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U20-Kolumne

Mädchen oder Junge? Egal!

In unserer U20-Kolumne schreibt Kantischülerin Olivia Wermelingen über das Anderssein und das Schwimmen gegen den Strom.

Ein Kind, es ist vielleicht zehn Jahre alt, vertreibt sich seine Zeit damit, die Wellen am Strand zu surfen. Es trägt ein schwarzes Badeshirt mit einem Totenkopf darauf und lange Badehosen. Als ein anderes Kind sich ihm nähert und fragt: «Are you a girl or a boy?», also, bist du ein Mädchen oder ein Junge, verdreht es genervt die Augen.

Dieses Kind bin ich und ich trug am liebsten Jungenkleidung. Diese Art von Inakzeptanz brachte mich schon damals auf die Palme. Warum spielt es eine Rolle, ob man ein Junge oder ein Mädchen ist? Spielt ein Mädchen anders als ein Junge? Muss man mit Mädchen anders umgehen?

Ein Mädchen, das Jungenkleider trägt, ist automatisch eine Aussenseiterin, ein Junge, der Mädchenkleider trägt, oder auch nur Mädchenfarben, ist schwul. Aber wer definiert denn, was eine Jungen- oder Mädchenfarbe ist? Wer sagt, welche Kleidung typisch weiblich und welche typisch männlich ist?

Die Gesellschaft! Und genau die ist das Problem. Alle andersartigen Menschen werden sofort ausgeschlossen. Die Menschen können nicht akzeptieren, dass nicht alle gleich sind. Was ist denn an einer Welt toll, in der nur Klone existieren, in welcher niemand sich selber sein kann und in der sich niemand verwirklichen kann? Das wäre, als ob man dem Regenbogen alle Farben entzöge, ein trauriger und trostloser Ort.

Aber dies muss nicht so sein, mit ein bisschen mehr Akzeptanz wäre schon ein grosser Schritt getan. Ich sehe die Vielfalt der Menschen immer als Kunst an. Ein Gemälde, in dem jedes Individuum einen Teil ausmacht, jedes ein Pinselstrich, ein Element des Ganzen ist. Aber nur alle zusammen ergeben das vollständige Kunstwerk.

Darum rate ich Ihnen: Schwimmen Sie, wann immer Sie wollen, gegen den Strom. Es ist nicht einfach. Aber mit ein bisschen Mut klappt es ganz bestimmt.

In der U20-Kolumne äussern sich jeweils alle zwei Wochen Lernende von Kantonsschulen zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

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