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Die Generation Z als Mitarbeiter in der Wintersaison

Nun sind sie da, die neuen Mitarbeiter für die Wintersaison. Vor einer Woche durfte ich zirka 350 junge Mitarbeiter aus über 50 Ländern für die Wintersaison 23/24 in einem grossen Schweizer Skigebiet begrüssen. Sie werden in 30 Gastronomiebetrieben arbeiten, wo täglich bis zu 15 000 Gäste über die Feiertage ihre Skiferien geniessen. Am sogenannten Kick-off Day lernen die Mitarbeiter an einem Tag alles, was sie für die gesamte Wintersaison wissen müssen. Dies beginnt damit, dass sie wissen, in welchem Bergrestaurant sie arbeiten und mit welcher Luft- oder Sesselbahn sie dahin kommen. Verhaltensregeln in Bezug auf Sicherheit, Gästekontakt und Pünktlichkeit oder der Dresscode werden an diesem Tag geschult.

Die letzte Woche war für mich ein Déjà-vu, verbrachte ich doch in meinen beruflichen Anfangsjahren insgesamt sieben Wintersaisons in der Gastronomie. Meine letzte Wintersaison machte ich damals in Arosa 1993–1994, also genau vor 30 Jahren, als Service-Praktikant während der Hotelfachschule. Ich fragte mich in den letzten Tagen wiederum vermehrt, was die Faszination «Wintersaison» ausmacht. Warum kommen junge Leute aus der ganzen Welt für vier Monate in die Alpen, um zu arbeiten? Was bewegt sie, ihre gewohnte Umgebung, ihren sicheren Job, ihre Familie und Freunde für eine so kurze Zeit zu verlassen?

Auch war ich überrascht, dass wir für diese Wintersaison genügend Mitarbeiter finden konnten. Ja, wir hätten sogar noch mehr einstellen können. Und dies mitten im Fachkräftemangel? Aber haben wir denn überhaupt sogenannte Fachkräfte eingestellt? Braucht es diese für die Wintersaison? Dies kann ich nun mit einem klaren Nein beantworten, und dies ist auch einer der grossen Unterschiede zu «meiner» Saisonzeit. Die wenigsten Mitarbeiter, die wir eingestellt haben, sind gelernte Gastronomiefachpersonen wie Koch, Kellner, Hauswirtschafter. Im Winter 2023/24 haben wir jetzt Elektriker, die in der Küche arbeiten, Kleinkindererzieherinnen und -erzieher für den Service oder ehemalige CS-Mitarbeitende in der Spülküche oder am Grillstand. Die Berufe und Fähigkeiten der Mitarbeitenden sind genauso vielfältig wie die Länder, aus denen sie herkommen, und die Sprachen, die sie sprechen.

Aber auch die Gründe, warum jemand eine Wintersaison macht, haben sich verändert. Während es für uns damals normal war, saisonal zu wechseln und wir zwischen den Saisons aus finanziellen Gründen nicht allzu viel Zeit verstreichen lassen konnten, sind die meisten Mitarbeiter mit einer flexiblen 60- bis 80-Prozent-Anstellung zufrieden. Dies gibt mehr Zeit zum Ski- und Snowboarden, denn die Saisonkarte gibts ja mittlerweile kostenlos dazu. Ja, die Generation Z ist nun auch in der Arbeitswelt im Skigebiet angekommen. Dies fordert uns, umzudenken. Die neue «Wintersaison-Generation» würde ich wie folgt charakterisieren: Sie ist immer online, will die Vereinbarkeit zwischen Job und Beruf, erhofft sich in den Bergen eine neue Erfüllung, will sich selbst sein, sucht Geborgenheit und ist maximal unverbindlich. Diese Attribute versuchen wir zu nutzen. So fragte mich eine junge, motivierte Restaurant-Assistentin, ob sie, als ausgebildete Yoga-Lehrerin, «Yoga auf dem Berg» anbieten könnte. Ein Küchenmitarbeiter wird für sein Restaurant regelmässig coole Insta-Posts machen, ein Skilehrer wird abends im Lieferservice unterstützen, und am Wochenende beim grossen Gästewechsel werden die Zimmer und Appartements ebenfalls von einer multikulturellen Gruppe gereinigt.

Dies tönt alles sehr idyllisch, die grosse Herausforderung ist es, all diese Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Vor dreissig Jahren waren wir Angestellte und mussten mit unserem Einkommen auskommen. Die heutigen Wintersaison-Mitarbeitende sind Gäste, die nebenher arbeiten. Ich bin gespannt, wie meine achte Wintersaison, nach 30 Jahren Pause, ausfallen wird.

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