Benpac-Eigentümer Marco Corvi zum gescheiterten Gallus-Deal: Medien und Markt sollen schuld gewesen sein

WIRTSCHAFT ⋅ Die gescheiterte Übernahme der Gallus-Gruppe durch die Stanser Benpac zieht immer weitere Kreise. Am Montag holte nun Benpac-Eigentümer Marco Corvi zum Rundumschlag aus.

01. Februar 2021, 20:23

Christopher Gilb

Christopher Gilb

Obwohl es schon länger Zweifel an der erfolgreichen Übernahme der St.Galler Gallus-Gruppe durch die Stanser Benpac gab, sah es noch bis Freitagabend so aus, als würde der Deal im Wert von 120 Millionen Euro mit dem jetzigen Eigentümer Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) wie geplant vollzogen werden.

Sowohl Benpac wie auch Heidelberg hatten in den Vortagen nichts anderes verlauten lassen. Doch dann, kurz nach Börsenschluss in Frankfurt, verschickte Heidelberg eine Mitteilung, wonach die Kaufpreiszahlung in Höhe von 120 Millionen Euro nicht geleistet wurde, obwohl hierfür «alle Voraussetzungen vorlagen». Der Deal ist damit geplatzt. Das ist ein Paukenschlag, der sich am Montag auch an den Märkten bemerkbar machte. Die Aktie des deutschen Industriekonzerns, der sich mitten in einer Umstrukturierungsphase befindet, verlor rund 14 Prozent.

Warum hat Benpac nicht bezahlt? Eigentümer Marco Corvi behauptet am Montag überraschend in einer Stellungnahme, Benpac habe sich «am Freitag entschieden, die Gallus-Akquisition nicht zu vollziehen». Die Gründe für den Entscheid lägen im Wesentlichen im Widerstand, dem Benpac in den vergangenen Monaten ausgesetzt gewesen sei:

«Die Reaktionen aus dem Markt, aber auch aus den Gallus-Firmen selbst waren so stark, dass eine erfolgreiche Umsetzung in Frage gestellt werden musste.»

Den Entscheid beeinflusst hätten auch negative Medienberichte, welche der Reputation der Benpac Holding AG wie auch jener der Person von Marco Corvi Schaden zugeführt hätten. Zudem sei die unterschiedliche Auslegung eines Zusammenarbeitsvertrages zwischen Gallus und Benpac schlussbestimmend gewesen für den Entscheid.

Noch vor Monatsfrist erklärte Corvi die damalige Verschiebung des Closings gegenüber unserer Zeitung mit einer Prüfung des deutschen Bundeskartellamts. Denn eigentlich hätte der Benpac-Besitzer den Kaufpreis für die Gallus-Gruppe schon im Dezember bezahlen müssen. Heidelberg hatte jedoch damals mitgeteilt, dass Benpac um einen Monat mehr Zeit gebeten hätte und dass Marco Corvi zur Sicherstellung der Kaufpreiszahlung gegenüber Heidelberg «persönliche notarielle Schuldanerkenntnisse in Höhe des insgesamt ausstehenden Kaufpreises von 120 Millionen Euro» abgegeben habe.

Beratungsfirmen hüllen sich in Schweigen

Im Juli hatte die in der Branche weitgehend unbekannte Firma mit Sitz in Stans bekanntgegeben, das St.Galler Traditionsunternehmen Gallus mit gruppenweit über 400 Angestellten von Heidelberg zu kaufen und einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Mehrere Insider zogen jedoch gegenüber unserer Zeitung die vermeintliche Erfolgsgeschichte von Benpac in Zweifel, berichteten über ausstehende Zahlungen und bestritten die Grösse des Unternehmens, das nach eigenen Angaben mit weltweit 3600 Angestellten, 38 Unternehmen und einem Umsatz von 750 Millionen Franken Maschinen für die Druck- und Verpackungsindustrie herstellt. Benpac-Alleineigentümer Marco Corvi wies die Vorwürfe stets zurück.

Heidelberg selbst wollte die Stellungnahme von Benpac am Montag nicht kommentieren. Aus Firmenkreisen ist aber Verwunderung darüber zu hören, denn im Januar noch habe Marco Corvi mehrfach versichert, den Kaufpreis bis zum besprochenen 29. Januar leisten zu können. Auf Anfrage bekräftigt der deutsche Konzern nun erneut: «Wir versichern, dass Heidelberg den gesamten Transaktionsprozess in jeder Phase sorgfältig nach den üblichen Standards geführt hat – dazu gehört auch die Prüfung der Solvenz der Käuferin.» Auf die Frage, wieso die Mitteilung zum Scheitern des Deals erst am letztmöglichen Tag kam, heisst es:

«Ein früherer Ausstieg aus dem Kaufvertrag wäre für Heidelberg nicht möglich gewesen, ohne etwaige Schadenersatzansprüche von Benpac auszulösen.»

Unerfreulich ist das Scheitern des Deals auch für die grossen Anwaltskanzleien, die involviert waren. Auf Seite Benpac war Baker McKenzie involviert. Die Kanzlei will keine Stellung nehmen. Eine entsprechende Mitteilung auf der Firmenseite, in der es noch geheissen hatte, dass Baker McKenzie Benpac «umfassend in allen rechtlichen und steuerlichen Aspekten der Transaktion» beraten habe, ist inzwischen gelöscht worden. Bereits am Freitag hatte Heidelberg mitgeteilt, bei Benpac Ansprüche auf Schadenersatz prüfen zu wollen. Heidelberg wiederum wird zu rechtlichen Fragen in der laufenden Umstrukturierung von DLA Piper beraten, eine der grössten Kanzleien der Welt. DLA Piper verweist auf die Aussage von Heidelberg, den Transaktionsprozess nach üblichen Standards durchgeführt zu haben.


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