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Eishockey

Warum Langnaus höchst riskantes Pokerspiel aufgegangen ist

Kein Team der höchsten Eishockeyliga lässt so viele Schüsse aufs Tor zu wie Langnau. Zwei gleichwertige Goalies lösen das Problem.
Langnaus Torhüter Stéphane Charlin hat bisher über 91 Prozent der Schüsse auf sein Tor pariert.
Bild: Bild: freshfocus

Langnaus Sportchef Pascal Müller hat in der Goalie-Frage hoch, sehr hoch gepokert – und gewonnen. Die SCL Tigers, in den Saisonprognosen meistens auf dem zweitletzten Platz, haben bei «Halbzeit» gute Playoff-Chancen. Der wichtigste Erfolgsfaktor: Zwei gute Torhüter, die frisch bleiben, weil sie die immense Arbeit teilen können.

Eigentlich ist es unmöglich, zwei gleichwertige Torhüter in der gleichen Kabine glücklich zu machen. Sie sind Einzelgänger im Mannschaftssport. Nur einer kann spielen. Der Konkurrenzdruck ist ungleich grösser als bei Feldspielern. 52 Qualifikationsrunden sind eine tückische Zahl. In der NHL ist es klar: 82 Partien kreuz und quer auf einem Kontinent, der grösser ist als Europa: Da gibt es genug Einsatzmöglichkeiten für zwei Torhüter.

Aber 52 Runden sind zumindest bei den Grossen mit einer klaren Nummer 1 und einer Nummer 2 zu schaffen, die hin und wieder bei vermeintlich leichten Partien eingesetzt werden kann. Die Kleinen aber sollten zwei gute Goalies haben, finden die aber in der Regel nicht oder können sie nicht finanzieren und darben auch deshalb oft im Tabellen-Keller.

Die grosse Ausnahme: Langnau mit Luca Boltshauser und Stéphane Charlin. Beide haben bisher genau gleich viele Partien als Nummer 1 begonnen (je 14), keiner von beiden musste über 1000 Minuten spielen, beide haben mehr als 91 Prozent der Schüsse pariert. Am vergangenen Freitag gewann Langnau mit Luca Boltshauser (Fangquote 100 Prozent) in Genf 2:0, am Samstag mit Stéphane Charlin (Fangquote 97,30 Prozent) gegen Biel 2:1.

Luca Boltshauser freut sich über den Sieg gegen die Genfer.
Bild: Bild: freshfocus

Riskanter Poker von Langnaus Sportchef

Trainer Thierry Paterlini hat den unbezahlbaren Vorteil, dass er die Goalies wechseln kann, weil sie gut sind. Nicht weil sie versagt haben. Zwei frische, selbstsichere Goalies – das ist für das Team, das mehr Schüsse aufs eigene Tor kassiert als jedes andere in der Liga (36,43 pro Spiel), ein Schlüsselfaktor.

Langnaus Sportchef hat riskant gepokert. Im Herbst 2022 beginnt Langnau die Saison mit zwei neuen Goalies: Mit Luca Boltshauser und Stéphane Charlin. Die Meinungen sind gemacht: die Emmentaler gehen ein unverantwortliches Risiko ein. Sie vertrauen auf zwei Torhüter, die sich in der höchsten Liga noch nie als Nummer 1 bewährt haben. Das schwächste Goalie-Duo der Liga. Punkt.

Aber Pascal Müller ist dieses Risiko nicht leichtfertig eingegangen. Er hat sich auf den Rat von zwei erfahrenen Beobachtern verlassen. Alfred Bohren, seit mehr als 20 Jahren auf verschiedensten Nachwuchsstufen beim Verband tätig, kennt alle Talente im Land und Martin Gerber, in Amerika Millionär und Stanley Cup-Sieger geworden, versteht etwas vom Torhüterhandwerk. Beide haben zu dieser Lösung geraten.

Weil Servette Stéphane Charlin nichts mehr zutraute, sind die Langnauer zu einem «Schnäppchenpreis» zu einem Goalie gekommen, der bereits jetzt an einem guten Abend der Beste der Liga ist. Seine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Thierry Paterlini sagt: «Die guten Spiele geben ihm Sicherheit und Selbstvertrauen. Er wird noch ruhiger und noch besser.» Es funktioniert auch deshalb, weil die beiden Goalies in verschiedenen «Lebensphasen» stecken. Luca Boltshauser, 30, ist im Herbst seiner Karriere am Ort seiner Bestimmung angekommen. Nun ist er so ruhig und gelassen wie nie und spielt sein bestes Hockey.

Stéphane Charlin, 23, bekommt endlich eine Chance und kann, ohne den ultimativen Druck, die Nummer 1 sein zu müssen, an seiner sportlichen Weiterentwicklung arbeiten.

Der Sportchef hat dafür gesorgt, dass Langnau eigentlich auch nächste Saison keine Torhütersorgen plagen sollten: Luca Boltshauser hat vorzeitig bis 2026, Stéphane Charlin bis 2025 verlängert.

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