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Fussball

Messi und Shaqiri haben, was Urs Fischer unbedingt vermeiden will – verfrühte Ferien

Xherdan Shaqiri und Lionel Messi verpassen in den USA die Playoffs. Unions Trainer Urs Fischer wird mit Rücktritt konfrontiert. Und der FC Zürich kann nicht Meister werden. Drei Geschichten aus dem Fussball-Wochenende mit einer Prise Galgenhumor.
Lionel Messi: Bruchlandung in Florida mit Inter Miami.
Bild: Bild: Erik Verduzco/AP

Lionel Messi, Lorenzo Insigne und Xherdan Shaqiri wurden verpflichtet, um als Galionsfiguren den Fussball in den USA anzukurbeln. Jetzt, wo es in den Playoffs um etwas geht, können die drei Top-Verdiener in Urlaub. Immerhin hat Messi als Tourismusbotschafter ein freies Zimmer in Saudi-Arabien auf sicher.

Keine Playoffs für Shaqiri und Messi

Einmal mehr endet die Saison für Xherdan Shaqiri früher als gewünscht. Wie schon in der vorangegangenen Saison verpasst der 32-Jährige mit Chicago Fire die Playoffs. Zwar schneidet das Team des 117-fachen Internationalen leicht besser ab als in der letzten Spielzeit. Aber halt nur um einen Punkt. Um noch eine Playoff-Chance zu haben, hätte Shaqiris Equipe in der letzten Partie der Regular Season einen hohen Sieg benötigt. Doch Chicago verlor bei New York City mit 0:1. Damit wartet der Klub, bei dem der frühere Basler Meistermacher Georg Heitz als Sportdirektor tätig ist, seit 2017 auf eine Playoff-Teilnahme.

Galgenhumor? Xherdan Shaqiri verpasst mit Chicago erneut die Playoffs.
Bild: Bild: Imago

Noch ernüchternder als für Shaqiri verlief die Saison für Lionel Messi. Der 36-jährige Weltmeister aus Argentinien ist das Aushängeschild schlechthin der Major League Soccer, seit er im Juli von Paris Saint-Germain zu Inter Miami gewechselt ist. Zwar führte Messi, mit 20,5 Millionen Dollar der Liga-Topverdiener vor Lorenzo Insigne (15,4) und Shaqiri (8,2), das Team aus Florida in den Cupfinal, aber in der Regular Season gelang es ihm nicht, Akzente zu setzen. Nur sechs von 13 Partien konnte der Zauberfloh wegen Muskelverletzungen absolvieren. Dabei war die Ausbeute mit einem Treffer äusserst bescheiden. Shaqiri kommt in 28 Liga-Einsätzen auf fünf Tore und vier Assists, was aufgrund seiner Reputation auch nicht berauschend ist.

Während Chicago auf 40 Punkte kam, erreichte Miami lediglich 34. Und das mit einer Star-Equipe. Denn neben Messi hat Co-Eigentümer David Beckham auch die Barcelona-Legenden Sergio Busquets und Jordi Alba unter Vertrag genommen.

Obwohl die Saison für Shaqiri nun zu Ende ist, kann er nicht lange aussetzten. Denn mit der Schweizer Nati stehen im November die entscheidenden EM-Quali-Spiele an. Sehr wahrscheinlich wird sich die Schweizer Antwort auf Lionel Messi beim Partnerklub Lugano in Form halten.

8. Pleite in Folge: Warum sie noch an Urs Fischer glauben

Und sie singen trotzdem: «Always look on the bright side of life.» Vielleicht mit einer klitzekleinen Prise Galgenhumor. Wahrscheinlicher aber, weil sie trotz Champions-League-Millionen nicht vergessen haben, woher sie kommen, die eisernen Anhänger von Union Berlin.

«Warum sollte ich hinwerfen?», fragt Unions Trainer Urs Fischer nach der achten Niederlage in Folge.
Bild: Bild: Imago

Dabei ist es als Union-Fan derzeit nicht einfach, auf die hellen Seiten des Lebens zu schauen, wie im Lied der Monty Python besungen. Ein Lichtblick ist das 0:3 gegen die Bundesliga-Sensation aus Stuttgart keinesfalls. Stattdessen ist die achte Niederlage in Folge der nächste Schritt in den dunklen Keller.

Acht Pleiten in Serie sind normalerweise ein Grund, einen Trainer zweimal zu entlassen. Aber bei Union Berlin gehört es zum Programm, gegen den Strom zu schwimmen. Auch deshalb steht Urs Fischer am Dienstag gegen Italiens Meister Napoli an der Linie.

Vor allem haben sie in Berlin nicht vergessen, welch beeindruckender Parkour der 57-jährige Zürcher in Berlin Köpenick hingelegt hat. Vor fünf Jahren bei einem mässig ambitionierten Zweitligisten angeheuert, orchestrierte Fischer Union bis in die Champions League: ein veritables Fussballmärchen.

Aber kein Märchen ohne dunkle Mächte. «Ich glaube nicht, dass ein Trainer unbegrenzt verlieren darf», sagt Fischer und fragt: «Warum sollte ich hinwerfen? Ich glaube schon, dass die Worte des Trainers bei der Mannschaft noch ankommen.» Am Glauben kann es also nicht liegen, dass Fischer mit Union die Kurve kriegt.

Darum kann der FC Zürich nicht Meister werden

Dass YB gegen den FC Zürich im Herbst zum Gipfeltreffen erklärt würde, hätte im Sommer kaum jemand für möglich gehalten. Natürlich nicht wegen den Bernern, deren Bestimmung als Ligakrösus die Tabellenspitze ist. Nein, die Überraschung finden wir in Zürich. Beim FCZ, der nach einer komplizierten letzten Saison auf dem Transfermarkt erstaunlich zurückhaltend agierte, weshalb man ihn eher in der unteren Tabellenhälfte erwartete.

Kompromisslose Verteidigungsarbeit: Zürichs Verteidiger Fabio Daprela (links) gegen YB-Offensivspieler Joel Monteiro.
Bild: Bild: Anthony Anex/Keystone

Aber der FCZ agiert wieder sehr ähnlich wie in dieser famosen Saison 2021/22, als man ziemlich überraschend Meister geworden ist. Wie damals sieht es selten chic aus, was die Zürcher auf dem Platz zeigen. Hier ein Befreiungsschlag auf die Tribüne, dort eine krachende Grätsche, und immer wieder der unprätentiöse weite Ball aus der Abwehr in die Spitze. Das Spiel des FCZ ist eine Mischung aus dem englischen Kick-and-Rush und der italienischen Begeisterung für die Defensivarbeit. Eigentlich zwei antiquierte Elemente des Fussballs, die aber schon in der Meistersaison beim FCZ en vogue waren.

Der FCZ hat wieder die Wucht und Zielstrebigkeit der Meistersaison. Also ist die Frage berechtigt: Kann Trainer Bo Henriksen wiederholen, was vor ihm André Breitenreiter geschafft hat? Unsere kühne Antwort lautet: Nein, der FCZ kann nicht Meister werden. Das liegt weniger am Trainer als an den zur Verfügung stehenden Spielern. Sicher, die Spielerprofile sind ähnlich wie vor zwei Jahren. Aber im grossen Unterschied, dass der FCZ damals mit Assan Ceesay (20 Tore) einen Stürmer hatte, der regelmässig traf. Sein Nach-Nachfolger Daniel Afriyie hingegen hat in dieser Saison erst zwei Treffer erzielt.

In der Meisterfrage muss man sich auch mit der Konkurrenz befassen. Gewiss hat YB auch gegen den FCZ nicht brilliert, war in der ersten Halbzeit gar leicht unterlegen. Aber berücksichtigt man, dass die Berner am Mittwoch zu Hause gegen Manchester City das Spiel ihres Lebens bestreiten, ist die Leistung beim 0:0 gegen den FCZ als reif einzustufen. Und solange die Young Boys diese Reife an den Tag legen, kann ihnen auch ein bissiger FCZ nicht wirklich weh tun.

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