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Mikroplastik

Studie zeigt langsame Plastik-Zersetzung

Plastikabfälle sollten auf keinen Fall in die Natur geworfen werden, auch nicht solche aus biologisch abbaubarem Plastik. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).
Bild: KEYSTONE/APA/APA/ROBERT JAEGER

Das WSL hat die Fähigkeit von Mikroben in kalten Alpenböden daraufhin untersucht, über welchen Zeitraum Plastik in der Natur abgebaut wird.

Für seine Untersuchung hat der Forscher Joël Rüthi im Labor in Bodenproben aus 3000 Metern Höhe im Engadin drei Arten von Plastik vergraben: zwei biologisch abbaubare Verpackungen, wie sie für Kompostsäcke verwendet werden, und ein Stück Polyethylen (PE), aus dem gewöhnliche schwarze Müllsäcke hergestellt werden.

Nach fünf Monaten bei 15 Grad Celsius wiesen die beiden biologisch abbaubaren Materialien kleine Löcher und einen Biofilm aus Bakterien und Pilzfäden auf. Das PE hingegen war intakt.

Lange Dauer der Zersetzung

"Die Kompostsäcke wurden zwar teilweise zersetzt. Aber die vollständige Zersetzung hätte viel länger gedauert, wird Rüthi in einer WSL-Medienmitteilung zitiert. Deshalb sollten Plastikabfälle auf keinen Fall in den Alpen - oder irgendwo in der Natur - entsorgt werden, auch nicht solche aus biologisch abbaubarem Plastik.

Mit genetischen Methoden konnte genau festgestellt werden, welche Organismen sich auf Plastik entwickelt hatten. Gene für Enzyme, die diese langen Molekülketten an bestimmten Stellen abbauen können, befanden sich auf kompostierbarem Kunststoff.

Auch Bakterien, die atmosphärischen Stickstoff binden und daher für gesunde Böden wichtig sind, entwickelten sich gut. Sie nutzten den Kunststoff offenbar als zusätzliche Quelle für Energie und Kohlenstoff, da Kohlenstoff in alpinen Böden knapp ist.

Zahlreiche neue DNA-Sequenzen

Mit seiner Studie konnte der Wissenschaftler nachweisen, dass Mikroben, die Plastik abbauen können, in den Alpen vorhanden sind und aktiv sind, auch wenn ein vollständiger Abbau Jahre dauern kann.

Gleichzeitig entdeckte der Forscher zahlreiche neue DNA-Sequenzen, aus denen Enzyme gewonnen werden könnten, die Plastik abbauen, heisst es in der Studie, die im "Journal of Hazardous Materials" veröffentlicht worden ist. (sda)

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