Leuthard hat trotz Höhenangst neue Standseilbahn eingeweiht

STOOS ⋅ Bundespräsidentin Doris Leuthard eröffnete am Freitagabend die steilste Standseilbahn der Welt. Dafür musste sie über ihren Schatten springen – und lobte die «Weltmeisterleistung» in hohen Tönen.

15. Dezember 2017, 21:27
Jürg Auf der Maur

Die über 100 geladenen Gäste an der Jungfernfahrt der neuen Stoosbahn waren schlicht begeistert. «Toll», «einfach nur faszinierend», «unglaublich steil», «wie im Lift» waren Begriffe, die die Runde machten – und von allen Fahrgästen geteilt wurden.


Am Freitagabend segnete der ehemalige Schwyzer Pfarrer Reto Müller die 52-Millionen-Bahn feierlich ein. Verwaltungsratspräsident Thomas D. Meyer sprach zuvor von einem «überwälti­genden Moment». Professionell schnitt Bundespräsidentin Doris Leuthard das rote Band durch und übergab die neue Bahn damit ihrer Bestimmung.

Die Jungfernfahrt fand dann aber nur halb so schnell statt, wie die Bahn eigentlich fahren dürfte. Der Grund war Doris Leuthard: Man nehme auf die Bundespräsidentin Rücksicht, der es in Bergbahnen nicht so wohl sei, sagten die Verantwortlichen. Während der Fahrt gab dann Leuthard offen ihre Höhenangst zu. Die ganze Strecke über, die normalerweise rund vier Minuten dauert, staunte (und stöhnte) die CVP-Politikerin über die Steilheit des Geländes und klammerte sich dankbar an den Schwyzer Landammann Othmar Reichmuth. Die Bahn führt vom Schlattli (562 Meter über Meer) zum Stoos (1306 Meter über Meer) und überwindet dabei drei Tunnels und eine Neigung von bis zu 110 Prozent. Dank dem automatischen Niveauausgleich stehen die Passagiere immer waagerecht.

Applaus in der Turnhalle

Oben angekommen, strahlte die Bundespräsidentin wie alle anderen in die Runde. Hier sei Grossartiges geschaffen worden: «Eine Weltmeisterleistung», zu der sie zur Eröffnung sehr gerne angereist sei, so Doris Leuthard. Die Fahrt sei «Nervenkitzel pur. Einfach toll.» Sie habe auf der Fahrt zur Talstation im Muotathal schon geschaudert und könne sich nicht vorstellen, wie man in diesem Gelände so etwas habe bauen können. Ihr werde schon schlecht, wenn sie nur hinunterschaue, erklärte sie wiederholt.

Auf sicherem Boden fand Leuthard noch viele lobende Worte. «Was wir in der Politik machen, ist nebensächlich im Vergleich zu dieser Arbeit», sagte sie in der Turnhalle. Dafür erntete sie Applaus. Was entstanden sei, sei ein schönes Beispiel von Tradition und Innovation.

Auch Landammann Reichmuth (CVP) dankte den mutigen Pionieren vom Stoos, sowohl jenen im Verwaltungsrat wie jenen, die täglich in der Wand ihrer ­Arbeit nachgingen. «Ja, miär chönds», fasste er eine seiner Gefühlslagen in Worte und entschied sich bewusst nicht für die englische Version. Die neue Stoosbahn mit ihrem futuristischen Erscheinungsbild sei eine echte schwyzerische Innovation. Das mache stolz, erklärte Reichmuth. Stolz zeigte sich am Schluss auch Bruno Lifart, der als Projektleiter während der letzten Jahre tätig war. Er habe sich die erste Fahrt aufgespart, erklärte er gegenüber dem «Boten». Auch er war mehr als zufrieden und blickte gespannt nach vorne. «Ich freue mich nun schon auf die erste Fahrt bei Tageslicht.»

Für die Öffentlichkeit wird die neue Stoosbahn am Sonntag eröffnet – am 17.12. um 12.17 Uhr. Die alte Standseilbahn fährt zum letzten Mal am gleichen Tag um 19.33 Uhr.

 


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