notifications
Vogelwelt

Seltener Vogel vermehrt gesichtet

Ein Vogel, der in der Schweiz kaum vorkommt, ist plötzlich vermehrt zu sehen: Hierzulande wurden nach Angaben der Vogelwarte Sempach im Sommer über 20 Blauracken gesichtet, so viele wie in den letzten knapp 60 Jahren nicht mehr.
Die Blauracke, hier ein erwachsenes Exemplar, ist ein ausgesprochen farbenprächtiger Vogel. (Archivaufnahme)
Bild: KEYSTONE/APA/NATURHISTORISCHES MUSEUM WIEN/MICHAEL TIEFENBACH

Die Blauracke ist ein fast krähengrosser Vogel mit einem beinahe exotisch anmutenden azurblauen und rotbraunen Federkleid. Den Winter verbringt sie in Afrika, ihre Brutgebiete liegen in Ost- und Südeuropa.

Die Blauracke ernährt sich von grossen Insekten wie etwa Heuschrecken, eine Nahrung, die in vielen Teilen Europas seltener geworden ist. Der Vogel steht denn auch unter Druck: Der Bestand der Blauracken in einigen osteuropäischen Ländern ging nach Angaben der Vogelwarte Sempach in den letzten 40 Jahren um bis zu 90 Prozent zurück.

Brütet nicht in der Schweiz

In der Schweiz ist die Blauracke kein Brutvogel, nur einzelne Exemplare gelangen auf der Durchreise in das Land. Der Rückgang des Blaurackenbestandes in den letzten Jahrzehnten sei aber auch hier festgestellt worden, sagte Livio Rey, Sprecher der Vogelwarte Sempach, am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

So wurden zwischen 1950 und 1985 pro Jahr in der Schweiz im Schnitt 4,5 Blauracken gesichtet. In den letzten 20 Jahren waren es noch 2. Die grösste Zahl von Blauracken gab es 1965 mit 14 Exemplaren.

Diese Rekordzahl dürfte 2022 um rund 50 Prozent übertroffen werden. Es seien im Sommer bisher über 20 Blauracken festgestellt worden, erklärte Rey. Bereits 2021 sei die Zahl der Blauracken mit 8 Individuen höher als in den Jahren zuvor gewesen.

Vor allem in der Westschweiz gesichtet

Gesichtet wurden die farbenprächtigen Vögel in erster Linie in der Westschweiz. Da in Frankreich die meisten Meldungen aus dem Rhonetal stammen, dürften es somit Vögel aus dem Mittelmeerraum sein.

Wieso plötzlich deutlich mehr Blauracken in die Schweiz gelangen, ist nicht bekannt. Gesichtet worden seien vor allem Jungvögel, die nach dem Verlassen des Nests weit herumstreifen würden und so auch die Schweiz erreicht hätten, sagte Rey.

Die Möglichkeit, dass der Wind die Blauracken gegen Norden getrieben hat, schliesst Rey aus, dies weil das Phänomen bei anderen Vogelarten nicht aufgetreten sei. Möglich sei, dass die Brutsaison gut gewesen sei und es mehr Jungvögel als in anderen Jahren gebe.

Ein weiterer Grund könnte auch die Trockenheit sein, welche zu einer Verknappung des Nahrungsangebots im Süden geführt habe. Was auch der Grund für den Einflug sei, die Ornithologinnen und Ornithologen freuten sich über den exotischen Gast, erklärte Rey. (sda)