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Der Generationenvertrag ist nicht Privatsache

Eine Gesellschaft ohne Kinder wird krank und stirbt aus. Die Trostlosigkeit einer aussterbenden Gesellschaft ohne nachfolgende Generationen will sich niemand vorstellen. Zuwanderung kann die Symptome vorübergehend lindern. Arbeitskräfte aus dem Ausland füllen Lücken in der vom Fachkräftemangel gebeutelten Berufswelt und tragen mit ihren Löhnen dazu bei, die grossen Löcher in der Finanzierung der AHV ein wenig kleiner erscheinen zu lassen – doch auch das nahe Ausland altert. Nachhaltig für die Zukunft gerüstet ist eine Gesellschaft, die sich junge Arbeitskräfte einkaufen muss, nicht.

Die Frage, ob ein Mensch Kinder haben will, ist persönlich und privat. Die Gründe für oder gegen Kinder sind so vielfältig und vielschichtig wie die individuellen Lebensgeschichten der Menschen. Diese gilt es zu respektieren und in ihrer Vielfalt anzuerkennen. Nur in totalitären Systemen wagt der Staat, Vorgaben zur Familienplanung zu machen.

Trotzdem: Ohne Kinder und Enkel fehlt es an Lärm und Lachen bei Familienfesten. Ohne Kinder fehlt es plötzlich an jungen Menschen, die uns herausfordern und Neues denken. Ohne Kinder entstehen keine Generationen Alpha bis Zeta, welche launig, störrisch, enthusiastisch und ambitioniert das Rad der Geschichte immer weiterdrehen. Ohne Kinder werden wir keine Enkel haben, auf die wir aufpassen können, die sich zu Ärztinnen, Informatikern, Landwirtinnen, Architekten und Pflegenden ausbilden lassen und den Motor der Gesellschaft am Laufen halten.

Darum: Wir müssen als Gesellschaft dafür sorgen, dass sich der Generationenvertrag für alle lohnt. Dass Kinder in einer Welt aufwachsen, die ihnen die Möglichkeit gibt, sich zu entfalten, zu lernen, zu lachen, zu spielen und zu träumen. Dass Kinderhaben und Elternsein eine zwar anstrengende, aber wunderbare und von der Gesellschaft unterstützte und mitgetragene Aufgabe für junge Menschen – Männer wie Frauen – ist. Dass es lohnenswert und selbstverständlich ist, sich ein ganzes Leben lang aktiv zu engagieren – unternehmerisch, beruflich, sozial –, jeder nach seiner Fasson, solange die Energie dafür da ist, mal mehr und mal weniger. Und dass es ausser Frage steht, dass die Gesellschaft auch müde, kranke und einsame Menschen trägt, selbst wenn das familiäre Netzwerk versagt.

Der Generationenvertrag ist eben keine Privatsache, genauso wenig wie Altwerden oder Kinderhaben reine Privatsache ist. Nur als Gesellschaft, die über mehrere Generationen und Lebensphasen denkt, können wir bestehen. Indem wir Lasten und Pflichten allen zumuten und zutrauen, welche die Fähigkeiten und die Kraft dazu haben. Indem wir allen, in Zeiten, in denen die Kräfte nicht ausreichen, die volle Unterstützung der Gesellschaft zusichern. Indem wir uns gemeinsam als Gesellschaft verstehen, welche auch unseren Enkeln noch eine Zukunft zur Gestaltung lässt.

Eine Gesellschaft ohne Kinder wird krank und stirbt aus. Gerade in den nächsten Wochen müssen wir ein klares Zeichen setzen, dass wir die junge Generation stärken wollen. Eine Generation, die allzu oft vergisst, ihre politischen Interessen zu vertreten. Eine junge Generation, die nicht zu den Zahlmeistern einer überalternden und aussterbenden Gesellschaft werden soll, sondern die sich als Teil des Generationenvertrags aktiv und voller Optimismus für ihre eigene Zukunft einsetzen können soll – sei es kinderreich, sei es kinderlos.

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