WC-Häuschen-Lieferant wird von Corona-Demonstranten beschissen

WOLLERAU ⋅ Seit mehr als einem Jahr wartet die Toi Toi AG auf ihr Geld. 20 WC-Kabinen wurden für eine Corona-Demonstration bestellt und nie bezahlt. Nun wurde der Fall vor dem Bezirksgericht in Wollerau verhandelt.

25. November 2021, 11:47

Dennis Frasch / watson.ch

Was raus muss, muss raus. Damit aber raus kann, was raus muss, bedarf es Toiletten. Bei einer grösseren Veranstaltung schreibt dies sogar das Gesetz vor. Und das Gesetz gilt für alle. Auch für Corona-Demonstranten.

Samstag, der 19. September 2020 in Zürich. Die «Freiheitliche Bewegung Schweiz» hat zu einer Demonstration auf dem Turbinenplatz geladen. Die Kundgebung ist bewilligt.

Thema: «STOPP Impfpflicht».

Redner: Marco Rima, Andreas Thiel.

Teilnehmer: rund 500.

Anzahl WC-Kabinen: 20.

Zwei Tage zuvor: Bei der Toi Toi AG flattert eine kurzfristige Anfrage für zehn WC-Kabinen ins Haus. Es wird verhandelt, man einigt sich. «Wir haben einen Preis ausgemacht und die zehn WCs am nächsten Tag geliefert», sagt Erika Koller, Mitglied der Geschäftsleitung von Toi Toi.

Während man die Toiletten am nächsten Tag aufstellte, flattert bereits das nächste Mail rein: «Sie wollten zehn weitere Toiletten haben. Marco Rima hätte gerade zugesagt, sie würden bis zu 10'000 Leute erwarten», erzählt Koller.

Ohne Maske vor dem Richter

Trotz Termin-Tumult: Toi Toi liefert. Am Samstag stehen 20 WC-Häuschen in Reih und Glied. Rund 3000 Franken kostet der Service. Doch vom Geld fehlt bis heute jede Spur.

«Die Person, mit welcher wir Kontakt hatten, bat uns, die Rechnung einer anderen Person vom Organisationskomitee zu senden», sagt Koller. Das sei gang und gäbe, also habe man sich nichts dabei gedacht und die Rechnung an J.G.* adressiert.

Die Monate verstreichen, die Zahlungsfristen auch. Toi Toi versucht beide involvierten Personen zu kontaktieren, doch erfolglos. «Es hat sich einfach nie jemand gemeldet», sagt Koller.

Erst beim Termin vor dem Friedensrichter lässt sich J.G. blicken. Ohne Maske und ohne Schuldbewusstsein. «Er sagte, er habe nichts damit zu tun und sein Kollege, welcher die Kabinen bestellt hat, solle bezahlen.»

«Das ist eine Schweinerei»

Die Aussprache beim Friedensrichter führt zu keinem Ergebnis. Erika Koller will das nicht auf sich sitzen lassen. Sie kämpft weiter. Am 12. November 2021 kommt der Fall vors Bezirksgericht Höfe in Wollerau. Auch J.G. erscheint. Mit Maskendispens und mit Zuversicht.

«Der Richter lachte, weil der Arzt, der ihm die Dispens ausgestellt hatte, eine bekannte Adresse sei dafür», sagt Koller. Doch kein Problem: Nun musste sich J.G. einfach im Plexiglas-Häuschen gegen die WC-Häuschen-Rechnung wehren.

Und das erfolgreich. «Der Richter gab mir zu verstehen, dass die Sache rechtlich klar sei.» J.G. kam in keiner der Mails vor, die Toi Toi AG habe im guten Glauben geliefert. «Doch er sagte auch, dass es eine Schweinerei sei.»

Das findet Koller auch. Die Klage hat sie trotzdem fallengelassen. «Wir könnten den Fall weiterziehen, aber es ist es mir nicht wert.» Sie sehe ein, dass es ihr Fehler war, keinen ordentlichen Vertrag aufgegleist zu haben.

Wütend ist sie trotzdem. In 21 Jahren im Beruf habe sie so etwas noch nie erlebt. «Klar, manchmal gibt es einen Zahlungsausfall, weil der Veranstalter pleite ging». Dies sei hier aber nicht der Fall. Man drücke sich einfach von der Rechnung. «Wie kann man eine Kundgebung auf die Beine stellen und dann die Lieferanten nicht bezahlen?»

Die «Freiheitliche Bewegung Schweiz» war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch auf eine schriftliche Anfrage wurde bis Redaktionsschluss nicht reagiert.

*Name der Redaktion bekannt


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