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Leichtathletik

Mujinga Kambundji vollendet die Traumsaison

Das Jahr 2022 beginnt für Mujinga Kambundji mit Gold, bringt Rekorde und endet mit Gold. Die Schweizer Sprint-Queen setzt in München einer herausragenden Saison die Krone auf.
Mujinga Kambundji und die Saison 2022: Allen Grund zum Jubeln.
Bild: KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA

Mujinga Kambundji wird doch noch Europameisterin. Die Erleichterung war der Bernerin anzusehen, sie war spürbar, es muss ihr ein riesiger Stein vom Herzen gefallen sein. "Ein Titel ist etwas anderes als eine Medaille", sagte sie. "Dieser Titel bleibt für immer."

Von einer Vollendung ihrer Karriere durch das Gold über 200 m mochte die 30-Jährige allerdings nicht sprechen. "Es kommen immer neue Ziele. Ich will alles mitnehmen was ich kann." Als Athletin wolle man immer mehr. "Das spornt einen an. Ich habe ja vor ein paar Jahren auch nicht gedacht, dass ich Hallen-Weltmeisterin oder Europameisterin werden könnte."

Auch vom wichtigsten Sieg oder der wichtigsten Medaille ihrer Karriere wollte die Bernerin nicht explizit sprechen. "Es ist schwer, Hallen-Weltmeisterschaften, Weltmeisterschaften und Europameisterschaften zu vergleichen. Jede Medaille hat ihr eigene Geschichte."

Mit Silber Frieden geschlossen

Ein Satz verriet allerdings, wie stark sie die Niederlage über 100 m vom Dienstag beschäftigt hatte. "An der Medaillenfeier habe ich mit der Silbermedaille Frieden geschlossen", sagte Mujinga Kambundji. Das Scheitern gegen die Aussenseiterin Gina Lückenkemper um fünf Tausendstel war wohl mehr als eine verpasste Chance gewesen. Eine Niederlage, die einen wurmt.

Es spricht für Mujinga Kambundji als Sportlerin, dass sie den Fokus für die nächste Aufgabe schnell wieder fand. Denn der Sieg gegen die Britin Dina Asher-Smith war alles andere als aufgelegt. Am nasskalten Abend auf einer nicht all zu schnellen Bahn ohne grosse Windunterstützung die 200 m in 22,32 Sekunden zu laufen, das ist schon Klasse.

Dass sie für die Traumsaison 2022 mit Hallen-WM-Gold, den Schweizer Rekorden über 100 m (10,89) und 200 m (22,05) sowie dem EM-Titel 30 Jahre alt werden musste, stört WM-Dritte von Doha 2019 nicht. "Das beste Beispiel ist doch Shelly-Ann Fraser-Pryce", meint sie mit einem Augenzwinkern. Die 100-m-Weltmeisterin aus Jamaika wird dieses Jahr noch ihren 36. Geburtstag feiern.

Berlin 2018 ist vergessen

Frieden geschlossen hat Mujinga Kambundji nicht nur mit der Silbermedaille über 100 m, sondern auch mit den Europameisterschaften generell - obwohl sie 2016 in Amsterdam in einem ausgedünnten Feld über 100 m zu Bronze lief. In Berlin 2018 war sie vor vier Jahren dreimal Vierte geworden. Da galt es bittere Momente zu verarbeiten. Die Revanche mit drei Medaillen in München kann aber nicht mehr gelingen, denn ihre Kolleginnen vermasselten den Finaleinzug über 4x100 m vom Sonntagabend.

Somit endet die Saison noch mit ein paar Schweizer Meetings, aber nach drei Grossanlässen lässt sich bereits Bilanz ziehen. Ihr bislang bestes Jahr. Das Gold im März an der Hallen-WM in Belgrad war ein veritabler Coup, seit diesen Sommer ist auch der prestigeträchtigste Schweizer Rekord über 100 m (10,89) wieder in ihrem Besitz, Platz 5 an der WM in Eugene über 100 m ist nicht hoch genug einzuschätzen - alle waren da. Im Prinzip fehlte nur der EM-Titel. Dass dieser erst im zweiten Anlauf über 200 m kam, stört niemanden mehr. (sda)

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