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Ski Alpin

Corinne Suter reisst sich das Kreuzband

In der Abfahrt von Cortina stürzen viele Fahrerinnen – für die Schwyzerin Corinne Suter ist die Saison gar vorzeitig vorbei.
Suter muss nach einem Sprung abschwingen.
Bild: Screenshot SRF
Corinne Suter wird zum Helikopter getragen.
Bild: Facebook
Corinne Suter bedankt sich vom Spital aus für die Genesungswünsche.
Bild: Instagram
Viele Athletinnen stürzen in Cortina: Die Italienerin Federica Brignone liegt im Fangnetz.
Bild: Giovanni Zenoni / AP

Als Corinne Suter nach rund 20 Sekunden Fahrzeit nach einem Sprung abschwingen musste und das Rennen aufgab, spürte man, dass etwas nicht stimmte. Was folgte, war ein starker, vor Schmerz triefender Schrei der Schwyzerin, der zu Hause vor den TV-Bildschirmen wohl niemanden kaltliess und durch Mark und Bein ging. Corinne Suter hat sich bei der Landung folgenschwer am Knie verletzt.

Am Freitagabend folgte dann die offizielle Mitteilung von Swiss Ski. Darin hiess es: «Die Untersuchungen in der Klinik Hirslanden in Zürich haben einen Riss des vorderen Kreuzbandes, sowie eine Verletzung des inneren Meniskus im linken Knie ergeben.» Das bedeutet das vorzeitige Saisonende für die 29-jährige Schwyzerin. Gemäss dem Teamarzt Walter O. Frey wird Suter am Samstagvormittag in der Hirslandenklinik operiert. Der Arzt ergänzt: «Bei planmässigem Heilungsverlauf wird sie nächsten Winter wieder ganz normal ins Renngeschehen einsteigen können.»

Noch vor der offiziellen Diagnose ahnte der Alpin-Direktor Hans Flatscher (51) Schlimmes und sagte gegenüber dem «Blick»: «Wenn Corinne das Bein nicht belasten kann, dann ist wohl etwas Schlimmes passiert. Sie ist keine, die aufgibt.»

Viele Stürze und Unterbrüche

Nachdem Corinne Suter das Rennen abgebrochen hatte, wurde sie mit einem Quad von der Strecke abtransportiert. Danach flog man die 29-Jährige per Helikopter gleich nach Zürich für genauere Untersuchungen. Für Suter ist es ein schmerzhaftes Déjà-vu auf dieser Strecke. In der vergangenen Saison stürzte sie auf der Trofano heftig und erlitt eine Hirnerschütterung. 2021 wurde sie an selber Stelle noch Abfahrtsweltmeisterin.

Das Rennen in Cortina wurde überschattet von vielen Stürzen und Unterbrüchen. Nach einer Stunde Rennzeit waren erst rund ein halbes Dutzend Athletinnen heil im Ziel angekommen. 

Erwischt hat es neben Corinne Suter auch Favoritinnen wie Mikaela Shiffrin und Federica Brignone. Shiffrin musste wie Corinne Suter mit dem Helikopter abtransportiert werden. Die Schweizerinnen traf es am Freitag aber besonders hart. Auch Priska Nufer und Michelle Gisin stürzten. Die Engelbergerin landete in den Fangnetzen, während ihre Eltern die Fahrt im Zielraum verfolgten. Sowohl bei Nufer als auch bei Gisin gab es früh Entwarnung. Stephanie Jenal konnte einen Sturz gerade noch abwenden, schaffte es aber dennoch nicht ins Ziel.

Das turbulente Rennen in den Dolomiten passt in eine seltsame Skisaison. Es gibt auffallend viele gravierende Ausfälle. Reihenweise sind in den letzten Wochen grosse Namen ausgeschieden: Petra Vlhova, Wendy Holdener, Aleksander Aamodt Kilde, Alexis Pinturault und Marco Schwarz – alle verletzt.

Nach dem chaotischen Beginn dieser Abfahrt warfen sich einige Athletinnen verständlicherweise nicht mehr mit letzter Konsequenz die Piste hinunter. Eine Ausnahme im Schweizer Team gab es: Lara Gut-Behrami kam mit den Unterbrüchen sehr gut zurecht. Lange durfte sie sich ernsthafte Hoffnungen auf ihren ersten Abfahrtssieg seit zwei Jahren machen. Doch das Rennen nahm nochmals eine Wendung.

Drei Athletinnen auf Rang 3

Die Österreicherin Stephanie Venier fuhr an Gut-Behrami vorbei und verdrängte die Tessinerin auf Platz 2, mit 39 Hundertsteln Vorsprung. Der dritte Platz sorgte am Ende für ein Bild mit Seltenheitswert. Gleich drei Athletinnen klassierten sich zeitgleich auf Rang 3: die Österreicherin Christina Ager, die Italienerin Sofia Goggia und die Kanadierin Valérie Grenier, die erst nach den besten 30 Athletinnen ins Rennen stieg.

Für Gut-Behrami ist es bereits der sechste Weltcup-Podestplatz in Cortina d’Ampezzo, hinzu kommen der WM-Titel im Riesenslalom und Bronze in der Abfahrt. 

Die Ursache für die vielen Stürze suchte Gut-Behrami nicht auf der Piste. «Das Rennen war eigentlich alles andere als verrückt, die Piste war nicht wahnsinnig schnell und nicht wahnsinnig hart.» Viele Athletinnen würden ganz einfach die Erholung vergessen. «Wenn man zwei Tage freihat, geht man noch trainieren. Alles wird gepusht und optimiert. Doch wenn man so viele Baustellen öffnet, ist man am Start verunsichert.»

Mit Jasmina Suter war in Cortina noch eine weitere Schwyzerin am Start. Auch sie riskierte wie viele andere Fahrerinnen nicht alles und wurde am Ende mit etwas mehr als 3 Sekunden Rückstand 36.

In den kommenden Tagen dürften die erholsamen Momente rar bleiben. Heute Samstag folgt in Cortina die nächste Abfahrt, am Sonntag der Super-G.

Strahlende Siegerin: Die Österreicherin Stephanie Venier.
Bild: Alessandro Trovati / AP
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