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England

Maguire hat Spott und Kritik getrotzt

Die kritischsten Blicke aus England sind auf den Grössten gerichtet. Der Abwehrrecke Harry Maguire muss nach schwierigen Monaten und vor dem Duell mit Frankreich viele böse Kommentare schlucken.
Bild: KEYSTONE/AP/Abbie Parr

Harry Maguire hat an der Weltmeisterschaft bald mehr Spiele bestritten als in dieser Saison zuvor für Manchester United. Sein Klubtrainer Erik ten Hag setzte seinen Captain kaum mehr ein, lieber schenkte er das Vertrauen den Innenverteidigern Lisandro Martinez und Raphaël Varane. Oder während des Ausfalls von Varane auch dem Schweden Victor Lindelöf. Wenige Tage vor der WM wurde bekannt, dass der Niederländer Ten Hag den 29-jährige Maguire gern loswerden würde.

Englands Nationalcoach Gareth Southgate hält eisern an Maguire fest. Dieser verdiente sich die Treue mit seinen Leistungen an den letzten beiden grossen Turnieren. "Er hat einen riesigen Teil ausgemacht, dass wir zwei grosse Leistungen hingelegt haben. Wir wollen, dass er das zum dritten Mal tut", sagt Southgate. Sowohl bei der Weltmeisterschaft 2018 als auch bei der Europameisterschaft im letzten Jahr war Maguire ein sicherer Rückhalt. Die ersten Einsätze in Katar verliefen problemlos.

Die englische Zeitung "The Mirror" vergleicht Maguire mit Superman: Sobald Clark Kent seinen Umhang anzieht wird er zum Helden, sobald Maguire das England-Trikot überstreift, wird er zu "einem anderen Spieler". "Ich bin einfach super stolz, wenn ich die Hymne singe. Man ist fokussiert, nervös und aufgeregt", erklärt Maguire und blickt auf den Viertelfinal voraus: "Es wird ein grosses Spiel. Für solche Partien spielen wir. Es gibt viel Druck, aber das ist der Druck, den man will."

Spott von überall her

Den anderen Druck, jener der schwer fassbar ist, und gegen den es kaum ein Ventil gibt, hält Maguire seit Monaten aus. Die sportlich schwierige Zeit hat Maguire nicht nur den Stammplatz in Manchester gekostet, sondern ihn auch zur Zielscheibe der Experten und sozialen Medien gemacht. Der ehemalige niederländische Internationale Rafael van der Vaart meinte: "Spieler wie Maguire findet man in jedem holländischen Amateurklub." Fussballfans schneiden die schlimmsten Fehler des 1,94 m grossen Verteidigers zu Videoclips zusammen. In Ghana fiel sein Name in einer Parlaments-Debatte, in der es um den Budgetplan ging: Ein Abgeordneter beschimpft einen Regierungsvertreter als "Wirtschafts-Maguire". Er helfe mit seinen Fehlern den Gegnern.

Das letzte Halbjahr war mühsam für den Verteidiger, der sich von Sheffield aus kontinuierlich fussballerisch hochgearbeitet hat: zum Debüt in der Premier League bei Hull City und dann via Leicester zu Manchester United. Die 87 Millionen Euro, die Leicester 2019 bekam, sind immer noch die höchste je bezahlte Ablösesumme für einen Verteidiger. Das famose Preisschild und den herrlich ungläubigen Gesichtsausdruck, den er beherrscht, macht es noch etwas einfacher, sich über die Fehler des 52-fachen Internationalen lustig zu machen. Über Bälle, die er sich zu weit vorlegt, Fehlpässe oder Eigentore.

Was Maguire auch ausmacht

Southgate und seine Teamkollegen in Katar haben einige Worte investiert, um Maguire ihren Rückhalt zu versichern. Sein Partner in der Innenverteidigung, John Stones, meinte: "Er hat die beste Antwort auf dem Platz gegeben. Man muss ihm grossen Respekt zollen." Kalvin Phillips ergänzte: "Die Kritik ist sehr ungerecht. Er ist einer der besten Verteidiger. Wenn man sieht, wie gut er an den grossen Turnieren spielt..." Er sei immer der erste der mit dem Kopf an den Ball komme.

In Frankreichs Sportzeitung L'Equipe war denn zuletzt auch nicht von den Fehlern Maguires die Rede, sondern von dessen Kopfballstärke. Die Standardsituationen seien wegen der Durchsetzungskraft des 90-Kilo-Verteidigers eine der grössten Gefahren gegen England. In seinen bisherigen zwei Turnieren hat Maguire je einmal getroffen: jeweils in der K.o.-Runde und nach Standardsituationen mit dem Kopf. Sieg England durch Tor des geschmähten Maguire? Es sind die Geschichten, die der Fussball immer wieder mal gerne schreibt. (sda)

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