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Familie ist eben nicht (nur) Privatsache!

Wie die Zeit vergeht! Unser Sohn ist jetzt schon neun Monate alt! Es ist wahnsinnig schön, zu sehen, wie er mit Begeisterung und Neugier die Welt erkundet. Je älter er wird, desto öfter wird mir als Mutter die Frage gestellt: «Und? Arbeitest du schon wieder?» Je nach Gesprächsverlauf höre ich zwei verschiedene Erwartungshaltungen heraus. Bei einigen schwingt deutlich mit, dass ich hoffentlich bereits wieder etwas zum Bruttoinlandprodukt (BIP) beitrage und «nicht nur zu Hause rumsitze». Den anderen geht es darum, ob ich mich auch gut um das Kind kümmere und ihm viel Zeit schenke. Aber wie unsere Familienumstände sind und was diese zulassen, das fragt kaum jemand. Wo soll das Kind denn in der Zwischenzeit sein, wenn von beiden Elternteilen erwartet wird zu arbeiten? Es in die Kita zu geben, ist immer noch vielerorts verpönt. «Wieso wolltest du denn ein Kind, wenn du es dann nur in die Kita steckst?», wurden meine Freundinnen schon gefragt. Also ab zu den Grosseltern? Das mag früher gut geklappt haben, als Familien über Generationen im selben Dorf oder gar Haus gewohnt haben, aber heute zwingt die Arbeitssituation viele Familien, von ihren Eltern wegzuziehen. Ausserdem arbeiten die Menschen heute länger, das heisst, viele Grosseltern sind noch gar nicht pensioniert, um sich um die Enkelkinder kümmern zu können. Vor allem Frauen sind heute mehr und länger berufstätig. Damit fällt das klassische «Grosi hütet die Kinder» weg.

Als mein Mutterschaftsurlaub nach 14 Wochen vorbei war, habe ich zu diesem Thema einen kurzen Beitrag auf Linkedin geschrieben. Die Reaktionen waren durchmischt. Es waren vor allem Männer, die mir mitteilten: «Kinderbetreuung ist Privatsache.» Ist das so? Familienpolitik ist bei fast allen Parteien ein grosses Thema. Fakt ist: Familien übernehmen eine zentrale Aufgabe: Sie sichern den Fortbestand der Gesellschaft. Ohne Kinder würde unser Staat aussterben. Die Alterspyramide zeigt schon lange in die falsche Richtung, was zum Beispiel bei der Altersvorsorge ein Problem darstellt. Darum sollte es eigentlich im Interesse des Staates sein, dass Kinder haben einfach, ja eigentlich schon fast attraktiv sein sollte. Gerade Parteien, die sich gegen die Einwanderung stellen, sollten ein Interesse daran haben, dass der Staat durch Kinder fortbesteht. Stattdessen sind es genau sie, die sich gegen bezahlbare Kinderbetreuung wehren. Denn das ist schlussendlich oft das Problem: Die Kita ist immer noch viel zu teuer. Für viele lohnt es sich gar nicht, arbeiten zu gehen, weil sie mit den Kita-Kosten ein Minusgeschäft machen würden.

Dank der Kinderbetreuungsinitiative der SP gibt es im Kanton Schwyz bald ein flächendeckendes und bezahlbares Kinderbetreuungsangebot. Denn ich bin überzeugt: Wir können junge Familien nicht damit alleine lassen. Genauso wie das Gewerbe für den Staat wichtig ist und es deshalb Wirtschaftsförderung und Gesetze gibt, die das Gewerbe begünstigen, so müssen wir auch für Familien eine Politik betreiben, die ihnen gute Bedingungen bietet.

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