notifications
Eingesandt:  Leserbrief

Manz und seine ganz eigene achtsame Weise

Zur Ausstellung in der Gärtnerei Camenzind in Gersau in Erinnerung an «Manz».

Auf seine ganz eigene akribische Art gelang es dem Grafiker Hermann Camenzind, in einer grossen Serie privater Arbeiten die einfachsten und alltäglichsten Dinge in unser Bewusstsein zu heben. Mit der Attitüde seiner superrealistischen und überdimensionierten Farbstiftzeichnungen weckt er in uns die Achtsamkeit für das Selbstverständliche, das Naheliegende im Leben.

Der Vergleich mit Marcel Duchamps Konzeptkunst drängt sich auf: Manz, wie er sich nennen liess, schafft es ganz ohne Worte, die Idee des Apfels, der Büroklammer oder eines Farbstiftes in unser Blickfeld zu rücken: Sie sozusagen im Kopf neu zu erschaffen.

Wir können ihn nicht mehr fragen, aber wir dürfen sicher sein, dass Manz auf den modernen Kunstzirkus ironisch reagiert hätte: Mit seinem feinen Humor, mit seinen Mitteln und seinem handwerklichen Können. Zum Beispiel mit seiner Erdbeere: einmal überdimensioniert, das Format sprengend, und einmal in natürlicher Grösse, aber am Bildrand, als ob sie gleich herausfallen würde, und vor einer blauen Fläche im Plakatformat. Oder dann bringt er in einer bildfüllenden parallelen Linienstruktur im Eckviertel eine gebogene Zone ein und weckt so den täuschenden Eindruck, als ob das Material sich biege, sich also ins Bewusstsein dränge.

Manz der Pataphysiker in der Nachfolge von Alfred Jarry, der meinte, die Pataphysik stehe zum Ideellen wie das Ideelle zur Physik? Sicher setzte sich Manz mit Harald Szeeman, einem Sympathisanten der Pataphysik, auseinander und seiner epochalen Ausstellung von 1969 in Bern: «When attitude become form: Live in your head.» Diese Ausstellung wird oft als Moment des Durchbruchs der abstrakten Moderne bezeichnet.

Manz enthüllt uns im Gegenständlichen den Geist, die Idee auf seine ganz eigene achtsame Weise.

Mehr aus dieser Gemeinde
Kommentare (0)