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Food-Waste geht uns alle an

Wieder einmal bin ich bei einem Grossverteiler. Mein Weg führt mich durch die Gemüse- und Früchteabteilung. Da sind schön nebeneinander die verschiedenen Früchte und Gemüse und strahlen die Kunden um die Wette an. Meine Gedanken dabei sind: Wer kauft all dieses Gemüse, und wie viel davon landet wieder im Abfalleimer?

Nun, eigentlich fängt es ja beim Produzenten, dem Gemüsebauer, an. Ich nehme mir die Zeit und besuche einen Produzenten, der mich durch seinen vielseitigen Betrieb führt. Wir sind bei den Rüebli angelangt. Er erzählt mir, dass viele Rüebli schon beim Ernten wegfielen, da sie zu klein oder zu gross seien oder eben nicht die richtige Form hätten. Diese würden aussortiert, den Tieren verfüttert oder der Biogasanlage zugeführt. Eigentlich schade um die Rüebli, doch es geht noch weiter. Wenn sie dann aus dem Kühler kommen, werden sie auf Anordnung des Abnehmers für den Verkauf gewaschen und von einer Maschine auf Hochglanz poliert. Auch bei diesen Arbeitsvorgängen werden wieder die unpassenden aussortiert.

Nun haben die Rüebli diese Arbeitsgänge überstanden. Sie werden verpackt und dem Grossverteiler zugeführt. Bereits jetzt haben viele Rüebli den Weg von der Ernte bis zum Grossverteiler nicht geschafft. Und wie viele Rüebli schaffen es zu einem Kunden oder landen bei diesem im Abfall, weil sie wegen des Wasch- und Poliervorgangs nachweislich weniger lange haltbar sind?

Bei den Früchteproduzenten beginnt die Lebensmittelverschwendung oftmals bereits vor der Ernte. Aufgrund der erst kürzlich erlassenen Verbote von Pflanzenschutzmitteln können viele Früchte gar nicht mehr gepflückt werden, weil sie von Pilzen oder Schädlingen befallen wurden. Sie verderben noch am Baum. Im nahen Ausland kämpfen die Bauern mit dem gleichen Problem. Jedoch wurden über eine Notzulassung diverse Pflanzenschutzmittel wieder erlaubt, um die Produktion aufrechterhalten zu können.

Ist es nun vertretbar, dass wir in der Schweiz mit den massiven Einschränkungen beim Pflanzenschutz unseren Freilandobstbau herunterfahren, gleichzeitig aber Früchte importieren, welche genau mit den bei uns verbotenen Mitteln geschützt wurden? Wäre es nicht unsere Pflicht, mit dem notwendigen Augenmass die heimische Produktion analog unserer Nachbarn aufrechtzuerhalten und nicht voreilig Pflanzenschutzmittel auszusortieren, für welche noch keine entsprechende Alternative vorhanden ist?

Der Verlust von Nahrungsmitteln entsteht also nicht erst bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Nein, auch schon bei den Produzenten gehen viele verloren, weil die Produkte nicht die richtige Grösse oder nicht das richtige Gewicht haben oder von Schädlingen verdorben wurden. Ich bin überzeugt, dass viele Konsumentinnen und Konsumenten auch Obst und Gemüse kaufen würden, welches nicht der Norm entspricht. Solche Produkte sollten uns an den Verkaufsstellen aber auch zur Verfügung stehen.

Zudem ist es an der Zeit, dass zur Reduktion der Lebensmittelverschwendung alle Anforderungen der Abnehmer aufgehoben werden, welche die Haltbarkeit der Lebensmittel schwächen.

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