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Viertelfinal

Neymar lässt sein Zukunft offen

Es hätte seine Krönung im brasilianischen Nationaltrikot werden sollen. Jetzt könnte Neymar für immer der Unvollendete bleiben.
Bild: KEYSTONE/AP/Darko Bandic

Neymars Blick drückte nichts aus: keine Freude, keine Hoffnung, kein Verständnis, da war einfach nur Leere. Es war kurz vor Mitternacht, als der Superstar der Brasilianer durch das gedämpfte Licht der Stadiongänge schlich. Seine Augen wanderten umher, so als würde er jemanden suchen. Aber da war nichts: nur etliche von Journalisten, die seinen Namen riefen. Woran hat es gelegen? Warum ist die Seleção schon wieder im Viertelfinal einer Weltmeisterschaft ausgeschieden? Und überhaupt: Was wird jetzt aus ihm, Neymar, dem talentiertesten Spieler einer ungekrönten Generation?

Der 30-Jährige blieb bei fast jedem für eine kurze Weile stehen. Seine Stimme war genauso monoton wie sein Blick. "Diese Niederlage wird für lange Zeit wehtun", sagte er nach dem 2:4 im Penaltyschiessen gegen Kroatien. Ob er dennoch die WM 2026 in Angriff nehmen oder überhaupt nochmals für die Seleção auflaufen wolle, liess der Stürmer offen: "Es ist sehr früh, um darüber zu sprechen. Ich schliesse die Tür zur Seleção nicht. Aber ich garantiere auch nicht zu 100 Prozent, dass ich zurückkehren werde." Er werde jetzt erst mal ein wenig über alles nachdenken müssen.

Das Tor ohne Wert

Es gibt Menschen, die nah an ihm dran sind und vor dem Turnier in Katar erzählt hatten: Der nicht gerade für seine Professionalität bekannte Neymar habe sich noch nie so professionell vorbereitet wie auf diese WM. Diese Weltmeisterschaft sollte seine werden. Die Krönung im Nationaltrikot. Nur dieser goldene Pokal fehlte ihm dafür noch. Jetzt könnte er für immer die unvollendete Nummer zehn bleiben.

"Leider haben wir unser Ziel nicht erreicht, unseren Traum", sagte er schwer enttäuscht. "Es ist ein Detail, das darüber entscheidet, ob du weiterkommst oder nicht." Dieses eine Detail, er schien es eigentlich auf seiner Seite zu haben. Nach zuvor schwachen 105 Minuten zeigte Neymar kurz vor der Pause in der Verlängerung, warum Tite ihn trotzdem auf dem Feld gelassen hatte. Er rannte mit dem Ball zentral auf die kroatische Deckung zu, spielte zwei Doppelpässe, umkurvte Goalie Dominik Livakovic und schoss das 1:0.

Pelés Glückwunsch und der verpasste Penalty

Es war sein 77. Tor für die Seleção, wodurch er mit Pelé gleichzog. "Endlich kann ich dich dazu beglückwünschen, mit meiner Anzahl an Toren für die Seleção gleichgezogen zu sein", schrieb der an Krebs erkrankte Pelé via Instagram. Es war dieser eine, sein genialer Moment. Es hätte alles so schön sein können. Doch kurz darauf gelang Bruno Petkovic noch der Ausgleich. Im Penaltyschiessen versagten Brasilien die Nerven.

Es passt zu Neymars persönlicher Tragik, dass er selbst nicht mal antreten konnte. Tite hatte ihn als fünften und entscheidenden Schützen vorgesehen. Dazu kam es aber nicht mehr, weil Rodrygo und Marquinhos scheiterten und die Kroaten alle ihre Versuche verwerteten. Anstatt Brasilien in den Halbfinal zu schiessen, sackte Neymar auf dem Rasen des Education City Stadiums zusammen. Erst kauerte er allein gelassen in der Nähe des Mittelpunktes. Später flossen auch bei ihm die Tränen. "Das ist ein sehr trauriger Moment", sagte er noch Stunden danach. Trainer Tite und Captain Thiago Silva hatten da schon ihre Abschiede aus dem Nationalteam bestätigt. (sda/dpa)

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