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Prozess

Vier Männer verurteilt nach Überfall in Genf

Im Prozess um einen Raubüberfall mit Geiselnahme in einer UBS-Filiale in Genf hat das Strafgericht am Mittwoch vier Männer schuldig gesprochen. Der Hauptangeklagte soll fünf Jahre und vier Monate in Haft. Ein fünfter Angeklagter wurde freigesprochen.
Bild: KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Der Raubüberfall hatte sich im September 2013 in der Nähe des Genfer Hauptbahnhofs ereignet. Drei Männer hatten sich laut Anklage als Polizisten ausgegeben und waren in die Wohnung der Mutter eines Bankangestellten einer UBS-Filiale eingedrungen. Dort hatten sie die Personen in der Wohnung gefesselt und Fotos von ihnen gemacht.

Diese Bilder wurden dem Kassierer der UBS gezeigt, als er vor dem Gebäude eine Pause machte. Aus Angst um das Leben seiner Angehörigen ging der Angestellte zum Tresor der Bank und füllte zwei Taschen mit Geldscheinen. Er übergab sie den Räubern, die daraufhin flüchteten. Die Beute belief sich auf 1,25 Millionen Franken.

Die Angeklagten bestritten alle, an dem Überfall beteiligt gewesen zu sein. Das Gericht glaubte ihren "phantasievollen Erklärungen" aber nicht. Bei der Festlegung der Strafen berücksichtigten die Richter die langwierigen Ermittlungen. Bis der Fall vor Gericht kam, hatte es neun Jahre gedauert.

Flucht im Privatjet

Der Hauptangeklagte, ein Franzose marokkanischer Abstammung, galt als Drahtzieher der Bande. Er soll unter anderem Nachforschungen über die Gewohnheiten des Bankangestellten angestellt haben, den die Bande später überfiel.

Ein weiterer Angeklagter, der die Rolle eines "Schatzmeisters" innehatte, wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, teilweise auf Bewährung. Der Mann hatte laut dem Gericht die Aufgabe, die Beute unter den Komplizen zu verteilen. Er organisierte demnach auch die Flucht des Anführers nach Marokko, indem er ihm einen Flug an Bord eines Privatfliegers buchte.

DNA auf Klebeband

Ein weiterer Komplize, der als "Zudiener" an dem Überfall beteiligt und in Annemasse im benachbarten Frankreich aufgewachsen war, muss gemäss dem Schuldspruch für sechs Monate unbedingt ins Gefängnis. Dem Gericht zufolge handelte er ohne Gewalt. Schuldig befand das Gericht auch einen weiteren Mann, der heute in Dubai lebt. Dieser soll vor allem zwischen den Komplizen Informationen weitergegeben haben, nicht zuletzt als es wegen der Beute Spannungen in der Gruppe gab.

Der fünfte Angeklagte - ebenfalls aus Annemasse - wurde mangels Beweisen freigesprochen. Seine DNA wurde zwar auf einem Stück Klebeband gefunden, mit dem die Familienmitglieder des Bankangestellten gefesselt worden waren. Aber es befand sich auf dem Kleber auch noch eine andere, unbekannte DNA. (sda)

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