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Sport

Für Skifahrer Marco Odermatt beginnt die Saison der Bestätigung

Der Nidwaldner Marco Odermatt erlebte im letzten Winter einen steilen Aufstieg. Die gestiegenen Erwartungen nimmt er gelassen hin.
«Ich weiss selbst, welche Resultate im Bereich des Möglichen liegen», sagt Marco Odermatt.  (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone, Saas-Fee, 25. Juli 2019)
Sein erster Podestplatz im Weltcup: Marco Odermatt feiert den 3. Rang  in Kranjska Gora. (Bild: Antonio Bat/EPA (9. März 2019))

Claudio Zanini

Claudio Zanini

Spätestens beim Weltcup-Auftakt wird den Skifahrern die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit in Erinnerung gerufen. Nur falls sie es in den Sommermonaten vergessen haben sollten: Podestplätze müssen her. Möglichst zahlreich. Es ist nicht lange her, da sagte ein Reporter eines Sportsenders zu Marco Odermatt in einem Videointerview: «Es muss ja schon das Ziel sein, die Podestplätze der letzten Saison zu verdoppeln.»

Dahinter steckt keine bösartige Absicht. Eher verdeutlicht sich der Wunsch darin, dass Odermatt möglichst bald all die Siege einfährt, die ihm prophezeit wurden. «Alles, was er möchte» könne Odermatt gewinnen, sagte Marcel Hirscher im Januar dieses Jahres. Als müsste er Gesamtweltcup und Olympiasieg nur auf dem Wunschzettel ankreuzen.

Bei den letzten beiden Stationen des vergangenen Winters löste Odermatt ein Stück dieser Versprechen ein. In Kranjska Gora und Soldeu gelang ihm jeweils ein Podestplatz. Es waren die ersten Top-3-Ränge im Weltcup und der Abschluss einer starken Saison. In der Startliste des Riesenslaloms, bislang seine Hauptdisziplin, verbesserte er sich von Platz 43 auf Platz 7. Das heisst, er startet künftig in der ersten Gruppe, die Chancen auf Podestplätze sind damit grundsätzlich gestiegen.

Mit den Erwartungen gehe er «relativ gut» um, sagt Marco Odermatt. «Jeder kann sagen, was er will. Ich weiss selbst, welche Resultate im Bereich des Möglichen liegen. Und ich glaube, nochmals einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Auch skitechnisch.»

Ein perfektes Team

Es klingt vieles erfreulich aus Schweizer Perspektive, hört man den Protagonisten von Swiss-Ski zu. Helmut Krug, der Schweizer Riesenslalom-Trainer schwärmte vor wenigen Tagen im «Blick», sein Team sei resultatmässig zu einem «Hammer-Winter» fähig. Es muss ein selten kompetitives Klima in den Trainings der Riesenslalom-Spezialisten herrschen. Marco Odermatt, Loïc Meillard und Thomas Tumler haben in der letzten Saison alle Podestplätze herausgefahren, Gino Caviezel traut man dies genauso zu. Hinzugekommen sind Cédric Noger und Justin Murisier, der die letzte Saison wegen eines Kreuzbandrisses verpasste. Odermatt sagt: «Es ist eine perfekte Gruppe. Alle geben Gas, jeder will der Schnellste sein. Und dennoch geht es sehr freundschaftlich zu und her. Es könnte fast nicht besser sein.»

Die Aussichten sind verheissungsvoll. Der langjährige Dominator Hirscher beendete seine Karriere, Odermatt oder auch Meillard scheinen fähig zu sein, die frei gewordene Stelle zu besetzen. Wenn nicht heute, dann morgen. Odermatt sagt, für ihn habe sich durch den Abgang des achtfachen Gesamtweltcupsiegers nichts verändert. «Sein Karrierenende ist vor allem schade für den Skisport, denn seine Läufe haben viel Spannung reingebracht. Mich selbst tangiert das aber nicht direkt.» Nur: Man muss kein grossartiger Rechner sein, um zum Schluss zu kommen, dass durch Hirschers Abgang ein Podestplatz frei geworden ist.

Willkommene Verletzungspause

In Sölden stand Marco Odermatt letztmals im Herbst 2016 am Start. 2017 und 2018 konnten die Männerrennen nicht durchgeführt werden (siehe Box). Vor drei Jahren fuhr er auf dem Rettenbachgletscher auf Anhieb in die Punkteränge. Es war der Moment, in dem die Geschichte von Odermatts grossem Potenzial in die weite Skiwelt hinausgetragen wurde.

22 Jahre alt ist er nun, alle möglichen Facetten des Skisports hat er kennen gelernt. Auch die heikleren. Nach dem Podestplatz in Soldeu verabschiedete er sich mit einem Meniskusriss in die Zwischensaison. Der Zeitpunkt für eine Blessur hätte aber kaum besser terminiert sein können. Die Vorbereitung auf die neue Saison wurde jedenfalls nicht beeinträchtigt, sagt er. Die Verletzung, die ihm fünf Wochen Pause bescherten, bevor er Anfang Mai ins Konditionstraining einstieg, kam ihm nicht ungelegen. Zumal der Winter intensiv war. Zu Beginn der letzten Saison fuhr er nebst den Weltcup-Einsätzen noch Europacup, schliesslich die WM, den Weltcup-Final. In diesem Jahr gibt es keinen Grossanlass, der Kalender ist dennoch gut gefüllt. Riesenslalom und Super-G wird er alle bestreiten, hinzu kommen punktuell Abfahrten sowie vereinzelt Parallelrennen.

Wenn er am Wochenende nach Sölden zurückkehrt, werde es ihn nicht überraschen, sollte der Rummel gross sein. Vorfreude ja, aber nicht nur, sagt Odermatt. «Es ist auch eine gewisse Nervosität spürbar. Man weiss nicht, wie schnell man wirklich ist.» Allein den Aufstieg der letzten Saison zu bestätigen, wäre bemerkenswert. Für Wunderdinge bleibt noch genügend Zeit.

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