizintechnischen Produkten noch schwach – bewege sich die Gruppe derzeit leicht unter Budget. «Im schlimmsten Szenario rechnen wir mit einem Umsatzrückgang von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr», sagt Elmiger. Um Umsatzeinbussen abzufangen, hat der Motorenhersteller bei Ausbruch der Krise ein Sparprogramm aufgegleist und nicht dringende Investitionen zurückgestellt. «Nicht betroffen sind unsere laufenden Bautätigkeiten», erklärt der CEO. So werde das neue Werk 4 in Sachseln fertiggebaut, und auch der Ausbau des Werks in Frankreich werde plangemäss bis Ende Jahr abgeschlossen.

Mit der Nasa auf den Mars

Insgesamt verfügt Maxon weltweit über neun Produktionsstandorte und Vertriebsgesellschaften in über 30 Ländern. Ende 2018 hatte Maxon beispielsweise den Motorenhersteller Parvalux in Grossbritannien übernommen. Dieser erzielte im ersten Jahr bei Maxon einen Umsatz von 25,8 Millionen Franken. 180 Mitarbeiter arbeiten derzeit in dem Werk in Bournemouth. Ende 2019 beschäftigte die Maxon-Gruppe total 3050 Personen, 1316 davon in Sachseln. Damit wurde die Mitarbeiterzahl im Vergleich zum 2018 um 125 erhöht. Die umsatzstärksten Branchen des Konzerns sind die Medizintechnik, die Automation und Robotikindustrie. Weitere grosse Märkte sind die Mess- und Prüftechnik, die Automobilindustrie, sowie die Luft- und Raumfahrt.

Wenn diesen Sommer beispielsweise das ferngesteuerte Fahrzeug der Nasa zur Erforschung des Mars aufbricht, dann ist auch ein Stück Obwalden mit dabei. Denn ausgestattet ist der sogenannte Nasa-Rover mit 16 Motoren aus der Produktion der Maxon-Gruppe.


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