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Kommentar

Popanz Lützerath: Neubauer, Thunberg & Co. schaden ihrem Anliegen

Im Westen Deutschlands meinen Aktivisten und Demonstranten, vom Schicksal eines kleinen, verlassenen Dorfes hänge die Rettung des Weltklimas ab. Dem Klimaschutz helfen sie damit nicht.
Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer wird am Freitag von Polizisten von einer Sitzblockade nahe Lützerath weggetragen. 
Bild: Federico Gambarini / dpa

Was sich am Samstag nahe dem Dörfchen Lützerath im Westen Deutschlands abspielte, ist rational kaum zu erklären: Demonstranten überrannten eine Polizeikette. Einige von ihnen griffen ein niederländisches Fernsehteam an; Tausende begaben sich bis an den Rand des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler II und damit in Gefahr, denn der Boden dort war seit Tagen vom Regen aufgeweicht worden.

Lützerath soll dem Kohleabbau weichen. Das Ziel der Protestierer war es, die Räumung des Dorfes zu stoppen, die dieser Tage abgeschlossen werden soll. Auf den ersten Blick mag dies sinnvoll erscheinen, schadet doch kaum etwas dem Klima so sehr wie die Verstromung von Kohle.

Auf den zweiten Blick wird klar, wie unsinnig das Vorhaben der Aktivisten ist: Das Ende Lützeraths ist Teil eines Kompromisses zwischen dem deutschen Staat und dem Energiekonzern RWE. Die Vereinbarung sieht nicht nur vor, dass Lützerath als letzter Ort im Westen Deutschlands dem Tagebau weichen muss, sondern auch, dass der Ausstieg aus der Kohleenergie um acht Jahre vorgezogen wird und fünf Dörfer erhalten bleiben, die ursprünglich auch abgerissen werden sollten.

Eine Zerreissprobe für die Grünen

Eine merkwürdige Rolle spielen die deutschen Grünen: Das Abkommen haben Grünen-Politiker mit ausgehandelt. Der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck hat recht, wenn er sagt, mit Lützerath hätten sich die Aktivisten «das falsche Symbol ausgesucht». Dies hielt mehrere Grünen-Politiker, darunter auch Abgeordnete, die dem Deal zugestimmt hatten, nicht davon ab, sich vor Ort mit den Demonstranten zu solidarisieren.

Auch die beiden Klimaaktivistinnen Greta Thunberg und Luisa Neubauer reisten in den Westen Deutschlands. Neubauer liess sich medienwirksam von Polizisten wegtragen. Ob Deutschland das Ziel, den globalen Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 auf 1,5 Grad zu begrenzen, einhalten könne, entscheide sich in Lützerath, behauptete sie allen Ernstes.

So bauten Teile der Klimabewegung einen Popanz auf. Ihrem Anliegen haben sie damit keinen Dienst erwiesen.