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Wie oft lügen Sie?

Die ersten vier Wochen im neuen Jahr sind passé. Es ist also höchste Zeit für ein kleines Zwischenfazit, was die eigenen Vorsätze für das Jahr 2024 betrifft. Und? Haben Sie diesbezüglich schon gemogelt? Geflunkert? Sich selbst belogen, ohne dass Sie es mitbekommen haben? Als ich mich vor Jahren erwischt habe, wie ich mich selbst belüge, habe ich das mit den Vorsätzen sein lassen.

Gemäss diversen Studien lügt ein Mensch etwa 2- bis 25-mal am Tag. Die Zahl hängt davon ab, wie oft wir kommunizieren und in welcher Situation wir uns befinden. Laut der «Washington Post» hat es Donald Trump im Jahr 2018 geschafft, seinen Mitmenschen 125 Unwahrheiten an einem einzigen Tag aufzutischen. Reife Leistung des ehemaligen US-Präsidenten.

Aber wieso lügen wir? Müssen wir lügen, um gesellschaftsfähig zu sein? Manchmal. Kindern wird zum Beispiel beigebracht, dass sie ehrlich sein sollten und nicht lügen dürfen. Dieselben Kinder lernen aber auch, dass Lügen akzeptiert werden, um das Gegenüber nicht traurig zu machen. So bedanken sie sich höflich beim Onkel oder bei den Grosseltern für das Geschenk und gaukeln Freude vor, obwohl ihnen das Geschenk überhaupt nicht gefällt. Höflichkeit vs. Ehrlichkeit – 1:0.

Bei uns Erwachsenen ist es nicht viel anders. Eine abtretende Kollegin wird gebührend verabschiedet, ihr wird für ihre jahrelange Arbeit gedankt, es werden ein paar Anekdoten erzählt, und es wird ihr versichert, dass sie dem Team fehlen wird. Zwei Drittel des Teams sind aber über den Abgang der Kollegin froh, und dem letzten Drittel ist es absolut egal. 2:0 für die Höflichkeit. Wir halten fest: Niemand wurde unnötig verletzt, die gut gemeinte «Lüge» kann als Sozialkompetenz abgestempelt werden, und alle Beteiligten bleiben gesellschaftsfähig. Check!

Im Alltag lügen wir auch, um unsere Privatsphäre zu schützen. «Wie geht es dir?» – «Danke, gut!» Zack, Lüge! Kaum jemand würde sagen: «Mein Therapeut ist zufrieden mit dem Verlauf der Therapie, und ich mache gute Fortschritte seit meinem Burnout.» Da, wo ich ursprünglich herkomme, redet man nicht offen über die persönliche Befindlichkeit, geschweige denn über irgendwelche Kliniken oder Therapeuten, auch nicht mit Freunden und insbesondere nicht, wenn man ein Mann ist. Das stelle ich auch hier in unserer ländlichen Region fest, was ein Grund sein könnte, weshalb ich mich im Kanton Schwyz so heimisch fühle. Man zieht also lieber die Lüge vor, bevor man vom Umfeld als «verrückt» abgestempelt und dezent umkurvt wird.

Sie sehen, jeder Mensch lügt aus diversen Gründen bewusst oder unbewusst mehrmals am Tag. Vielfach lügen wir, weil wir höflich sein wollen, weil wir unsicher oder einfach nur egoistisch sind und weil wir gesellschaftsfähig bleiben wollen. So, wie es scheint, würde unser Zusammenleben ohne Lügen nicht funktionieren. Entscheiden Sie deshalb selbst, was Sie als gute oder schlechte Lüge deklarieren möchten. Mit den eigenen Vorsätzen klappt es aber nur, wenn Sie aufhören, sich selbst zu belügen. Ich versuche es auch.

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