Das Konzert in der renommierten Lausanner Salle Métropole vom 22. April trug den poetischen Namen «Aux cœurs de Crans». Rund 20 Musiker traten dabei ohne Gage auf, darunter der Schweizer ESC-Drittplatzierte Gjon’s Tears und der Sanremo-Gewinner Riccardo Cocciante. Das Ziel: möglichst viel Geld für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana zu sammeln. Die Ticketeinnahmen sollten direkt dem Verein Swisshearts und damit den Hinterbliebenen sowie den schwer verletzten Überlebenden zugutekommen. Bei Ticketpreisen ab 90 Franken dürften an diesem Abend gut 150’000 Franken zusammengekommen sein. Doch ist das Geld tatsächlich auch bei den Opfern angekommen?
Auf Nachfrage der SonntagsZeitung, wo das Geld geblieben sei, reagierten die Veranstalter höchst ungehalten und gaben keine Auskunft. Pikant ist, dass einer der Mitveranstalter des Anlasses in Paris schon mehrmals verurteilt worden ist – einmal wegen «Vertrauensmissbrauchs» und einmal wegen «Behinderung der Tätigkeit von Beamten der Betrugsbekämpfung». Zudem gibt der Mann an, seit Jahren in Crans-Montana zu leben; dort angemeldet ist er jedoch nicht.
Zürcher Herzchirurgie-Skandal: Kritik an der Ethikkommission
Im Zürcher Herzchirurgie-Skandal steht auch die kantonale Zürcher Ethikkommission in der Kritik – deren Leiterin äussert sich in der «NZZ am Sonntag» nun erstmals zu den Vorkommnissen. Der Untersuchungsbericht zu den Vorgängen rund um den ehemaligen Herzklinik-Leiter Francesco Maisano wirft der Ethikkommission vor, bei Studien und Versuchen des Herzchirurgen Francesco Maisano kaum kritisch nachgehakt zu haben – trotz offengelegten Interessenbindungen und experimentellen Produkten.
Gemäss Bericht sei «nicht erkennbar, dass die kantonale Ethikkommission systematisch Rückfragen getätigt oder gar Auflagen formuliert hätte», heisst es im Bericht. Dies wäre für den Patientenschutz aber nötig gewesen. Die Ethikkommission verteidigt sich in der «NZZ am Sonntag»: Man habe eingereichte Dossiers geprüft, nicht einzelne Ärzte überwacht. Gleichzeitig räumt die heutige Leiterin ein, dass die Regeln inzwischen verschärft wurden. Gemäss der Zeitung suchte Maisano selber derweil diese Woche wieder die grosse Bühne – an einem Kongress in Paris trat er mehrmals auf, unter anderem mit einem ehemaligen Zürcher Chirurgie-Kollegen, der heute am Hirslanden-Herzzentrum tätig ist.
SBB droht Millionenschaden im Gotthard-Basistunnel
Der Ersatz der Tunnelfunkanlage im längsten Eisenbahntunnel der Welt verzögert sich massiv, wie «SonntagsBlick» berichtet. Das Projekt ist derart aus dem Ruder gelaufen, dass auch ein Abbruch als Alternative im Raum steht. Ohne Funkanlage können Lokführer weder untereinander kommunizieren noch die Betriebszentrale telefonisch erreichen. Da sich die Lebensdauer der Anlage ihrem Ende zuneigt, hätte sie bei Unterhaltsarbeiten zwischen 2024 und 2026 ersetzt werden sollen. Nun wird aber nichts daraus. Dies unter anderem wegen Problemen beim externen Lieferanten der neuen Anlage.
Deshalb sehen sich die SBB gezwungen, die Verträge mit dem Betreiber der aktuellen Anlage um zwei Jahre zu verlängern, mit Option auf bis zu sechs weitere Jahre. Das Kostendach liegt bei über 4,6 Millionen Franken – für laufende Supportleistungen sowie einen allfälligen Neustart oder Abbruch des Projekts. Die Sicherheit des Zugverkehrs sei damit gewährleistet, so die SBB. Wer die Mehrkosten trägt, ist noch offen. Die SBB prüfen Massnahmen gegen die verantwortliche Firma, darunter etwa Entschädigungen.
Missbrauch in zwei Kitas: Hinweis auf den Täter kam aus den USA
Obwohl er bereits in Winterthur des sexuellen Missbrauchs verdächtigt wurde, fand ein Kita-Mitarbeiter in Bern wieder einen Job – und missbrauchte mutmasslich weitere Kinder. Insgesamt soll sich der heute 33-jährige Mann an mindestens 15 Kleinkindern vergangen haben. Einen Teil dieser Übergriffe soll er zudem gefilmt haben. Dafür ist er jetzt von der Staatsanwaltschaft Bern angeklagt.
Dass der ehemalige Betreuer aber überhaupt gefasst werden konnte, verdanken die Schweizer Ermittler laut Recherchen der «SonntagsZeitung» einer Meldung aus den USA: Der Hinweis kam vom National Center for Missing and Exploited Children, kurz NCMEC, wie das Bundesamt für Polizei und die Staatsanwaltschaft Bern bestätigen. Das NCMEC ist eine gemeinnützige Organisation, die Verdachtsfälle in Zusammenhang mit Kinderpornografie an Behörden in aller Welt weiterleitet. Denn in den USA sind Internetfirmen wie Meta, Microsoft oder Google gesetzlich dazu verpflichtet, rechtswidrige Inhalte in Verbindung mit Pädokriminalität an das NCMEC zu melden. Schweizer Juristinnen und Cybercrime-Expertinnen plädieren für eine Art Schweizer NCMEC, auch, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern.
Unterforderte Gymischüler: Lehrerverband verlangt bessere Förderung
An den Schweizer Gymnasien ist ein erheblicher Anteil der Schüler unterfordert. Das hat auch damit zu tun, dass die Gymnasialquote, die Schülerzahl und damit die Klassengrössen ansteigen. Nun warnt der Gymnasiallehrerverein VSG vor den Folgen dieser Entwicklung: «Das kann für die Bildungsbiografie der jungen Menschen fatal sein», sagt Präsident Lucius Hartmann in der «NZZ am Sonntag». «Und es ist verschleudertes Potenzial für unsere Gesellschaft.» Unterforderung kann nicht nur zu Langeweile führen, sondern auch zu psychischen Problemen. Der VSG verlangt darum jetzt in einem Positionspapier eine Verstärkung der Begabtenförderung. Dazu gehören kantonale Rahmenkonzepte sowie Beauftragte für Begabtenförderung an jedem Gymnasium.
Die Schulleitungen reagieren zurückhaltend. Stefan Zumbrunn, Präsident der Rektorenkonferenz, verweist in der «NZZ am Sonntag» auf bereits vorhandene Förderangebote. Es bestehe zwar Verbesserungspotenzial. Flächendeckende Massnahmen aber wären «ein Eingriff in die Organisationsfreiheit der einzelnen Schulen», sagt er. (has)





