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Gesundheit

«Rasantes Wachstum»: Pflege zu Hause gewinnt an Bedeutung

Rund 405'000 Personen in der Schweiz nehmen Pflege zu Hause in Anspruch. Diese Zahl ist in den letzten Jahren stark gestiegen.
Eine Spitex-Mitarbeiterin kümmert sich um eine ältere Frau. 
Bild: Bild: Donato Caspari

Für viele ältere Menschen ist es ein grosser Wunsch: So lange wie möglich im eigenen Zuhause bleiben, wenn nötig dank Unterstützung von aussen. In den letzten Jahren ist die Zahl der Personen, die Pflegeleistungen zu Hause in Anspruch nimmt, deutlich gestiegen: 2022 waren es 5 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung, zehn Jahre zuvor erst 3 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte. Fast jede dritte Person über achtzig Jahren nimmt demnach Pflege zu Hause in Anspruch.

Das «rasante Wachstum» in den vergangenen zehn Jahren betraf in erster Linie den Bereich Pflege, wie das BFS in seiner Publikation schreibt. Die Hilfe zu Hause – im Haushalt, beim Einkaufen oder Kochen – habe sich hingegen kaum verändert.

Die wichtigsten Leistungserbringer im Bereich Pflege zu Hause entwickelten sich im vergangenen Jahrzehnt unterschiedlich: Die «traditionellen» gemeinnützigen Spitex-Organisationen verzeichneten ein langsames und stetiges Wachstum, während die privaten, erwerbswirtschaftlichen Unternehmen stark zulegten, wie das BFS weiter festhält. Die Zahl der selbstständigen Pflegefachpersonen verdoppelte sich.

Das könnte laut BFS auch mit der 2011 eingeführten neuen Pflegefinanzierung zu tun haben. Diese sieht einen finanziellen Beitrag der öffentlichen Hand für alle Leistungserbringer vor, unabhängig von deren Rechtsform. «Folglich ist nicht auszuschliessen, dass die Restfinanzierung, die für private, erwerbswirtschaftliche Anbieter einer zusätzlichen Einnahme entspricht, ein massgeblicher Faktor für deren Wachstum war», schreibt das BFS.

Beteiligung der öffentlichen Hand wächst

Die Krankenversicherer finanzieren die Pflege zu Hause nach festen, seit einem Jahrzehnt unveränderten Tarifen von durchschnittlich 59 Franken pro Pflegestunde, wie das BFS schreibt. Der Restbetrag wird von der öffentlichen Hand sowie von den Klientinnen und Klienten bezahlt. «Im Zeitraum 2013–2022 erhöhte sich die Beteiligung der öffentlichen Hand an der Kostendeckung für die Pflege zu Hause massiv», hält das BFS fest.

Die Tarife der Anbieter variieren beträchtlich: Die Pflege zu Hause kostete 2022 pro Stunde im Schnitt 114 Franken, wenn sie von einer öffentlich-rechtlichen Organisation erbracht wurde. Bei privaten Unternehmen belief sich der Betrag auf 83 Franken. Dafür verrechneten die privaten Unternehmen 2,5-mal mehr Pflegestunden pro Klientin oder Klienten als die öffentlichrechtlichen Organisationen. (mjb)