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Weihnachten nicht absagen

Der neue Abt des Klosters Einsiedeln, Urban Federer, bei einem Medientreffen am Donnerstag, 12. Dezember 2013 im Musikzimmer des Klosters Einsiedeln. (KEYSTONE/Sigi Tischler)
Bild: SIGI TISCHLER (KEYSTONE)

Am 17. Dezember erreichte das Friedenslicht aus Bethlehem die Schweiz. Dieses Licht wird jeweils in der Geburtsgrotte in Bethlehem von einem Kind entzündet und dann mit speziellen Laternen in die ganze Welt verteilt. Seit letztem Sonntag brennt es auch in vielen Schweizer Kirchen. Ein Licht als Zeichen des Friedens. Ausgerechnet aus Bethlehem?

Bethlehem liegt im Westjordanland und damit im Brennpunkt von Krieg und Unruhen. Weil viele der Menschen dort Verwandte und Bekannte im Gazastreifen haben und weil dieses Jahr keine Pilgerinnen und Pilger nach Bethlehem kommen, wurde in dieser Stadt das Weihnachtsfest abgesagt. Gibt es ihn denn noch: den Frieden von Bethlehem?

Das Zeichen dieses Friedens ist ein Licht. Von einem Kind angezündet, wird es von Mensch zu Mensch weitergeschenkt. Es wird dabei nicht weniger. Und auch wenn in Bethlehem das Licht erlöschen sollte: Es breitet sich weiter überall aus, wo Menschen es annehmen und weitergeben. Und dies über alle sozialen, religiösen und politischen Grenzen hinaus. Frieden ist dabei kein Waffenstillstand, kein harmonisches Zusammensein. Frieden heisst auch nicht, in Ruhe gelassen zu werden. Der göttliche Friede von Bethlehem zeigt sich nur in Beziehungen. So wie das Licht nur bei denen weitergereicht wird, die das wollen, kann der Frieden von Bethlehem nur im Austausch mit Gott und anderen Menschen gesucht und gefunden werden.

In Bethlehem ist der göttliche Friede in Jesus Christus zwar geboren worden. Aber entscheidend ist, ob wir ihm einen Platz in unseren eigenen Herzen geben. Der göttliche Friede beginnt klein, versucht zuerst unsere Umgebung zu erleuchten. Von da aus möchte er sich ausbreiten und die Welt erhellen. Wer sich entschieden hat, mit jemandem nicht mehr zu reden, nicht zu verzeihen, wer keine Umarmung mehr weitergibt, keine Nähe sucht, wer andere nur verurteilt und ablehnt, wer einen Streit für immer stehen lassen will, wird den Frieden von Bethlehem kaum finden.

Der Frieden von Bethlehem hat klein begonnen. Gott hat an Weihnachten keine Schweinwerfer aufgestellt, um die Welt auszuleuchten. Und er wirft – Gott sei Dank – keine Bomben über den Kriegsgebieten dieser Erde ab, um Kämpfe zu stoppen. Gott wurde an Weihnachten als kleines Kind geboren. Das Licht von Bethlehem versucht seitdem, Lichterketten des Friedens zu bilden, damit Frieden sich ausbreitet und nach und nach die Welt verändern kann. Weihnachten braucht dazu uns. Unsere Herzen. Unsere Bereitschaft.

In Bethlehem wurde für dieses Jahr Weihnachten abgesagt. Und auch Kirchenleute verdunkeln das Licht von Bethlehem. Dennoch leuchtet dieses weiter, seit mehr als 2000 Jahren. Denn der göttliche Friede lässt sich nicht einfach so abstellen. Und weil wir Menschen spüren, dass Frieden mit sich selbst nicht gemacht werden kann und wir ihn darum ausserhalb von uns selbst suchen müssen, gibt es auch heute immer wieder Menschen, die das Licht von Bethlehem empfangen und weitertragen. Gerade weil unsere Zeit von Ängsten und Krisen geplagt ist, sollten wir bei uns Weihnachten feiern und nicht absagen. Denn das Licht von Bethlehem brennt längst nicht mehr einfach im Westjordanland, sondern als Hoffnung in unseren Herzen. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern gesegnete Weihnachten und ein Herz, das bereit ist, das Licht von Bethlehem aufzunehmen.

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