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«Z Bärä obä»

Brigitte Büchel.
Bild: Anthony Brown

Rein topografisch ist die Formulierung ja tatsächlich korrekt. Die Stadt Bern liegt auf 542 m ü. M., Schwyz auf 516 m ü. M.  Allerdings scheint es ein bisschen übertrieben, wegen 26 Metern ein Büro aufzutun.

Kürzlich war eben da, «z Bärä obe», wieder Session. Ich war auch da. Als Journalistin, wohlgemerkt, nicht zum Regieren. Ich habe zugeschaut, wie die Volksvertreter an Gesetzen feilen, die dann für uns alle gelten. Für Berichterstatterinnen wie mich am spannendsten war in diesen Wochen wohl der Abstimmungssonntag vom 3. März.

Wir haben die 13. AHV-Rente beschlossen. Also wir – WIR nicht. Wir in Schwyz. Hier wollten 57,6 Prozent die zusätzliche Rente nicht. Wir haben verloren. Ruhestehende Schwyzerinnen und Schwyzer müssen künftig profitieren, ob sie wollen oder nicht.

Was können Sie tun, wenn Sie betroffen sind? Ziehen Sie doch einen Göttibatzen für junge Leute in Betracht, um den wankenden Generationenvertrag wieder auszubalancieren – halt nicht via Staat, sondern sozusagen in Eigenverantwortung. Oder wenden Sie sich an den Finanzdirektor. Der ist vielleicht froh um ein Geschenk, denn das Budget für das laufende Jahr ähnelt der Farbe des Kantonswappens.

Vielleicht rührt das Nein aber auch daher, dass man in Schwyz der Idee etwas skeptisch begegnete. Wie Vielem, was aus Bern kommt. Überhaupt steht man hier diesem fernen Gebilde Bundesbern oft mit leichtem Argwohn gegenüber. Darum schicken wir nicht mehr Leute hin als nötig.

So gab es zum Beispiel noch nie eine Bundesrätin oder einen Bundesrat aus dem Kanton Schwyz. Ja wirklich.

Als im Herbst die Basler Kollegen ihren Anspruch auf einen Basler Bundesrat geltend machten, weil man in Basel-Stadt ja seit 50 Jahren keinen mehr hatte, da habe ich jeweils lautstark darauf hingewiesen und gesagt: «Wir hatten ja noch gar nie einen!» Gedacht habe ich aber: «Wahrscheinlich wollte noch nie jemand.»

Wenn schon kein Bundesrat, dann immerhin Parteichefs. Das können wir. Denken Sie nur daran, dass ein Schwyzer einmal Fraktionspräsident der SP «z Bärä obä» war. Ja, unglaublich. Oder die FDP, da gab jahrelang eine Schwyzerin den Ton an.

Und nun hat die grösste Schweizer Partei am Samstag einen Schwyzer an ihre Spitze gewählt. Ein Segen für die Partei, deren innigster Wunsch Netto-Null ist. Also, nicht beim Klima, sondern bei der Zuwanderung. Das hat der neue SVP-Chef nämlich im Griff, wie man bei ihm daheim in Oberiberg sieht. Da liegt die Ausländerquote bei 10 Prozent. Weit unter dem schweizerischen Schnitt. Ein SVP-Präsident aus Schwyz, ein Ununterwerfbarer. Das passt doch zum Kantonsimage.

Auf Erkundigung bei den Schwyz-Vertretenden «z Bärä obä» erzählt man, man spüre von den Kolleginnen und Kollegen der anderen 25 Kantone durchaus Bewunderung für den Mut, sich aufzulehnen, auch mal zu sagen «da machemer nüd mit». Aber eben, je nachdem, wen man fragt. Und wie oft man nachbohrt. Da heisst es dann auch, es würden gelegentlich schon auch Köpfe geschüttelt über die Leidenschaft, mit der Schwyz jeweils aufs Bremspedal trete.

Ein anderer Schwyzer Volksvertreter erzählt, man sei wohl bestrebt, eine gute Beziehung zu Bern zu haben, und man versuche ein gutes Standing für Schwyz rauszuholen. In einem Bereich hat das offenbar besonders gut funktioniert: Beim Jassen, da seien die Schwyzer in Bundesbern stark.

«Z Bärä obä» – das klingt weit weg. Nicht mal vom Gipfel des grossen Mythens sieht man hin. Umgekehrt ist das umgekehrt. Unweigerlich blicken die 200 Nationalratenden aus der ganzen Schweiz bei jeder Sitzung im grossen Saal in die Urschweiz. Beziehungsweise auf das 5 mal 11 Meter grosse Gemälde an der Wand hinter dem Ratspräsidenten, auf dem der Vierwaldstättersee, der Flecken Schwyz und die zwei Mythen zu sehen sind. Das Bild hat der Westschweizer Maler Charles Giron 1902 gemalt, «Wiege der Eidgenossenschaft» heisst es. Der Blick, den man «z Bärä obä» auf Schwyz hat, ist harmonisch, in stimmungsvoller Ruhe. Auf einem Gemälde geht das.

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