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Künstliche Intelligenz – Fluch oder Segen

Seit ChatGTP (Generative Pretrained Transformer) und ähnliche LLM (Large Language Models) öffentlich nutzbar sind, ist die Diskussion über Chancen und Bedrohung durch Künstliche Intelligenz in aller Munde. LLMs verwenden Deep-Learning-Techniken und grosse Datensätze (vor allem Texte), um Inhalte zu verstehen, zusammenzufassen und neue zu generieren. Die generierten Inhalte sind natürlich von den beim Lernen genutzten Daten abhängig und daher nicht immer wirklich objektiv.

Im Gegensatz zu früheren Diskussionen über radikal neue Technologien, wo vor allem darüber debattiert wurde, ob Arbeitsplätze verloren gehen, führt die Diskussion über Künstliche Intelligenz sehr schnell in lebensbedrohende Szenarien. Übernehmen die Computer die Weltherrschaft?

Der Mensch unterscheidet sich vor allem von den Tieren, da er immer wieder Werkzeuge erschaffen hat, die ihm neue Möglichkeiten eröffnet haben, vom Hammer über Dampfmaschinen bis zu den heutigen Supercomputern. Die meisten neuen Technologien wurden durch die Gesellschaft vorerst mit hoher Skepsis aufgenommen, haben sich aber dann zum Wohl des Menschen durchgesetzt. Wer möchte heute Elektrizität, Mobilität oder hochqualitative Ernährung missen? 

Als ich das Gymnasium im Kollegi Schwyz besuchte, erlebte ich gerade den Übergang vom Rechenschieber zum Taschenrechner und als Student an der ETH Zürich vom Grosscomputer zum PC (Personal Computer). All dies waren neuen Werkzeuge, die fast alle Arbeitsprozesse in unserer Arbeitswelt revolutioniert haben. Die enorme Steigerung der Rechenleistung unserer Computer und neue Algorithmen ermöglichen es uns, heute nicht nur mit Computern grosse Zahlenmengen zu verarbeiten, sondern auch die schier unendliche Menge von Daten im Internet zu analysieren und daraus Informationen zu generieren. Genau das hat vor einigen Jahren die Qualität von automatischer Sprachübersetzung revolutioniert und ermöglicht es, heute mit LLM (Large Language Models) ganze Essays zu schreiben, Computer-Codes automatisch zu generieren oder medizinische Prognosen zu stellen. So wenig wie es für mich überraschend war, dass ein Computer den Menschen im Schach schlagen kann, so wenig ist es für mich überraschend, dass ein Computer den Menschen in den Bereichen schlagen kann, wo schneller und umfänglicher Zugriff auf alle verfügbaren Informationen zentral ist. Wo früher Bibliotheken dem Menschen den Zugriff auf Informationen ermöglicht haben, sind es heute Werkzeuge wie ChatGPT, die uns fast instantan die Informationen liefern, interpretieren und sogar Texte generieren.

Es stellt sich jetzt natürlich die Frage, ob Künstliche Intelligenz einfach eine neue Generation von Tools kreiert, die unsere Möglichkeiten erweitern oder eine ernsthafte Gefahr für die Menschheit darstellen. Die Liste von Experten, die die Künstliche Intelligenz als Heilsbringer oder grösste Gefahr für unsere Menschheit sehen, ist gross. So meinte kürzlich Zack Kass, Ex-Manager von Open-AI, der Firma hinter ChatGPT, in einem Interview mit der «NZZ», dass Künstliche Intelligenz uns wahrscheinlich in naher Zukunft ein ewiges Leben bescheren werde. Solche Aussagen scheinen mir schon etwas sehr absurd. Zwar ist Künstliche Intelligenz ein sehr mächtiges Werkzeug, um Vorschläge für neue Medikamente zu generieren oder Krankheiten zu diagnostizieren. Aber die reale Welt besteht aus biologischen Abläufen und physischen Prozessen, die kaum in absehbarer Zeit von Menschen oder Computern in ihrer Ganzheit verstanden werden. Wie soll denn ein Computer selbst biologische Experimente machen, die bei der Erforschung von Krankheiten unabdingbar sind? Wie soll ein Computer Feldexperimente machen, die zur Verbesserung einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion nötig ist? Daher ist und bleibt die Künstliche Intelligenz ein mächtiges Werkzeug, das uns Menschen neue Möglichkeiten eröffnet, unsere realen und physischen Herausforderungen im Gesundheitsbereich, in der Welternährung oder im Klimawandel schneller zu lösen. Sie wird nicht die Weltherrschaft übernehmen, aber Personen und Gesellschaften, die dieses Werkzeug beherrschen, noch mächtiger und einflussreicher machen. Das ist die Gefahr, die wir im Auge behalten sollten. Wir dürfen den Anschluss in diesem Bereich nicht verlieren, sondern müssen an der Front neue Werkzeuge und deren Anwendung für das Wohl der Menschheit entwickeln, was zum Beispiel die ETH Zürich sehr erfolgreich tut.

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