Baarer Airopack zieht sich von der Börse zurück

WIRTSCHAFT ⋅ Der Hersteller von Verpackungslösungen ist arg in Schieflage. CEO Jean-Baptiste Lucas und Finanzchef Emmanuel Walter treten zurück.

24. Mai 2019, 13:09

Maurizio Minetti und Livio Brandenberg

Die Airopack Technology Group mit Holdingsitz in Baar will sich von der Börse zurückziehen. Man werde in den kommenden Tagen ein entsprechendes Gesuch beim Börsenbetreiber SIX einreichen und zu gegebener Zeit über das Ergebnis des Delisting-Antrags informieren, heisst es in einer Mitteilung vom Freitag. Gleichzeitig gab die in Nachlassstundung stehende Firma bekannt, dass Konzernchef Jean-Baptiste Lucas und Finanzchef Emmanuel Walter zurücktreten. Der CEO, der den Posten erst Ende Januar übernommen hatte, bleibt derweil Geschäftsführer der vom Hauptkreditgeber übernommenen operativen Gesellschaften. Walter, der die CFO-Funktion seit einem halben Jahr innehat, wird die Firma nach der Fertigstellung des Geschäftsberichts für das Jahr 2018 verlassen. Die Börse hatte Airopack einen Aufschub für die Publikation des Geschäftsberichts bis zum 1. Juli dieses Jahres gewährt.

Die Positionen des CEO und CFO sollen bis auf Weiteres nicht neu besetzt werden, der Verwaltungsrat prüfe Optionen und Chancen für eine zukünftige Geschäftstätigkeit, doch bisher hätten sich keine Opportunitäten aufgetan.

Buchhaltungsmängel und mögliche Klage

Airopack hat einen neuartigen Pumpmechanismus für Spraydosen ohne Treibgas entwickelt. Für das Produkt waren bekannte Abnehmer gefunden worden, etwa die Konsumgüterriesen Procter & Gamble mit der Marke Gillette (Rasierschaumdosen) und Unilever mit den Rexona-Spraydeodorants.

Doch der Hersteller von Verpackungslösungen befindet sich seit einigen Monaten arg in Schieflage. Airopack musste Mitte Januar erhebliche Buchhaltungsmängel bekanntgeben – so war der Umsatz zu hoch ausgewiesen worden, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in einer Untersuchung festgestellt hatte. In der Folge erhielt die Firma von seinen Kreditgebern keine Refinanzierung für die gesamte Gruppe. Darauf hat sich der Verwaltungsrat Anfang Februar entschieden, eine provisorische Nachlassstundung zu eröffnen.

Das frühere Management sieht sich zudem mit möglichen rechtlichen Schritten konfrontiert, wie Airopack im Februar weiter mitteilte.

Aktienkurs sinkt ins Bodenlose

Heftig unter Druck geriet ob der Turbulenzen auch die Aktie: Seit Ende November 2018 verloren die Airopack-Titel 99 Prozent; im Zuge der Mitteilung vom Freitagmorgen brach die Aktie um gut 76 Prozent ein, bei Börsenschluss war ein Anteilschein nicht einmal mehr 6 Rappen wert (0,0554 Franken).


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