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Fussball-WM

Kritik, Abschied und ein Superheld

Der verrückte Viertelfinal zwischen Argentinien und der Niederlande gab viel zu reden. Ein Rückblick auf das 2:2 und den Penaltysieg der Südamerikaner mit vier Hauptakteuren.
Bild: KEYSTONE/AP/Jorge Saenz

Antonio Mateu Lahoz

Antonio Mateu Lahoz ist ein erfahrener Schiedsrichter, der schon vieles gesehen hat in der Champions League, in der spanischen Meisterschaft und auch bei Länderspielen. 2021 pfiff er den Final der Champions League zwischen Chelsea und Manchester City. Aber am Freitagabend entglitt ihm die Partie in Lusail komplett. Er leistete sich zwar keinen spielentscheidenden Fehler, trug aber massgeblich zur Hektik bei.

Die 15 Gelben Karten, die Lahoz verteilte, sind WM-Rekord. Er hätte aber auch mindestens zwei Rote Karten zeigen sollen. In der 89. Minute hatte Leandro Paredes den Ball mit voller Wucht Richtung niederländische Ersatzbank geschossen, bevor ihn Virgil van Dijk nach einem langen Sprint umwarf. Beide hätten vom Platz gemusst. "Ich möchte nicht über Schiedsrichter sprechen, weil du bestraft werden kannst. Du kannst nicht sagen, was du denkst", sagte Lionel Messi. Dieser Referee aber sei dem Spiel nicht gewachsen gewesen.

Louis Van Gaal

Nach dem Match bestätigte der 71-jährige Louis van Gaal, dass er die niederländische Nationalmannschaft nicht weiter betreuen würde. Er beendet damit seinen dritte Amtszeit als Bondscoach offiziell ohne Niederlage. Das Out im Penaltyschiessen wird nicht als solche gewertet. "Was ich hinterlasse, ist eine exzellente Gruppe. In fussballerischer wie menschlicher Hinsicht", bemerkte er. "Ich war der Trainer für 20 Matches - und wir haben kein Spiel in dieser Zeit verloren. Ich bin unglaublich stolz. Ich hatte eine wunderbare Zeit. Und es ist unglaublich schmerzhaft, auf diese Weise auszuscheiden"

Für Van Gaal war es nach dem Halbfinal 2014 das zweite Mal, dass er gegen Argentinien ein Penaltyschiessen verlor: "Ein kluger Trainer lernt daraus. Also haben wir versucht, seitdem wir hier sind, uns auf ein Penaltyschiessen vorzubereiten", sagte van Gaal. "Aber das kann uns nur einen kleinen Vorteil bringen. Wir können im Training niemals eine solche Situation kopieren. Wir lagen zurück, wir kamen zurück: Ich denke, wir haben einen wunderbaren Job gemacht." Ab dem 1. Januar übernimmt Ronald Koeman das Traineramt beim dreimaligen WM-Finalisten, wie schon seit einigen Monaten bekannt ist.

Emiliano Martinez

Argentiniens Coach Lionel Scaloni musste seine Penaltyschützen nicht mühsam zusammen suchen. "Wir hatten zu viele Freiwillige", erzählte der 44-Jährige. "Wir mussten eigentlich nur die Reihenfolge der Schützen festlegen." Und auf Emiliano Martinez hoffen, den 30-jährigen Goalie von Aston Villa. "Er hat es schon gegen Kolumbien bei der Copa America im vergangenen Jahr gemacht", so Scaloni. Damals hatte er im Halbfinal sogar drei Penaltys gestoppt, diesmal waren es die ersten zwei der Niederländer.

"Das waren pure Emotionen. Wir haben das für 45 Millionen Argentinier gemacht, für das ganze Land", sagte Martinez. "Unserem Land geht es wirtschaftlich so schlecht. Ein kleines bisschen Freude, das ist wunderschön." Wunderschön dürfte er auch den Blick in die argentinischen Zeitungen gefunden haben. "Der Tag, an dem er zum Superhelden wurde", titelte "Clarin". "Magische Hände" attestierte "La Nacion" dem Keeper.

Wout Weghorst

Hätte die Niederlande gewonnen, wäre er der grosse Held gewesen: Wout Weghorst, der 30-jährige, fast zwei Meter grosse Stürmer. Ihm war nach seiner Einwechslung in der 79. Minute so gut wie alles gelungen: Er traf mit dem Kopf zum 1:2 und verwertete im Penaltyschiessen seinen Versuch. Aber vor allem sorgte er für den späten Ausgleich in der 101. Minute und damit für die Verlängerung.

Weghorst packte vor dem 2:2 einen alten Freistosstrick von seiner Zeit bei Wolfsburg aus. Die Niederländer stellten eine Mauer neben jener der Argentinier auf, spielten den Ball flach und fein zum dort stehenden Weghorst, der aus nächster Nähe abschliessen konnte. Genauso hatte der mittlerweile für Besiktas Istanbul spielende Weghorst in der deutschen Bundesliga vor gut zwei Jahren bei einem 2:1-Sieg der Wolfsburger gegen Bielefeld getroffen. (sda)

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